Wenn im Herbst die Ingwerpflanze ihre Blätter verliert, dann beginnt in Brasilien, Zentral-Afrika, Südostasien und Jamaika (von dort soll übrigens der beste Ingwer kommen) die Ernte des geweihförmigen Wurzelstocks. Anschließend wird er in kochendes Wasser geworfen und in der Sonne getrocknet. Als Ingwerknolle oder beigefarbenes Pulver wird er auf Märkten oder in Geschäften zum Kauf angeboten. Ingwer ist reich an Vitaminen sowie Mineralien, wie Kalzium, Kalium und Eisen. Der typische scharfe bis beißende Geschmack des Ingwers verdankt er seinen ätherischen Ölen. Hauptsächlich Gingerol und Shogaol zählen zu den Scharfstoffen und haben darüber hinaus eine tiefgreifende Wirkung auf den menschlichen Körper.
| Ingwerwurzel |
Auch in unserem Darm können Gingerole wahre Wunder bewirken, besonders wenn uns Blähungen, Übelkeit oder Krämpfe plagen. Innere Anwendungen mit Ingwer fördern die Bildung von Magensaft sowie die Darmbewegung und beruhigen den Brechreiz. Ingwer ist daher auch ein beliebtes und bewährtes Mittel gegen Reiseübelkeit. Wissenschaftliche Experimente haben gezeigt, dass es gerade Testpersonen, die an See-, Höhen- oder Luftkrankheit leiden, deutlich besser ging nach der Einnahme von Ingwerpulver. Auch die Übelkeit nach Operationen konnte durch Ingwerpulver bei einem Versuch mit 60 Frauen deutlich gemindert werden. Ingwer kann Beschwerden bei Fön oder Wetterfühligkeit deutlich lindern. Wer vor einer ausgelassenen Party einen nachfolgenden Kater fürchtet, sollte entweder weniger trinken oder aber vorbeugend oder während des Alkoholgenusses Ingwer knabbern. Der lästige Kopfschmerz am nächsten Morgen wird garantiert ausbleiben.
Nicht zuletzt sei die durchwärmende Wirkung besonders des frischen Ingwers zu erwähnen. Was beim Verspeisen in Mund und Hals zu spüren ist, setzt sich im Magen und auch unter der Haut fort. Gerade im Winter ist Ingwer daher ein hervorragendes Gewürz, den Körper von innen mit Wärme zu versorgen.
Innere Anwendungen – Ingwertee und Ingwerstäbchen
Linderung bei Magenbeschwerden oder Darmkrämpfen, aber auch bei Erkältungsbeschwerden verschafft ein frisch aufgebrühter Ingwertee. Einige dünne Ingwerscheiben oder eine Messerspitze Ingwerpulver werden mit einer Tasse kochendem Wasser überbrüht oder kurz aufgekocht. Je nach gewünschter Schärfe kann die Ingwermenge und auch die Kochdauer (bis zu 15 Minuten) variieren. Lassen Sie den Tee noch etwa fünf bis sieben Minuten ziehen und trinken Sie je nach Stärke und Dauer der Beschwerden drei Tassen pro Tag.
Bei Übelkeit und Erbrechen während langer Auto- oder Schifffahrten haben sich Ingwerstäbchen bewährt. Reiseempfindliche Menschen sollten ein Erste-Hilfe-Päckchen der kandierten Stücken immer zum Knabbern in der Handtasche haben. Bereits nach kurzer Zeit werden auch sie die Reise genießen können. Eine ähnliche Wirkung haben auch im Handel erhältliche Kapseln mit Ingwerpulver.
Wärme von innen kann neben Ingwertee auch eine Tasse Ingwermilch verschaffen. Gerade in den Kältephasen eines beginnenden grippalen Infekts sorgt die mit einem Löffel Ingwerpaste versetzte heiße Milch für ein angenehmes Wärmegefühl. Zusätzlich kann das Getränk wie auch der Ingwertee mit einem Löffel Honig versüßt werden.
Äußere Anwendungen – Bäder, Wickel und Kompressen
Aufgrund seiner schmerzlindernden Wirkung kann ein Sud aus frischem Ingwer für Bäder oder Kompressen besonders bei rheumatischen oder Muskelschmerzen hilfreich sein. Übergießen Sie die in Stücke geschnittene Ingwerknolle mit heißem Wasser und lassen Sie den Sud etwa 15 Minuten ziehen oder leicht köcheln. Bei Muskel- und Gelenkschmerzen oder auch Verstauchungen legen Sie eine Ingwerkompresse, zum Beispiel eine mit dem Sud getränkte Mullbinde, auf die betreffende Stelle. Sie sollte möglichst noch heiß sein, es sei denn, dies ist dem Patienten unangenehm. Bei Ganzkörperbädern mit Ingwer wird der warme Sud dem Badewasser zugesetzt. Ein Ingwerbad empfiehlt sich besonders bei rheumatischen Beschwerden oder Gliederschmerzen. Es sollte eine Badedauer von 20 Minuten nicht überschreiten.
Die Wärmekraft der Ingwerknolle kann auch für Wickel genutzt werden, immer dann, wenn eine Entzündung chronisch zu werde droht, wenn verfestigte Stoffwechselprozesse wieder angeregt werden sollen. Hier kann die lang anhaltende und tiefe Wärme des Ingwers Verhärtungen auflösen und Organgebiete anregen. Ist beispielsweise eine ausklingende Bronchitis oder Lungenentzündung zum Stillstand gekommen, so kann der zähe Schleim durch Ingwerwickel auf Brust und Rücken gelockert, trockener Husten gelöst und die Lunge entlastet werden. Übergießen Sie einen gut gehäuften Löffel Ingwerpulver (auch geriebener frischer Ingwer ist möglich) mit 500 ml 70°C heißem Wasser und verrühren Sie den Sud gleichmäßig mit einem Löffel. Für Brust und Rücken je ein Innentuch in den Sud legen und anschließend in einem vorbereiteten Wringtuch zunächst die Rückenkompresse kräftig auswringen. Legen Sie die Kompresse mit der Seite auf die Haut des Patienten, auf der sich noch Teile des Ingwerpulvers befinden, und befestigen Sie es rasch mit einem eng anliegenden Außentuch. Verfahren Sie im Anschluss genauso mit dem Brustwickel. Je nach Verträglichkeit bleibt der Wickel 30 bis 40 Minuten auf der Haut. Anschließend waschen Sie restliche Ingwerkrümel ab und tragen etwas Öl auf die Haut auf, um die Haut zu beruhigen und die Wärme noch länger zu halten. Sehr wichtig ist die folgende Nachruhe für etwa eine halbe Stunde. Danach sollte der Patient möglichst aufstehen und aktiv werden. Ingwerwickel sind daher eine Anwendung für den Morgen und sollte möglichst nicht am Abend erfolgen. Weist die Haut im Bereich der Kompresse Verletzungen auf, sollte ebenfalls von der Behandlung mit Ingwerwickeln abgesehen werden. Mitunter reicht bereits ein Wickel, um den Heilungsprozess anzuschieben. Ist eine längere Behandlung nötig, dann legen Sie nach drei Tagen eine Pause ein, um dem Körper Zeit zu geben zu reagieren.
Die Möglichkeiten der Ingwerknolle, unserem Körper Gutes zu tun, sind vielfältig und gehen weit über den Gaumengenuss hinaus. Nur ein einfaches Gewürz und doch auch ein Feuer an Heilkraft. Das alte chinesische Wissen sowie neueste wissenschaftliche Erkenntnisse lassen uns bewusster die Schätze der Natur nutzen.
Literatur:
Jörg Zittlau
„Die Heilkräfte der Natur“
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