Trotz seiner zerstörerischen Kraft hatten die Menschen frühzeitig erkannt, welch großer Vorteil es ist, das Feuer für ihre Zwecke nutzen zu können. Zunächst Wärme- und Lichtquelle, bemerkten sie rasch, dass Speisen wohlschmeckender und besser verdaulich wurden, wenn sie diese im Feuer garten. Die weithin sichtbaren Flammen oder der Rauch werden bis heute von einigen Völkern wie in den Frühzeiten der Menschheitsgeschichte als Kommunikationsmittel genutzt. Sie informieren über die Anwesenheit von Menschen und vereinfachen den Kontakt untereinander. Unvorstellbar für viele von uns im Zeitalter von Funktelefon und Internet. Umso verständlicher sind die Bemühungen unserer Vorfahren, dieses lebenswichtige Element dauerhaft zu erhalten. So entwickelten sie unterschiedliche Techniken, selbst Feuer zu erzeugen, um nicht mehr von den Launen der Natur abhängig zu sein. Von dieser Zeit an bestimmte die Kontrolle über das Feuer die wesentlichen Entwicklungsschritte der Menschheits-geschichte. Höhere Temperaturen wurden erzielt, was eine Bearbeitung von Metallen und die Herstellung leistungsfähiger Waffen ermöglichte. Die Begriffe Bronze- und Eisenzeit stehen im engen Zusammenhang mit der Nutzung des Feuers, genau wie auch der Beginn der Industrialisierung. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts nutzen die Menschen das Feuer auf eine völlig neue Weise, indem seine Wärmeenergie in Bewegungsenergie gewandelt wird. Eine wichtige Voraussetzung dafür war die Entdeckung des französischen Chemikers Antoine Lavoisier, der erkannte, dass bei einer Verbrennung ein Gas aus der Luft verbraucht wird, das er „Sauerstoff“ nannte. Bis heute wurden die Möglichkeiten, Verbrennungsvorgänge zu nutzen, auf vielfältige Weise weiterentwickelt und zu unvorstellbarer Perfektion gebracht. Kaum jemand macht sich noch bewusst, dass das tagtägliche Anlassen des Autos oder jeder Flugzeugstart, ja fast jede leuchtende Lampe letztlich ein Resultat eines Verbrennungsvorgangs ist. Dennoch ist gerade in den letzten Jahren zu beobachten, dass die Menschen mehr und mehr zu den natürlichen, ursprünglichen Licht- und Wärmequellen zurückfinden – und damit ist nicht der letzte Urlaub in der heißen Südseesonne gemeint.
Das Anzünden von Kerzen erfreut sich gerade in den lichtärmeren Monaten großer Beliebtheit. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Kerzenschein genau wie die Abendsonne besonders viele rot-orange Lichttöne enthält, die den Menschen aktivieren. Ebenso finden im Zeitalter von Fernwärme und Zentralheizung viele Hausbauer zurück zur anheimelnden Wärme von Großmutters Kachelofen oder zur knisternden Lagerfeuerromantik der frühen Höhlenbewohner. Laue Sommerabende werden gemütlicher an einem wenn auch noch so kleinem Feuer, und die allerorts beliebten Grillfeten könnten bei genauerer Betrachtung auch an die erste Nahrungszubereitung über offenem Feuer erinnern. Die Sehnsucht nach dem Feuer lässt uns seine widersprüchliche Bedeutsamkeit für das menschliche Leben erahnen, es weckt Träume und Ängste, wärmt und vernichtet, und es fasziniert immer wieder aufs Neue.
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