Autorin: Christiane Thomas

Trauernde Kinder
Bild: Trauernde Kinder (Foto von James Jordan, Flickr.com)

Wenn ein Familienmitglied, ein naher Verwandter oder lieber Freund stirbt, helfen uns die jahrhundertealten Rituale der Trauer, mit dieser schwierigen Situation umzugehen. In den oft fest tradierten Abläufen der Abschiednahme finden wir Sicherheit und Ordnung. Kindern sind diese Abläufe noch nicht bewusst, aber oftmals haben sie beispielsweise durch Besuche auf dem Friedhof zumindest eine Ahnung davon, was dieser Ort bedeutet.

Im Trauerfall können auch Kinder an den Trauerritualen der Erwachsenen teilnehmen, um den Prozess des Abschiednehmens auf diese Weise zu begleiten, sich vielleicht sogar selbst einzubringen und um diese kennen zu lernen. So können in die Trauerrede die Wünsche oder Erinnerungen des Kindes mit einfließen, es kann Kerzen anzünden oder Bilder aufstellen. Wichtig dabei ist zu erspüren, wann und wo das Kind wirklich dabei sein möchte. Es sollte gut vorbereitet sein auf die Trauerfeierlichkeiten und auf seine kindliche Weise verstehen können, welchen Sinn die einzelnen Trauerschritte haben.

Sind die Eltern selbst in den Trauerprozess stark eingebunden, ist es daher gut, wenn eine dem Kind vertraute, aber möglichst außenstehende Person, vielleicht ein Pate oder ein guter Freund der Familie, dem Kind in dieser Situation zur Seite steht. Auch bei der Trauerfeier sollte sie das Kind begleiten, um in jeder Situation da zu sein, beispielsweise auch dann, wenn es doch lieber für sich sein oder im vertrauten Spiel Sicherheit finden möchte.

Selbst geschaffene kindgerechte Rituale können den Kindern helfen, mit der Trauer zu leben und die Erinnerung wach zu halten. Der meist gewählte Platz dafür ist der Friedhof, wohin an bestimmten Tagen im Jahr – und das muss nicht der Todestag oder Geburtstag sein – Blumen, Bilder oder Gebasteltes gebracht werden. Geschichten – oftmals immer die gleichen – halten die Erinnerung lebendig. Lieb gewonnene gemeinsame Aktivitäten, zum Beispiel ein oft gegangener Weg, oder bestimmte typische Verhaltensweisen können vom Kind fortgeführt werden. Mit ein paar kleinen Anstößen entwickeln Kinder hier oft selbst und mit viel Fantasie die für sie geeigneten Rituale.

Der Zwillingsbruder des heute achtjährigen Ludwig starb kurz vor der Geburt. Seit Ludwig zurückdenken kann, gehen die Eltern mit ihm an jedem Geburtstag zum Familiengrab auf den nahe gelegenen Friedhof. Sie haben immer etwas selbst Gebasteltes dabei und hängen einen Holzteddybären an den Grabstein, auf dem auch Henriks Name steht. Vor dem Winter, oft am Totensonntag, holen sie den Teddy dann wieder ins Haus, damit er im nächsten Frühjahr wieder das Grab bewachen kann. „Schade, dass ich keinen Zwillingsbruder mehr habe.“, sagt Ludwig oft bei seinen Besuchen am Grab und immer wieder lässt er sich von seiner Mutter erzählen, warum sein Zwillingsbruder Henrik nicht leben konnte. Die Eltern empfinden es heute als großen Segen, einen Ort der Erinnerung an ihr Kind zu haben und für Ludwig eine Möglichkeit, sich eines Verlustes bewusst zu werden, der ihn in seinem Leben begleiten wird.

 

Veröffentlicht am 16.01.08 um 08:49 Uhr