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naturel>Leser>Archiv>Ausgabe 09/03 |
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Zu Besuch im Klostergarten St. Marienstern
Autor:Christiane Thomas (29.08.2003)
Der Umwelt- und Lehrgarten als Ort der Bildung und Besinnung Inmitten der Oberlausitz, dort, wo die Städte und Dörfer zwei Namen auf ihren Eingangsschildern haben, liegt zwischen Bautzen und Kamenz das Zisterzienserkloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau. Unter seinem Schutz konnte sich jahrhundertelang die Kultur und Tradition der katholischen Sorben im ansonsten hauptsächlich evangelisch geprägten Sachsen entfalten. Majestätisch ragen die weiß-roten Gebäude des Klosters in den Himmel. Hinter den dicken Klostermauern verbirgt sich aber nicht nur das arbeits- und segensreiche Leben der Zisterzienserinnen, sondern auch der ehemalige Klostergarten, der heute in einen Umwelt- und Lehrgarten umgestaltet ist und in den grünen Jahreszeiten für Interessierte, Schul-klassen und Gartenliebhaber offen steht.
Unter den hohen Bäumen des Klosterparks, entlang des kleinen Flüsschen Klosterwasser, gelangt der Besucher zum Eingangstor des Gartens. Auf der Brücke über dem ruhig dahinfließenden, klaren, flachen Wasser stehend, kann man kaum nachvollziehen, dass sich dieser kleine Fluss zu einem reißenden, alles überschwemmenden Strom entfalten kann. So geschehen im Jahre 1991, als das gesamte Kloster völlig unter Wasser stand. Durch dieses Hochwasser wurde die bis dahin noch intakte Klostergärtnerei völlig zerstört. Sie hatte jahrhundertelang das Kloster und die umliegenden Dörfer mit Gemüse, Kräutern und Blumen, teilweise auch aus eigenen Gewächshäusern versorgt. Nachdem die Wassermassen gewichen waren, sah sich das Kloster nicht mehr in der Lage, die Gärtnerei neu aufzubauen, zumal die Selbstversorgung mit frischem Grün nach 1989 nicht mehr so dringend nötig war. So entstand hinter den dicken Mauern zwischen 1992 und 1994 ein Umwelt- und Lehrgarten, ganz im Sinne klösterlicher Traditionen, die sich schon immer als Ort der Bildung und Besinnung sahen.
Durch das große Eingangstor tretend liegt das weite Gartengelände vor den Augen der Besucher. Jetzt im Spätsommer bietet die Natur die gesamte Farbpalette ihrer kräftigen, satten Töne, eingebettet in verschiedenste Grün-Nuancen. Von der Trockenheit des heißen Sommers ist hier dank der neuen Bewässerungsanlage, die im vergangenen Jahr gebaut wurde, wenig zu spüren, wie mir Frau Waurick erzählt. Sie führt seit vielen Jahren Besucher und Schulklassen durch den Garten und konzipiert, bepflanzt und pflegt die 6000 Quadratmeter große Fläche zusammen mit freiwilligen Helfern, Praktikanten und ABM-Kräften. Und Arbeit gibt es immer genügend bei über 500 mehr und weniger anspruchsvollen Pflanzen, die der Garten bietet. Selbst in den Wintermonaten, wenn die Natur unter der Schneedecke neue Kräfte sammelt, werden bereits Pläne geschmiedet für das neue Gartenjahr. Die gesamte Fläche ist eingeteilt in sieben große Gartenbereiche, in denen alte Traditionen der Gartenbaukunst neben neuesten Erkenntnissen ihren Platz finden. Auffallend sind die in Holz gefassten und geometrisch angeordneten Beete zu Beginn unseres Rundgangs. Sie sind ein Beispiel sehr alter Tradition und Erfahrung, denn der sog. „Hortulus“ (lat. Gärtlein) geht zurück auf Walahfrid Strabo, Abt des Benediktinerklosters Reichenau am Bodensee. Er schuf vermutlich um 840 das Lehrgedicht „De cultura hortorum“, das heute als bedeutendstes Zeugnis der frühen Gartenbaugeschichte in Deutschland gilt. In 444 Versen beschreibt Strabo die 24 Heilkräuter, Würz- und Zierpflanzen des Inselklostergartens. Neben der Pflanzenbeschreibung und Anwendungsmöglichkeiten von Garten- salbei, Schwertlilie, Fenchel, Wermut oder Rose gibt Strabo auch genaue Anweisungen zum Aufbau der Gartenanlage, sodass sie heute im Umwelt- und Lehrgarten nahezu originalgetreu nachgebildet werden konnte. Zu jeder der Pflanzen findet der Besucher auf den kleinen Tafeln unter den drei Pflanzennamen in deutscher, lateinischer und sorbischer Sprache auch Hinweise, wie die Pflanze als Heilmittel genutzt werden kann. Diese ausführliche Beschreibung wird in den nächsten Jahren auch auf die anderen Gartenbereiche ausgeweitet werden, denn das Interesse der Besucher an der Heilwirkung von einheimischen Pflanzen ist in den letzten Jahren immer stärker geworden, erzählt mir Frau Waurick. Gerade diesem Bedürfnis ist auch der Gartenbereich neben dem „Hortulus“ gewidmet. Löwenzahn, Schöllkraut, Wegerich und andere von Gärtnern oft verpönte „Un“kräuter finden hier ein gepflegtes Plätzchen. Denn gerade in den Klöstern wurde das alte Wissen über die Wirksamkeit einheimischer Wildkräuter über Jahrhunderte gesammelt und angewendet. Der klassische Bauerngarten ist ein streng strukturierter und doch lebendig und bunt erscheinender Gartenbereich. Die vier Gartenteile mit dem Wegekreuz in der Mitte werden von einer Buchsbaumhecke exakt begrenzt. Innerhalb der einzelnen Teile findet man alles, was in einer gut funktionierenden Bauernküche benötigt wurde: da gibt es Gemüse in abgestimmten Fruchtfolgen, Kräuter zum Würzen dazu und natürlich die passenden Blumen für den Tisch. Leuchtend–orange Ringelblumen fehlen genausowenig wie die großen gelben Sonnenblumen und der blaue Rittersporn. Im Menügarten kann die Bäuerin sogar alles ernten, was für ein vollständiges Gericht vonnöten ist: in diesem Jahr kocht sie einen Bohneneintopf mit Erdbeerdessert als Nachspeise. Eine Idylle ganz anderer, vielleicht modernerer Art folgt im nächsten Gartenbereich. Auf einem kleinen Steg sitzend, der vom Rand eines Teiches ins Wasser führt, kann man Libellen, Frösche und Wasserläufer beobachten oder einfach nur die Seele baumeln lassen. Umgeben von Schilf und Rohrkolben wandert der Blick von den gelben Sumpfdotterblumen zu den weißen und rosa Teichrosen auf dem Wasser. Am Rande des Teiches bieten Reisig- und Steinhaufen den Tieren dieses Lebensraumes Schutz und Unterschlupf.Eine Trockenmauer und ein Steingarten überwinden den Höhenunterschied zur großen Streuobstwiese an der Klostermauer. Auf einer blühenden Kräuterwiese stehen Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume. Da die Wiese nur zwei mal im Jahr gemäht wird, können hier viele Tierarten, Vögel, Insekten, Eidechsen u.a. ihren Lebensraum finden. Ein ganz besonders einfühlsamer Gartenbereich ist der sog. „Garten der Sinne“. Hier ist anfassen, schnuppern und kosten ausdrücklich erlaubt. Wer bisher Blumen und Pflanzen nur nach ihrer Farbe und Form unterschieden hat, kann hier erspüren, riechen oder schmecken, dass es auch noch andere wichtige Pflanzenmerkmale gibt. Besonders begehrt ist die große runde Kräuterspirale, die durch ihren dreidimensionalen Aufbau Kräuter mit unter- schiedlichsten Standortbedingungen gedeihen lässt. Kräftig schmeckt das Basilikum und leicht bitter sind die rauhen Blätter des Salbei. Haben Kinder aber das Süßkraut entdeckt, muss Frau Waurick um ihre Pflanzen fürchten, denn der süße Geschmack verführt immer wieder, noch ein Blättchen abzuzupfen. Auch die Füße bekommen ein intensives Tasterlebnis, wenn sie unbeschuht die unterschiedlichen Wegeabschnitte aus Holz, Stein oder Torf betreten dürfen. Jedes Jahr in anderem Glanz präsentiert sich die große Wiese an der inneren Klostermauer. Ein aufgeschlagenes Buch aus blühenden Pflanzen, in welchem jährlich ein anderes Wappen einer Äbtissin des Klosters aufgeschlagen wurde, war in der vergangenen Zeit liebevoll dargestellt. Wer sich etwas Zeit nimmt, kann in diesem Jahr in dem sog. Meditationszentrum „Sein ist alle Zeit“ Ruhe und Besinnung finden. Begleitet von den Pflanzen, die für einen bestimmten Lebensabschnitt typisch sind, kann man auf schmalen Pfaden das Leben durchschreiten von der Geburt bis zum Tod. Kennzeichnet den Beginn des Weges eine Samenschüssel und ein blühender Streifen mit Ringelblumen, die sich stetig selbst aussähen und damit immer von neuem entstehen, so geleiten uns Efeu und Zypresse in die Ewigkeit. Begleitet wird unser Weg von passenden Versen, Gebeten oder Gedanken, die auf kleinen Tafeln aufgeschrieben sind. Der Umwelt- und Lehrgarten findet nicht nur bei Natur- und Gartenliebhaber großen Anklang, er wird auch gern von Schulklassen für einen natur- und praxisnahen Unterricht genutzt. Das Christlich-Soziale Bildungswerk Sachsen e.V. bietet im Ernährungs- und Kräuterzentrum des Klostergartens den Schülern interessante Themen von gesunder Ernährung über Heilpflanzenkunde bis hin zum Ökologischen Praktikum an. Und natürlich gibt es auch festliche Höhepunkte im Garten- und Kräuterjahr, die viele Besucher anlocken, so der Tag der Umwelt im Juni oder die Kräuterweihe am Sonntag nach Maria Himmelfahrt im August. Wer selbst in seinem Garten Gemüse anbaut oder dazu motiviert werden möchte, der sollte das Fest „Guinness und Garten“ am 21. September nicht verpassen. Hier werden die kuriosesten und größten Gartenfrüchte der Saison vorgestellt werden. Ein Besuch des Klostergartens ist von Mai bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr (Mo. u. Di. nur nach Anmeldung), sonnabends, sonn- und feiertags von 11-18 Uhr möglich. Auch ein Besuch des Klosters mit seiner wunderschönen Kirche und der klösterlichen Schatzkammer lohnt sich. Lassen Sie sich von der Blütenpracht verzaubern und finden Sie einen wunderbaren Ort der Stille, Besinnung und Bildung. Ansprechpartner: Christlich-Soziales Bildungswerk Sachsen e.V. Kurze Str. 8 01920 Miltitz/Nebelschütz Tel. 035796-9710 oder –95117 eMail: info@csb-miltitz.de Autor:Christiane Thomas (29.08.2003) |
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