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naturel>Leser>Archiv>Ausgabe 12/03 |
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Was wissen wir schon?
Autor:Ein Rechtsanwalt aus Dresden (02.12.2003)
Ein vorsichtiger Versuch der Annäherung an esoterische Lebensbilder Oder: Geständnisse eines Abtrünnigen Ist es der im Alter erlahmende Geist, die Milde, die die harte Lebenserfahrung manchmal durch einen Weichzeichner filtert oder die Erkenntnis, dass unser Wissen um das Wesentliche ohnehin am Ende immer schon Glauben war? Jahrelang war ich ein rotes Tuch für jeden „Körnerfresser“, fing doch für mich Woodo schon bei Akupunktur an, wurde für die ohnehin seltene Motorradwäsche ein spezieller Kaltreiniger gekauft, der auch sicher umweltschädlich war (weil der Ökoweichspüler nichts taugt), kurz, war eigentlich nur das konkret, was synthetisch oder chemisch war. Jetzt kommt es immer häufiger vor, dass alte Weggefährten in geradezu hysterisches Gelächter ausbrechen, wenn sie mich von Astrologie, Feng Shui, Vollwertkost, Heilfasten oder ähnlichem reden hören. Jedenfalls ist es die ehrliche Angst, mein gewachsenes Interesse für – sagen wir – ein bewussteres Leben könnte am Ende doch Ausdruck von intellektueller Schwäche oder Altersmilde sein, die mich veranlasst hat, das Thema einmal grundsätzlich zu beleuchten.
Den Ausgangspunkt wollen wir wie folgt annehmen: Ein Anwalt, der vergleichsweise viel arbeitet, gerne auch an Wochenenden, tagsüber zuviel Kaffee trinkt und abends zuviel Alkohol, von wenigstens zwei Hörstürzen immerhin einen netten Tinitus behalten hat, immer wieder von Infektionskrankheiten umgehauen wird, die sich aber mit ordentlichen Antibiotika schon nach wenigen Tagen jeweils wieder verziehen, lebt ein Leben in einem Hamsterrad, eher lebensgefährlich als bloß ungesund, bis eines Tages – das soll ja häufiger passieren – eine jähe und unerwartete Panne das Hamsterrad kaputt machte und so eine biographische Bestandsaufnahme nahelegte.
Dabei bin ich dann auf einige „merk-würdige“ Erfahrungen gestoßen: Eine Akupunktur-Behandlung hat dauerhaft meine Disposition, ständig irgendwelche Entzündungen der Atemwege zu bekommen, besiegt. Alkohol am Abend wegzulassen oder zu reduzieren führte zu besserem Schlaf. Sich abends selbst einen Salat oder eine Pilzpfanne zuzubereiten, macht nicht nur mehr Spaß als ein Besuch im goldenen M, es schmeckt richtig, und danach fühlt man sich auch besser. Diese Erfahrungen bekamen dann auch noch eine eigene Dynamik: Wenn man das mit der Ernährung verbessern kann, könnte man dann auch mit dem Rauchen aufhören? Man kann. Und es ist (ehrlich gesagt nicht immer) dazu auch noch ein Lustgewinn. Wenn man sich dafür hin und wieder mit einer vernünftigen Zigarre belohnt, dann ist das Nichtrauchen sogar eine ziemlich scharfe Sache. Ein Körper, der auf einmal soviel Beachtung erfährt, der will dann vielleicht auch mehr bewegt werden. Ich war zwar nie unsportlich, habe Sport in geregelter aktiver Form aber immer gehasst. Plötzlich wird es geradezu zwingend, sich die Zeit zur Bewegung zu nehmen, weil es ja darum geht, dass man sich immer besser fühlen will, und dazu braucht man eben auch etwas Bewegung. Vielleicht ein wenig zufällig und jedenfalls nicht ganz zwingend war es, dass ich Anfang des Jahres zu einer astrologischen Beratung eingeladen wurde. Nun ja, es kann ja nicht schaden und unterhaltend ist es allemal, dachte ich. Ich habe selten erlebt, dass mich jemand so tiefgründig durchschaut hat und mir in nicht einmal zwei Stunden so viele wichtige Denkanstöße vermitteln konnte, dass ich Monate danach noch immer daran arbeite. Dann - nicht mehr ganz zufällig - ist mir ein Buch über Feng Shui und das Entrümpeln in die Hände gefallen. Ich habe – obwohl ich hier sicher kein allzu großer Sünder war – sofort damit begonnen, meine Wohnung noch weiter auszumisten und mir vorgenommen, sie in einem gewissen Ausmaß nach Feng Shui - Prinzipien zu optimieren. Allein die Aufgabe, die sich daraus stellt, ist mit so vielen positiven Gefühlen verbunden, dass sich daraus eine positive Grundstimmung ergibt. Das Beschäftigen mit dem eigenen Leben, dem eigenen Körper, seinem Lebensraum und seiner Seele ist ja nicht nur Selbstzweck. Es geht ja darum, sich durch die Beschäftigung mit sich selbst besser zu fühlen, damit man besser das tun kann, was man für wichtig hält. Und so habe ich festgestellt, dass mich in den letzten Monaten meine Arbeit wieder ganz anders einnimmt. Ich bin wieder „ganz dabei“, weil ich „bei mir“ bin. Und es macht immer mehr Spaß. Gibt es dabei nun irgendein spiritistisches Geheimnis? Das meiste ist vermutlich nichts weiter als das für viele längst und gründlich vergessene Wissen um natürliche Zusammenhänge. Biologisch sind wir ja wohl kaum von unseren Vorfahren vor ein bis zwei tausend Jahren zu unterscheiden. Damals lebten wir aber im Einklang mit der Natur. Alles andere wäre absolut tödlich gewesen. Dass die Ernährung damals – sofern sie nicht von Mangel geprägt war – unserem Organismus besser entsprach, ist leicht nachvollziehbar. Warum wollen wir nicht auch unterstellen, dass die Menschen, als sie noch wirklich in und mit der Natur lebten, ganz andere Sinne dafür hatten, welche guten und bösen Kräfte in ihr stecken? Wenn wir wissen, dass ein Baum an einer Stelle gerade in den Himmel wächst und an anderer Stelle – trotz scheinbar gleicher oder gar besserer Bedingungen – verkrüppelt, dann sollte das doch einen Grund haben. Warum sollte das dann nicht auch für uns gelten können? Warum sollten sich diese Kräfte einer Erkenntnis verschließen? Vieles, was ich in den letzten Monaten zu spirituellen, esoterischen Lebensbetrachtungen gehört oder gelesen habe, ist immer noch schwer verdauliche Kost. Ich werde vermutlich auch nicht dazu kommen, ernsthaft über die Möglichkeit eines Rebirthing oder ähnliches nachzudenken. Wenn ich mir aber vorstelle, wie kurzsichtig unser zivilisationstypisches Verhalten uns selbst gegenüber ist, dass es geradezu systembedingt ist, wenn man sich in Raten umbringt, dann muss ich doch die Klugheit derer loben, die sich mit verschiedenen Ansätzen auf das besonnen haben, was unsere Vorfahren aus verschiedenen Kulturen über uns und unsere Umwelt bereits wussten. Schlussendlich beruhigt mich, dass bei den sagenumwobenen Völkern dieser fast verschütteten Weisheiten, den Indianern z.B. oder den Chinesen, es keineswegs so war, als hätte es dort keine echten Krieger und nur „Weicheier“ gegeben. Vermutlich haben deren Krieger sogar aus dem Wissen um die geheimen Naturkräfte gerade die Kraft geschöpft, die sie unsterblich gemacht haben. Das wäre ja auch noch ein Ansporn… Der Autor ist Rechtsanwalt in Dresden Autor:Ein Rechtsanwalt aus Dresden (02.12.2003) |
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