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Naturel-Online.de, Bildschirmfoto vom Oktober 2004
Wegbereiter der modernen Fastentherapie: Siegfried Möller
Autor:Anna-Maria Bloße (05.04.2003)

Dem Ruf des Weißen Hirsches als Kurort folgte auch der naturheilkundlich tätige Mediziner Siegfried Möller (1871-1943). Sechzehn Jahre später als Heinrich Lahmann eröffnete er auf der Malerstr. 4 in Dresden seine erste Kureinrichtung, in der er unter anderem die wohlbekannte Schrothkur anwandte.


Schon während seines Studiums befasste er sich mit der Naturheilkunde, wie er schrieb: „Es war im Frühjahr 1891, als ich mit der Eisenbahn 4. Klasse zum
1. Semester des medizinischen Studiums nach München reiste und auf der Fahrt durch Sachsen bei einem Mitreisenden, einem jungen Webergesellen aus Chemnitz, ein Buch über Naturheilkunde sah, in welches ich einen Blick hineinwarf. Dies war die erste Anregung, mich mit der Naturheilkunde zu befassen und ihr auch weiterhin während meiner ganzen ärztlichen Tätigkeit Beachtung zu schenken.“
Selbst unter einem kranken Körper leidend, kurte er 1903 in Niederlindewiese, dem Wirkungsort Schroths. Diese Kur erschien ihm viel wirkungsvoller als alles bisher Ausprobierte. Und so hatte er sein Lebensthema gefunden: die diätische Heilweise.
Ein Weggenosse schrieb später über Möller: „ (Möllers) besondere Stärke lag von Anfang an darin, dass er das seinen Kranken verordnete und von ihnen verlangte – es war oft nicht wenig! – alles zuerst an sich selbst erlebt und probiert hatte und bis in seine letzte Lebenszeit hinein immer wieder an sich selbst prüfte. Dieses erleben und sein Beispiel gaben ihm eine Überzeugungskraft, die den Kranken auch durch die schwersten Krisen hindurchzusteuern vermochte und wohl das eigentliche Geheimnis seiner ärztlichen Erfolge bildete.“
Die mit 8 Zimmern eröffnete Einrichtung genügte bald nicht mehr für den wachsenden Patientenandrang. So konnte Möller nur vier Jahre später ein größeres und sehr modern eingerichtetes Gebäude auf der Alpenstr. 1 beziehen. Es lag in einem herrlichen Waldgrundstück, welches mit Buchen, Birken und Nadelhölzern ausgestattet war. Wiederum drei Jahre später kaufte er auf der damaligen Schweizer Straße 23 und 27 (heute Ulrichstraße) die zwei Villen „Birkenhaus“ und „Buchenheim“. Diese fasste er zu einer Zweigstelle zusammen mit dem Hinweis: Sie solle „... dazu dienen, um den vielen weniger bemittelten Kranken beiderlei Geschlechts (wie Lehrern, Beamtem, Handwerkern, kaufmännischen Angestellten usw.) die Möglichkeit zu bieten, zu einem mäßigen, ihren Verhältnissen angepassten Preise die Vorteile einer den Stoffwechsel regelnden und das Blut reinigenden Kur, wie sie die Schroth-Kur darstellt, zu genießen.“
Den Patienten stand nun ein riesiges Areal in dem Karee Alpenstraße, Tiedgestraße, Metzschstraße (heute Sierksstraße) und Ulrichstraße mit parkähnlichen Anlagen zu Spaziergängen, zu Luft- und Sonnenbädern zur Verfügung.
Möller sah, ähnlich wie Lahmann, einen krankhaft gestörten Stoffwechsel als Grundursache der meisten chronischen Erkrankungen. Er versuchte mit verschiedensten Reizen auf den Stoffwechsel Einfluß zu nehmen. Vor allem aber bevorzugte er das Schrothsche Verfahren, welches er individuell auf den einzelnen Patienten zugeschnitten, anwandte. Möller vertrat die Auffassung, dass bei falscher Ernährung und vor allem Übergewicht der Körper größere Mengen giftiger Stoffwechselprodukte, vor allem Harnsäure, bilde und diese im Körper ablagere oder im Blut löse, was wiederum zur Belastung des Organismus führe. Die von Schroth entwickelte Form des Fastens mit einem Wechsel von Trocken- und Trinktagen hielt Möller für geeignet, die Harnsäureausscheidung zu beschleunigen und damit die Schlacken aus dem Körper zu spülen. Damals gehörte Fasten noch nicht zu den bevorzugten therapeutischen Methoden. Möllers Verdienst ist es, diese Methode weiterentwickelt und später seine Erkenntnisse an andere, so den uns bekannten „Fastenpapst“ Otto Buchinger, weitergereicht zu haben. Seine hohen Anforderungen an die Disziplin mochten ein Grund dafür gewesen sein, dass sein Sanatorium nicht den gleichen Zuspruch fand wie Lahmanns Einrichtung und so nur mittlere Größe aufwies.
Es heißt, Möller erlegte seinen Kranken teilweise sehr „spartanische“ Methoden auf, andere sprachen von einer „heroischen“ Kur. Seine Erfahrungswerte schrieb er in einer Vielzahl von Monographien nieder, die auch als preiswerte Broschüren erhältlich waren, damit auch wirklich jeder Interessierte sie erwerben konnte. In seiner Schrift „Wege zur körperlichen und geistigen Wiedergeburt“ (Berlin, 1905) behandelte er die gesamte Breite der Naturheilverfahren sowie eine gesunde Lebensweise. Bis 1920 wurden davon fünf weitere Auflagen verlegt. Auch seine Schrift: „Das diätische Heilverfahren Schroths und seine große Wirksamkeit im Lichte neuer Forschung“ erschien 1908 bereits in vierter Auflage. Möller setzte sich aber auch mit neueren Theorien und Methoden auseinander und propagierte in seinen späteren Lebensjahren die alkalisierte Eiweiß-Kohlehydrat-Diät, die heute uns bekannte Hay’sche Trennkost.
Möllers elegantes Sanatorium hatte einen sehr guten Ruf und wurde 1914 von über 400 Patienten besucht. Mit seiner Zweigstelle ermöglichte er auch weniger gut Betuchten eine Kur, für die ein Besuch in Lahmanns Sanatorium unerschwinglich war. Wie auch bei den anderen Sanatorien auf dem Weißen Hirsch bedeutete der Erste Weltkrieg einen Einbruch. Im Gegensatz zu anderen Einrichtungen änderte er in den goldenen zwanziger Jahren sein Konzept nicht. Er verfocht weiterhin seine streng naturheilkundlichen Ansichten und entwickelte vor allem seine diätischen Auffassungen weiter.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde dann auch dieses Sanatorium als Reservelazarett genutzt. Möller selber verstarb 1943 und nach Kriegsende wurde die ehemalige Kureinrichtung Stadtkrankenhaus Loschwitz.
Das bemerkenswerte Gebäude wurde inzwischen saniert und als Wohnhaus umgestaltet. Der beeindruckende Park mit den vielen Bäumen ist dabei zum Glück erhalten geblieben.

Die SCHROTH-KUR besteht aus drei abgestimmten Säulen:

1. Der Dunstwickel ist eine feuchtkalte, wärmestauenden Packung am frühen Morgen. Dabei wird der von der Nachtruhe gut durchgewärmte Körper in kalte, feuchte Laken eingewi-ckelt und mit trockenen, warmen Packbetten zugedeckt. Um eine rasche Erwärmung zu erzielen, werden bis zu drei Wärmflaschen zugegeben. Die Packung hat eine zweifache Wirkung. Einmal wird durch die ca. zwei Grad betragende Temperaturerhöhung eine Stoffwechselbeschleunigung erzielt, die zum Entschlackungs- u. Entgiftungsprozess wesentlich beiträgt. Dabei werden die wärmeproduzierenden Organe wie Leber und Muskulatur besonders stark angeregt, der Stoffwechsel wird erhöht. Zweitens wird bei der Stoffwechselbeschleunigung der Kalorienverbrauch erhöht. Durch die unterkalorierte Ernährung wird hierdurch eine Gewichtsreduktion erzielt.

2. Die Trocken- und Trinktage
Man kann im rhythmischen Wechsel von einander abgestimmten Trink- und Trockentagen eine allgemeine Umstimmung des Organismus sehen. Dieser Wechsel im Trinkverhalten intensiviert den gesamten Reinigungsprozess des Körpers und kann dazu als Gewebsdrainage verstanden werden. Es kommt zum Abtransport der Stoffwechselschlacken. Als Getränk werden nach ärztlicher Verordnung neben Heilwasser und div. Tees auch Fruchtsäfte, Wacholder und kalorienarme, trockene, naturreine Weißweine gereicht. Im intermediären Stoffwechsel wird Alkohol rascher als alle anderen Stoffe verbrannt; von besonderer Bedeutung ist die Wirkung auf das Zentralnervensystem. In therapeutischer Dosis wirkt der Wein zentralanregend und stimmungsaufhellend.
Auch die Vitaminversorgung ist in erster Linie dem Wein zu verdanken. Er enthält alle wichtigen Bio-Elemente und sehr viele Vitamine, besonders den gesamten Vitamin-B-Komplex, dazu Vitamin A, C, D und H. Die tägliche, lebensnotwendige Menge dieser Stoffe ist bereits in 1/8 Liter Wein enthalten.
Wichtig ist, dass insbesondere alkoholische Getränke nur in den verordneten Mengen getrunken werden dürfen. Der Trockentag ist als Ruhetag zu verstehen, der absolut strikt eingehalten werden sollte.

3. Die Schroth’sche Kur-Diät ist eine salzarme, fettfreie u. eiweißarme Kost. Der Energiebedarf wird aus dem Kohlehydrat-Stoffwechsel bezogen. In der Wissenschaft setzt sich jetzt allmählich die Erkenntnis durch, dass auch ein Übermaß an Eiweiß schädlich sein kann. Durch den vorübergehenden und in der kurzen Zeit ungefährlichen Mangel an Eiweiß wird der Körper gezwungen, bestimmte Eiweißreserven abzubauen. Durch übermäßige Eiweißzufuhr verdi-cken sich die feinen Häute zwischen den Körperzellen, die sogenannten Kapillarmembranen. Sind sie zu dick, wird die Ernährung der Zellen behindert, es kommt zur Stoffwechselstörung.
Durch den Eiweißmangel der Diät werden die Gefäße dünner und die Zellernährung funktioniert wieder. Der Blutdruck sinkt und die Stoffwechselstörungen werden gebessert. Die Kohlenhydrate der Diät werden im Stoffwechsel vollständig verbrannt.
Von Bedeutung ist auch der Entzug von Kochsalz sowie der totale Verzicht auf Fette.

Die Schroth-Kur eignet sich nicht zum selbstständigen Fasten. Sie sollte nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden.


Ich danke Frau Dr. Marina Lienert für Ihre freundliche Unterstützung

Lit.: Lienert, Marina: Naturheilkundiges Dresden. Dresden 2002.
Der Weiße Hirsch. Ein Lesebuch.Dresden 2001


Autor:Anna-Maria Bloße (05.04.2003)

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