| Plätzchenbäcker |
Jan wiegt das Mehl ab, und Maria siebt es auf die Arbeitsplatte. Die kleine Klara wundert sich über den Mehlberg und darf in die Mitte ein kleines Loch drücken. Dahinein bröselt Maria die Hefe. Mutter gießt etwas lauwarme Milch darüber, gibt den halben Teelöffel Zucker dazu und rührt mit ein wenig Mehl alles zusammen, bis mitten im Mehlberge in dicker Brei entstanden ist. Maria legt vorsichtig ein sauberes warmes Tuch darüber. „Der Teig hat es gerne warm“, sagt die Mutter, „nun müssen wir ungefähr fünfzehn Minuten warten .“ „Och „ langweilt sich Klara. „Ja , Kleines“, meint die Mutter, „gute Dinge brauchen ihre Zeit zum Werden.“ Nach der Viertelstunde darf Maria das Tuch lupfen. „Oh das ist ja viel mehr als eben. Unser Mehlberg kann zaubern.“ Das sind die winzigen Hefepilze“, erklärt die Mutter, „Sie sind lebendig und vermehren sich und vergrößern dadurch unser Teighäufchen. Die Mutter mengt nun rasch alle Zutaten zusammen und fängt an zu kneten. Plötzlich sieht sie ihre drei Kinder an: „Alle meine guten Wünsche knete ich mit hinein und mein Dankeschön, dass wir diese guten Zutaten haben. Immer schon haben die Menschen gewusst, dass die Getreidekörner gesunde Kräfte enthalten und gut für den Menschen sind. Schon vor vielen tausend Jahren haben sie aus einfachem Teig Opfergaben geformt, um die Götter freundlich zu stimmen. Als die Menschen dann als Freunde Jesu Christen geworden waren, brauchten sie die Opfergebäcke für die Götter nicht mehr. Aber sie machten weiter Bilder aus Brotteig, jetzt als Glücksgeschenke, zum Beispiel als Spenden für die Armen, für die Kinder und als Heilbrote. Zu allen Festen im Jahr wurden Bilder aus Teig gebacken. Sie wurden Bildbrote oder Gebildbrote genannt. Die einzelnen Figuren haben immer eine bestimmte Bedeutung. So hoffe ich jetzt im Advent, dass sich alle über unsere Bildbrote freuen und die hineingebackenen Wünsche spüren.“ Noch einmal muss der Teig für eine halbe Stunde ruhen. Mutter löst den Teig dann aus der Schüssel und knetet ihn rasch noch einmal durch. Nun geht es los, die Nikolausmänner zu formen. Kleine Teigrollen werden platt gedrückt, das obere Stück zwischen Daumen und Zeigefinger so eingepresst, dass ein runder Kopf entsteht. Mit einem Messer schneiden Jan und Maria die Arme ein und schieben den Teig etwas auseinander. Zuletzt wird die Teigrolle auch unten eingeschnitten, sodass die Beine entstehen. Aus Rosinen werden Augen und Knöpfe, aus Mandeln Nase und Mund. Dann werden sie alle auf ein Backblech gelegt. Mutter bestreicht sie noch mit Eigelb oder Honig. Vor dem Backen müssen sich die Nikolausmänner noch ausruhen, damit die Hefepilze noch einmal arbeiten können. Kaum im Backofen duftet schon bald das ganze Haus nach Nikolaus!
Nikolaus-Brotbild:
100 g Mehl, 40g Hefe, 1 TL Zucker
½ Liter Milch, 125g Butter
2 Eier, ½ Teelöffel Salz
100g Zucker oder 3 EL Honig
Die leckeren Plätzchen mit dem schwierigen Namen sind heute auf jedem Weihnachtsteller zu finden. Früher war das ganz anders. Der Spekulatius wurde nur zu Ehren des heiligen Nikolaus gebacken. Von ihm hatte er ja auch seinen Namen: Die Römer nannten den Bischof von Myra in ihrer Sprache speculator. Damit meinten sie einen Mann, der nach innen lauscht, was ihm sein Herz sagt. So bekam später das Festgebäck am Nikolaustag den Namen Spekulatius. Als die Tradition der römischen Soldaten vor vielen hundert Jahren auch zu uns kam, wurde das Nikolausgebäck zuerst am Niederrhein bekannt. Die Leute schnitzten eine große Holzform als Nikolausfigur, in der Teig hineingedrückt und ausgeschlagen wurde. Spekulatiusbretter sagen wir heute dazu. Und wie es halt so geht: Die Naschkatzen fanden den Spekulatius so lecker, dass es ihn heute auch zu Weihnachten gibt. Nur kleiner ist er geworden und feiner, sogar mit Mandeln obendrauf. Viel Spaß beim Backen !






