Der heilige Moment in dem sich jegliche spirituelle Erfahrung ereignet, liegt zwischen Zeit und âNichtâZeitâ, an jenem geheimnisvollen Punkt, an dem das âVorherâ und das âNachherâ miteinander verschmelzen und sich im âJetztâ, in der fortlaufenden Gegenwart, auflösen. Tatsächlich ist es dieses unbegreifliche und geheimnisvolle âJetztâ, welches die Ewigkeit offenbart, und wo die Erfahrung der direkten Kenntnis des Göttlichen verwirklicht werden kann. Anders ausgedrückt kann unsere Existenz mit einem Bündel Funken verglichen werden von denen jeder nur für wenige Sekunden existiert, das Bündel selbst nicht länger als wenige Minuten. Die essentielle göttliche Realität kann nicht zeitlich oder vorübergehend sein. Sie ist ânicht-zeitlich und ewigâ.
In seiner Essenz ist jeder Mensch eins mit Gott
Die Empfindung der göttlichen Gegenwart, welche in einergeheimnisvollen Zeitspanne von besonderer Qualität erfahren wird, nämlich einer fortlaufenden Gegenwart, wurde auf ähnliche Weise von Yogis und christlichen Mystikern erfasst und beschrieben. Im Einklang mit den großen Eingeweihten des Orients behauptet der christliche Heilige Johannes vom Kreuz, dass das Geheimnis der spirituellen Verwirklichung darin bestehe, durch direkte Erfahrung wirklich zu verstehen, dass Gott in seiner Essenz das höchste, einzige Bewusstsein ist. Er fährt fort indem er behauptet, dass bedingt durch die Tatsache, dass Gott das einzige und höchste Bewusstsein ist, entsprechend einer göttlichen Logik dieses Bewusstsein notwendigerweise im Bewusstsein eines jeden Menschen gegenwärtig sein muss. Folglich repräsentiert jeder Mensch in seiner Essenz selbst Gott, wobei er gleichzeitig Schöpfer, Erhalter und Zerstörer ist. Aus diesem individuellen Bewusstsein kann alles hervorgehen, was der Mensch für seine Befreiung oder spirituelle Verwirklichung während des Erdenlebens benötigt.
Entsprechend dem universellen Bewusstsein, welches wir Gott nennen, behauptet das individuelle Bewusstsein ständig: âIch binâ. Der Pfad der Jnana-Yogis, jener Yoga-Praktizierender die in ihrer spirituellen Evolution nach dem vollkommenen Wissen über das âGanzeâ suchen, repräsentiert den Pfad des âICH BINâ. In dieser Ausdrucksweise bemerken wir eine vollkommene Ähnlichkeit zu jener Methode, welche vom heiligen Johannes vom Kreuz vorgeschlagen wurde.
Für eine glückliche Existenz genügt die göttliche Gnade
Dieser bereits erwähnte Pfad gleicht in seiner Essenz dem, was Lao-Tse als âTaoâ definierte. Die Yogis nennen es den âPfadâ, aber es spiegelt sich auch hier der gleiche Aspekt wieder, nämlich sich dessen bewusst zu werden, dass unsere wahre, ultimative Identität eine rein spirituelle ist. Solche Dinge wissend fragen wir uns, wie wir dieses fortlaufende und vereinigende Bewusstsein erlangen können, welches uns die Existenz in unserer göttlichen Dimension verspricht. Das Yoga-System begründet diese spirituelle Leistung besonders durch Meditation, einem offenen Tor zum âKönigreich der göttlichen Gnadeâ oder dem âKönigreich des Himmelsâ. Jedoch gehört dieses Königreich, wie Jesus Christus es klar ausdrückte, nicht zu dieser Welt in welcher wir leben. Um wirkungsvoll zu werden muss Meditation uns erheben, uns schrittweise âüberâ diese Realität hinausbringen, uns dabei helfen, uns von all den illusorischen Bildern zu befreien, die wir als âIchâ annehmen. Auf diese Weise lösen wir uns von allen Begrenzungen, die wir von Kindesbeinen an pflegen und an denen wir haften, ob wir sie mögen oder nicht.
Wenn wir uns selbst aufmerksam und losgelöst analysieren, bemerken wir, wie unser Ego im Laufe der Zeit eine Menge âMaskenâ annimmt, die uns daran hindern ein erweitertes Bewusstsein zu erlangen und uns auf das begrenzen, was wir âmein Geldâ, âmeine Gesundheitâ oder âmeinen Friedenâ nennen. Die meiste Zeit begreifen wir nicht, dass all dies nur Illusionen sind. In Wahrheit gibt es nur âSeinen Friedenâ, den Frieden des einheitlichen Bewusstseins Gottes, welcher unsere gewöhnliche Verstandesfähigkeit transzendiert, und âSeine Gnadeâ, welche für eine glückliche Existenz genügt. Nichts ist wirklich unser eigen, solange das göttliche Bewusstsein nicht in uns erwacht ist
Zu wem gehören dieser Frieden und diese Gnade nun tatsächlich?
Sie gehören zu diesem höchsten Wesen, dessen ewige Gegenwart sich auf extrem einfache Art durch das âICH BINâ ausdrückt, da es in Wirklichkeit nichts anderes gibt von dem wir wirklich sagen können, dass es existiert. All die begrenzten und flüchtigen Ansprüche des begrenzten âICHâ, welches glücklich oder unglücklich entsprechend seiner eigenen relativen Kriterien ist, müssen losgelassen werden, bevor wir uns unserer wirklichen und einzigartigen göttlichen Präsenz bewusst werden können. Da wir in uns ein unumschränktes göttliches Bewusstsein tragen, haben wir gleichzeitig in uns alles was dieses Bewusstsein beinhaltet. Mit anderen Worten spiegelt sich in uns das ganze Universum in einem latenten Ausdruck wider. Solange jedoch die göttliche Präsenz in uns noch nicht erwacht ist, haben wir nichts, auch wenn es für eine Weile so erscheinen mag, als gehöre uns eine blühende Situation, in der wir uns vielleicht gerade befinden mögen. Da diese Annahmen, die sich für einen Moment vor uns ausbreiten, illusorisch sind, können sie sich von einem Tag zum Nächsten verändern, und uns vollständig machtlos gegenüber einem augenscheinlich schicksalsbedingten Verlauf der Ereignisse zurücklassen. Wenn wir, im Gegensatz dazu, den erhabenen Weg, um bewusst mit der unerschöpflichen göttlichen Quelle, die in jedem von uns gegenwärtig ist, in Kontakt zu treten, bereits entdeckt haben, werden wir ungeachtet der äußeren Umstände niemals davon abgehalten werden können, die reine und vollständige Freude unserer Existenz im Selbst zu empfinden.
| Yoga: âUm die Sonne wiederzuspiegeln muss ein Spiegel rein und klar sein.â |
Oft entdecken wir, aufgezeigt durch spirituelle Meister, dass diese innere Suche in Stille und Sakrament geschehen muss. Das Sakrament ist meistens unerlässlich, da wir gesetzt dem Falle, wir würden unseren Freunden vor dem geeigneten Zeitpunkt von unserer göttlichen Natur erzählen Gefahr laufen, die Gnade des Lichts des göttlichen Bewusstseins in uns zu verlieren, und danach nicht fähig zu sein, es ohne eine Menge Schwierigkeiten wiederzuerlangen. Sobald wir unsere wahre Identität verstehen, werden wir fähig sein die wahre Natur der Botschaft zu verstehen, welche Yoga uns vermittelt, und auch zu verstehen warum vom âgöttlichen Pfad zur Unbegrenztheitâ die Rede war. Dieser Pfad kann in nur einem Begriff verdichtet werden: âDas Selbstâ.
Die christlichen Mystiker erwähnten das christliche Bewusstsein welches den Vater mit dem Ich, dem Sohn, in einem unauflöslichen Ganzen vereinigt. Später wurde die erhabene Wahrheit des einzigen âICHâ oder âICH BINâ, fälschlich missbraucht, wobei Jesus mehr als eine Kultfigur dargestellt und der unannehmbare Standpunkt vertreten wurde, dass im Laufe von Jahrhunderten nur ein einziger Mann, ein Mann allen anderen übergeordnet, der einzige Sohn Gottes war. Diese falsche Demut wurde vom heiligen Siluan Antonith, welcher auch lehrte, dass wahre Demut darin besteht Jesus Christus, den Sohn Gottes, als den Ausdruck des göttlichen Geistes, welcher in jedem von uns existiert, zu erkennen, als Dummheit bezeichnet. Er ist unser höchstes âICHâ. Folglich muss jegliches begrenzte und unreine âICHâ mit welchem wir uns meistens identifizieren erkannt und transzendiert werden.
Um die Sonne wiederzuspiegeln muss ein Spiegel rein und klar sein. Wenn wir nun unseren Geist mit einem Spiegel vergleichen, stellen wir fest, dass der Spiegel nichts tun kann, um die Sonne anzuziehen. Er kann nur rein und klar sein. Wenn unser Geist dazu bereit ist, wird auf die gleiche Weise die âSonneâ des göttlichen Bewusstseins beginnen, sich in ihm wiederzuspiegeln. Jedes menschliche Wesen, welches noch nicht eine ausreichend hohe Bewusstseinsebene erreicht hat, wird durch seinen begrenzten, âunerleuchtetenâ Geist (welchen der heilige Apostel Paulus als âfleischlichenâ Geist bezeichnete) solch eine vereinigende und göttliche Vision als unannehmbar betrachten. Darum muss diese Wahrheit dem Anfänger gegenüber geheim gehalten werden, solange er die Essenz seiner göttlichen Identität noch nicht versteht.
| Yoga-Übende |
Diese bereits vorgestellten fundamentalen Prinzipen in die Praxis umzusetzen, sollte das Ziel der Handlungen des täglichen Lebens eines jeden Yogi darstellen, der sich dem göttlichen Pfad zur Unbegrenztheit verschrieben hat. Derjenige, der Yoga praktiziert, den Pfad zur göttlichen Unbegrenztheit geht, erhält somit eine außergewöhnliche Methode, um den Anderen zu helfen. Er ist nicht besorgt und haftet weder an der betreffenden Person in Not noch an ihrem Problem an. Er weiß, dass ein echtes Problem nicht vollständig durch eine Handlung gelöst werden kann, welche auf der gleichen Ebene wie das Problem selbst stattfindet. Er ist sich darüber bewusst, dass er nicht ein Problem oder eine Person behandelt, sondern sich selbst. Wenn sich das göttliche Bewusstsein durch ihn zu manifestieren beginnt, was sich durch den unzerstörbaren Glauben ausdrückt, eins mit dem Vater zu sein, findet das Problem seine Lösung. Gemäß dem Yoga besteht die Kunst der spirituellen Heilung zunächst darin, den Patienten und auch seine Probleme zu vergessen. Danach richtet der Yogi seine Aufmerksamkeit nach innen, in die Tiefe seines eigenen Wesens, um dort mit seiner göttlichen Präsenz in Berührung zu kommen - die allgegenwärtige Gnade Gottes, welche alle Dinge imprägniert. Was uns unvermeidlich zu sein scheint, wie geboren werden oder sterben, erscheint ihm nur als eine Weise des Ausdrucks, wie sich die Bewegung in das Bewegungslose hineinbringt, oder das Ende in die Endlosigkeit.
Auf diesem Pfad kann es nicht mehr als ausreichend akzeptiert werden, während der Sadhana, der spirituellen Praxis, in einer Yogastellung zu sitzen und zu meditieren, während man versucht alle möglichen Gedanken zu beseitigen, in passiver Erwartung einer wundersamen, uns überwältigenden Erfahrung. Es ist vielmehr eine profunde und fortlaufende Imprägnierung unserer Wesen mit den fundamentalen Wahrheiten, die oben erwähnt wurden, welche erlangt werden müssen.
Dieser spirituelle Pfad des Yogi impliziert nicht notwendigerweise irgendeine Regel oder ein Ritual außer der göttlichen Liebe, universell und unpersönlich. Das einzige Ziel dieser Praxis weist auf die innere Flamme, ewig strahlend auf dem Altar unserer Seele. Dieser spontane und natürliche Einklang mit Gott repräsentiert den Umstand einer spirituellen Brüderlichkeit voll von innerer Freiheit, welche eine Disziplin der Seele ist. Wir genießen eine unbegrenzte Freiheit innerhalb eines gereinigten Universums, welches keine physischen Grenzen hat, und in welchem wir Gott frenetisch und ewig anbeten können, außerhalb jeglichen Zeremoniells.
Auf diese Weise wird die spirituelle Erleuchtung schrittweise alle materiellen Bände auflösen, und die Menschen durch den goldenen Faden der Selbstverwirklichung
verbinden.
Ins Deutsche übertragen von Meike Angelika Hühnefeld
Gregorian Bivolaru gründete die Yogaschule M.I.S.A. (The Movement of Spiritual Integration into the Absolute)in Rumänien. Er unterrichtet die fortgeschrittensten Aspiranten seit mehr als 20 Jahren. Die Schule hat in Rumänien und inzwischen weltweit mehr als 40.000 Schüler. Nähere Informationen unter www.traditionelles-yoga.de.






