
Bild: Tanz zur Sommersonnenwende
Hoch oben auf dem Berg, auf einer Waldlichtung, trafen wir uns. Gelb, gold, rot gekleidete Frauen, die stolz ihre langen wunderschönen Ritualkleider trugen. Von dort oben konnte man ins idyllische Tal blicken, dem Himmel und der Göttin so nah. Leuchtend hell strahlte uns der Sonnengott in seiner vollen Pracht entgegen. Stumm, an den Händen haltend, standen wir am Rand des Abgrunds. Eine der Frauen begann leise und rhytmisch zu trommeln. Wir hörten das Feuer hinter uns leise knistern. Die Kraft des Tages war spürbar, wissend, das Allerorts Sonnenwendfeuer brannten. Feuer, die so klärend und reinigend, so vernichtend und doch neues verheißend waren. Wir spürten das Hände halten anderer Frauen, das Ehren ihrer Feuergöttinnen, das Ehren der Sonnenwende, das Beisammensein dieses Tages und dieser Nacht. Eine unendliche Kraft durchströmte uns und wir begannen summend……..hey, hey, hey, hey, hey ungala, hey, hey, hey, hey, hey ungala.
Das Summen formte sich langsam zu einem kraftvollen Gesang. Ein unbeschreibliches Gefühl, stehend am Abhang, mit geschlossenen Augen, singend an den Händen fassend. Kraft pur, wie wir sie nur noch selten in dieser Form erleben. Kraft, die wieder für Wochen ausreichen mußte und auch ausreichen würde. Angefüllt von der Kraft des Gesanges, empfingen wir die drei jungen Mädchen auf dem Berg, die heute ebenfalls einen für sich besonderen Tag begehen würden. Sie waren keine Jungfrauen mehr, hatten ihre erste Mondzeit hinter sich und würden beim Vollmondschein heute Nacht in den Kreis der Frauen aufgenommen, initiiert werden. Sie setzten sich zu uns ans Feuer als eine alte Schamanin unter uns zu erzählen begann:
„Viele Stämme begehen in diesen Tagen ihre Sonnentänze. Das sind streng rituelle Tänze. Sie tanzen und fügen sich oft Schmerzen zu um dem Großen Geist zu danken für die Gaben die sie erhielten, um um Gaben zu bitten, um Heilung zu erbitten. Sie bitten um die Versorgung ihrer Stämme und Familien. Opferungen an den Großen Geist und Mutter Erde sind ein weiterer Grund dieser heiligen Tänze.“
Sommersonnenwende/ Mittsommerfest/ Litha
Sonnenwende heißt, Feuer allerorts, Blumenduft, laue Sommernacht, Feuerräder die die Hügel hinuntergerollt werden. Sonnenwende heißt, die kürzeste Nacht und der längste Tag des Jahres; Höhepunkt des Lichtes und Wendezeit, die Sonne selber wandert in das Zeichen des Krebses. Feuerläufe und Feuersprünge, Sonnentänze, Gesang und Fackelzüge. Mittsommerfest ist eines der verbreitesten heidnischen Feste. Auch hier wurde ähnlich wie an Beltane, das Vieh zwischen die Feuer getrieben zum Schutz vor Krankheiten und Seuchen. Reinigung und Transformation bedeutet der Sprung übers Feuer, ähnlich wie die Feuerläufe. Ins Feuer selber warf man Kräuter und auch Harze, in Deutschland z.B. Beifuß und Johanniskraut mit einem entsprechenden Spruch zum Bannen von Unheil und Krankheiten.
Zu den Elementen des Festes, Feuer und Erde, gesellt sich noch das Wasser. So wurden alle Brunnen des Landes verehrt und gereinigt. Dolmen und Steinkreise oder der mächtige Tempel von Stonehenge (hier fällt der erste Sonnenstrahl der aufgehenden Sonne links neben dem Heelstein) zeugen davon, das nicht nur in jüngster Zeit die Sommersonnenwende für die Menschen eine Bedeutung hatten.
Viele indianische Stämme hingegen hielten streng rituelle Sonnenwendtänze ab. Sie dienten der eigenen Heilung, des Fortbestandes des Stammes, als Opfergarbe und Dank an Mutter Erde und für den Großen Geist.
ICH TANZE IM MONDLICHT... und höre das Schlagen der Trommel. Die Glöckchen an meinen Beinen klingen wie zwinkernde Sterne Die Federn rauschen wie die Winde, die über das Grasland fegen. Die Stimmen der Sänger dort an der Trommel Gleichen dem Donner. Ich tanze auf den Wolken.(Americo Martinez, 11 Jahre)
(Quelle: „Weißt du, dass die Bäume reden“, erschienen im Herder Verlag)
Veröffentlicht am 19.06.06 um 09:59 Uhr



