In ihrer Frühzeit haben die Menschen die Natur wesentlich intensiver studiert. Der wiederkehrenden Lauf der Jahreszeiten wurde genau beobachtet und auch gefeiert. Unsere Vorfahren waren von den Wetter- und Klimabeding-ungen extrem abhängig. Eine einzige Missernte konnte über Leben oder Tod entscheiden. Mit dem Sonnenstand wurde die Jahreszeit bestimmt und das Licht selbst als Heilsbringer verehrt, denn ohne Licht gibt es kein Leben. Und mit dem hellen Feuer lassen sich böse Mächte und Kobolde vertreiben, die sonst für Unglück oder Krankheiten sorgen â davon waren die Menschen zutiefst überzeugt. Sie versuchten, mit Opfergaben zukünftige Wetterunbilden zu verhindern und die Götter gnädig zu stimmen.
So ist es verständlich, dass bereits viele vorchristliche Kulturen den Tag der Wintersonnenwende schon lange gefeiert haben. Die Geburtsfeiern des Lichtgottes im indischen Mithraskult zählen genauso wie der ägyptische Isiskult zu den ältesten Sonnenwendritualen der frühen Menschheit. Die Römer verehrten damals an diesem Tag Saturn. Aus dem gleichen Anlass feierten also seit Jahrtausenden verschiedene Kulturen den selben Tag â aber mit unterschiedlichen Ritualen. Diese Sonnenwendfeier war seit vielen Jahrhunderten auch fester Bestandteil der heidnischen Riten. Deshalb hatten es die Christen anfangs schwer, die Heiden zu überzeugen, nach den fremden christlichen Regeln zu feiern. Da half nur ein Trick weiter: die Christen verlegten im 3. Jahrhundert den Geburtstag ihres Lichtbringers, Jesus Christus, auf den Feiertag der Wintersonnenwende. Damit das neue kirchliche Ritual von den Heiden vollständig angenommen werden konnte, mussten, besonders im deutschen Gebiet, alte germanische Bräuche und Sitten, wie Kalender, Kränze oder Gesänge, einbezogen werden. Aus den grünen Tannenzweigen wurde nun der Kranz geflochten und später dann mit vier Kerzen bestückt.
Dem christlichen Weihnachtsfest geht die etwa vierwöchige Adventszeit voran. Adventus ist lateinisch und heißt Ankunft. Man erwartete die Geburt Christi. Der Ursprung der Adventszeit lässt sich bis in das 5. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Gebiet um Ravenna, in Italien, wurde die Adventszeit damals schon gefeiert. Diese vier Wochen sollten die 4000 Jahre darstellen, die die Menschheit, nach kirchlichen Rechnungen, auf den Erlöser Christus warten musste. Diese Regel stellt im 6. Jahrhundert Papst Gregor auf. Aber schon damals wichen die Mailänder davon ab und feiern auch heute noch 6 Wochen Advent. Der 25. Dezember wurde um das Jahr 217 durch Papst Hyppolit zum Tag der Geburt Jesu erklärt und mit dem ersten Adventssonntag begann auch das neue Kirchenjahr. Zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert wurde das Weihnachtsfest nun in ganz Deutschland begangen und 813 von der Kirche offiziell eingeführt.
| Weihnachtsgeschenk |
Das Schenken ist ein uralter Brauch. So zeigt man seine Liebe, wirbt um Freundschaft und dokumentiert seinen Frie-denswillen. Erst später wurden dann daraus die Gaben Gottes.
Um 1450 wurden in Konstanz am Bodensee erstmalig die Kinder zum Weihnachtsfest beschenkt. Das hatte damals noch der gute alte Nikolaus besorgt, bevor etwa 1550 der heilige Christ die Geschenke verteilte und sich der Tag der Bescherung vom 6. Dezember auf den 25. Dezember verschob. Viele der äußerst bescheidenen Gaben hingen später am Weihnachtsbaum, der um 1597 erstmals in Bremen geschmückt wurde. Die immergrünen Fichten und Tannen symbolisierten immerwährendes Leben. Bis dahin hatten Lorbeer- oder Mistelzweige sowie Buchsbäumchen und sogar Eiben für den natürlichen Schmuck gesorgt und gleichzeitig die bösen Geister ferngehalten. Kerzen sollen um 1610 erstmals den Weihnachtsbaum in das typisch anheimelnde Licht getaucht haben. Seither wurde das christliche Weihnachtsfest immer wieder von sehr unterschiedlichen, regionalen Bräuchen ergänzt und bereichert. So gibt es selbst heute in der christlichen Welt viele unverwechselbare Arten, das Weihnachtsfest zu feiern.
Krippe oder Baum in Italien
| Weihnachtsstern |
In Italien steht zum Weihnachtsfest die aufwändig gestaltete Krippe oder der Weihnachtsbaum im Mittelpunkt. In diesem Punkt ist das Land nämlich in zwei Lager gespalten. Schon seit langer Zeit wird heftig darüber gestritten, was denn nun weihnachtlicher ist. Auf der Insel Sizilien wird in der Adventszeit sogar zu einem zünftigen Weihnachtspoker eingeladen. Mit den Gewinnen sollen die Geschenke finanziert werden. Bis zum 6. Januar müssen allerdings die Kinder warten, bis sie von der Hexe Befana beschenkt werden. Sie kommt durch den Kamin und füllt die blitzblank geputzten Schuhe.
Griechenland, Spanien und Großbritannien
Auch in Spanien und in Griechenland müssen sich die Kinder gedulden. Zwar beginnen in Griechenland die Feierlichkeiten auch am 24. Dezember mit Trommelumzügen der Kinder, aber ihre Geschenke erhalten sie ebenfalls erst am 6. Januar. In der Zwischenzeit ziehen die Kleinen durch die nächtlichen Straßen und stimmen Lobgesänge an. 12 Nächte lang brennen Weihnachtsfeuer, die vor Kobolden schützen sollen. Am Tag der Drei Heiligen Könige, dem 6. Januar, stecken auch in den Kinderschuhen Spaniens kleine Überraschungen. Ausgelassene Straßentänze nach dem Rhythmus der Trommeln und Kastagnetten, begleitet vom Feuerwerk, gehören genauso zum Fest wie die Weihnachtskrippe.
| Kinder unterm Weihnachtsbaum |
Als Festspeise steht Truthahn auf der Tafel, so wie in Großbritannien.
Dort wird am 24. Dezember ganz normal der Arbeit nachgegangen. Erst am Abend hängen die Kinder in England und Schottland ihre Strümpfe auf. Brave Kinder finden darin am nächsten Morgen ihre kleinen Gaben. Die großen Überraschungen liegen unter dem Weihnachtsbaum. Santa Claus bringt dort die Päckchen und Pakete. Wer unter dem Türrahmen steht, über dem ein Mistelzweig hängt, sollte aufmerksam sein. Dort kann man richtig abgeküsst werden, und Gegenwehr ist verboten! Im traditionellen Weihnachtsessen, dem Plumpudding, ist übrigens eine Münze versteckt. Wer sie findet, soll besonders viel Glück haben.
Weihnachten in Scandinavien
In Dänemark ist im Mandelreis, der zum Gänsebraten gereicht wird, nur eine einzige Mandel untergemischt. Dort erhält der Finder immerhin ein kleines Geschenk. Am Heiligen Abend werden die Gaben erst ausgepackt, wenn die ganze Familie Weihnachtslieder singend um den Baum getanzt ist. Dass man dabei ganz schön ins Schwitzen kommen kann, ist ausdrücklich erwünscht â jedenfalls in Finnland.
Die finnische weihnachtliche Familiensauna muss unbedingt vor der abendlichen Bescherung absolviert sein. Bereits am Mittag des 24. Dezember wird der Baum liebevoll geschmückt und in der Stadt Turku wird der âWeihnachtsfriedenâ ausgerufen. Santa Claus übernimmt auch hier das Schenken.
| Weihnachtsmann: Gibt es einen Weihnachtsmann? |
Die Überraschungen in Schweden kommen manchmal sogar durch das Fenster geflogen. Man öffnet dort die Fenster weit, damit ein Julklapp, ein kleines Päckchen, von einem Freund oder von Nachbarn hereinfliegen kann. In der Vorweihnachtszeit werden Julbier gebraut, Julkuchen gebacken und ein Julbock bewacht die Geschenke, bis am 13. Januar die Julzeit endet. Einen Monat zuvor, am 13. Dezember, geht ein ganz weißgekleidetes Mädchen als Lucienbraut mit einem Kranz auf dem Kopf zu den Schlafenden in der Familie, weckt sie auf und bringt ihnen das Frühstück. Auf dem Kranz stecken brennende Kerzen, die die Zeit des Lichtes ankündigen. Dieses Datum wurde wahrscheinlich durch die Zeitverschiebung des julianischen Kalenders verursacht.
Das ist auch der Grund, warum in Russland Väterchen Frost erst am 31. Dezember die Kinder zum Jolkafest beschenkt und traditionell am 11. Januar Neujahr gefeiert wird.
Niederlande
Schon am 6. Dezember werden die Kinder in den Niederlanden überrascht, wenn sie ihre polierten Schuhe herausstellen. Oft sind neben den Schuhchen eine Möhre und eine Schüssel mit Wasser zu finden. Das sind die Gaben für das Pferd des Sinter Klaas und dessen Gehilfen, dem Zwarten Piet. Der holländische Sinter Klaas hat übrigens noch ein richtiges Bischofsgewand an und bereist am letzten Samstag im November zu Schiff die Hafenstädte. Mit Schiffen sind heute nicht nur viele Geschenke unterwegs, sondern früher auch die christlichen Weihnachtsbräuche in die ganze Welt getragen worden.
Australien
Selbst in Australien wird das Fest begangen. Weihnachtsbäume aus Plastik stehen im künstlichen Schnee und die Kerzen können nur in kühlen Nächten angezündet werden. Tagsüber würde das Wachs schmelzen, denn in Australien, das ja auf der südlichen Halbkugel liegt, ist zu dieser Zeit Hochsommer und zugleich der längste Tag im Jahr. Trotzdem wird auch auf diesem fernen Kontinent das große Familienfest mit besonderen Gerichten, alten Riten, neuen Bräuchen und vor allem mit viel Liebe gefeiert.
| Weihnachtsherzen |
Und noch etwas ist gleich. Überall warten besonders die Kinder sehnsüchtig auf den Weihnachtstag. Für sie gehen Wochen größter Anspannung und Vorfreude zu Ende: kommt zu mir der Weihnachtsmann und hat er meinen Wunschzettel erhalten?
Aber auch die Erwachsenen sind in diesen Stunden tief bewegt. Denn die Tränen, die manchmal beim Geschenke auspacken fließen, können ja immerhin zweierlei bedeuten...
Weihnachten im Kreis der Familie, das ist für die meisten Menschen das Wichtigste an diesem wohl schönsten Fest des Jahres. Einfach zusammensein, die Ruhe genießen, mit Geschenken Freude bereiten und sich an den großen, funkelnden Augen der Kinder oder Enkel erfreuen.
Wenn besinnliche Weihnachten in ihrer Erinnerung unvergesslich bleiben, werden auch Sie Ihren Kindern die Bräuche, Sitten und Riten weitergeben, damit dieses große Fest weiterlebt.






