Von Konfirmation bis Jugendweihe und was sie uns heute noch bedeuten
Autorin: Christiane Thomas

Bild: Konfirmation in Norwegen (Foto von Wikipedia.org)
Fragt man Eltern oder Pädagogen nach dem anstrengendsten Alter ihrer Sprösslinge, nennen sie in den meisten Fällen die Zeit um das 12., 13. Lebensjahr: Zickenterror bei den Mädchen, beginnenden Machomanieren der Jungen, Endlosdiskussionen, Schockfarbe im Haar, Metall in der Haut, Slips, bei denen die Waschanleitung den meisten Stoff beansprucht oder Hosen, die andere nicht einmal zur Gartenarbeit tragen ....
Etwas überspitzt vielleicht und bei jedem unterschiedlich ausgeprägt, doch tatsächlich ist diese Zeit für Jugendliche eine Phase großer Wandlung, die für sie selbst und ihre Umwelt oft nicht problemlos vorübergeht. Körperlich sichtbare Veränderungen gehen einher mit neuen Interessen und der Festigung innerer Werte. Kurz gesagt: Kinder werden erwachsen.
Viele Religionen und Kulturen nahmen und nehmen diesen heute recht lange andauernden Prozess wahr und begleiten ihn mit Pubertäts- oder Initiationsritualen. Fehlen diese, schaffen sich die Heranwachsenden oft eigene Ersatzrituale. Ähnlich wie bei den Pubertätsriten alter Kulturen geht es dabei oft darum, Ängste zu überwinden und innerlich gestärkt aus der Mutprobe hervor zu gehen. Die erste Zigarette ist dabei heute noch die harmlose Variante, schlimmer, ja sogar lebensgefährlich sind solche „Abenteuer“ wie S-Bahn-Surfen oder Drogenkonsum. Schlussendlich führen diese nicht zum gewünschten Ziel, denn sie werden, wenn überhaupt, dann von der Erwachsenenwelt nur ablehnend beachtet.
Im Unterschied zu echten Ritualen ist den Jugendlichen der Sinn ihres Tuns nicht bewusst. Doch gerade die bewusste, von Familie und Umfeld ernst genommene Handlung macht ein Ritual aus. Nach diesen Gesichtspunkten gilt es auch die in unserem Kulturkreis geläufigen Rituale zu hinterfragen. Sind Konfirmation, Firmung oder das religionsunabhängige Pendant dazu – die Jugendweihe – zu bloßen Geschenkefesten verkommen oder helfen sie Jugendlichen auf dem schwierigen Weg zum Erwachsenensein?
Konfirmation, Firmung, Bar Mitzwa
Die Übersetzung des lateinischen Wortes „Konfirmation“ führt zum Ausgangspunkt dieses evangelischen Rituals: „Befestigung“ des Glaubens nach der für den Täufling unbewussten Kindstaufe. Der Straßburger Reformator Martin Bucer führte diese Feier im 16. Jh. als Antwort auf die sog. Wiedertäuferbewegung in seinem Kirchengebiet ein. Im 17. Jh. war die Konfirmationsfeier immer mit der Entlassung aus der Schule verbunden, und seit dieser Zeit empfinden die Jugendlichen ihr persönliches und bewusstes Bekenntnis zum Glauben auch verstärkt als eine Erklärung zur Mündigkeit. Die Segnung durch den Pfarrer gibt ihnen andererseits die Sicherheit, von Gott auf ihrem neuen Lebensabschnitt geleitet zu werden. Vorbereitet wird das feierliche Ritual in zahlreichen gemeinsamen Stunden, in denen die Konfirmanden nicht nur über den christlichen Glauben und christliche Werte sprechen, sondern sie diese auch als Hilfe bei ihren ganz individuellen Problemen und Ängsten zu verstehen lernen.
Ein ganz ähnliches Anliegen hat auch die Firmung. Im katholischen Glauben zählt die Firmung zu den sieben Sakramenten – auf Christus zurückgeführte rituelle Handlungen. Die Gabe des Heiligen Geistes soll den Heranwachsenden Orientierung schenken und Selbstbewusstsein bringen. Während der feierlichen Handlung breitet der Bischof seine Hände aus und ruft den Heiligen Geist auf die Firmlinge herab. Er legt die Hände auf den Kopf des Firmlings und salbt mit Chrisam, einer Mischung aus Öl und Balsam, in Kreuzform die Stirn. Auch hier geht es für die Jugendlichen darum, die Zugehörigkeit zum katholischen Glauben selbst zu bestätigen. Firmlinge wie Konfirmanden gehören nun ganz bewusst einer Gemeinschaft an, in der sie über den Glauben Unterstützung und Halt bekommen können.
Auch der jüdische Glaube hält ein solches Ritual bereit, hier allerdings für Mädchen und Jungen getrennt. Bereits mit 12 Jahren wird ein jüdisches Mädchen zur Bat Mizwa – einer verantwortlichen „Tochter des Gottesgebotes“. Am Sabbat nach seinem 13. Geburtstag wird ein jüdischer Junge automatisch zum Bar Mitzwa, er ist nun ein vollwertiges Mitglied der Gemeinde und darf während des Gottesdienstes aus der Thora vorlesen oder den Segen sprechen. Ursprünglich nicht als ausdrückliches Ritual vorgeschrieben, feiern nicht orthodoxe Gemeinden heute dieses Ereignis in einem Gottesdienst, dem ein fröhliches Fest folgt.
Visionssuche
Den alten Naturritualen vermutlich am nächsten kommt die Visionssuche, ein begleitetes Angebot nicht nur für Jugendliche, die sich für einige Tage in die wilde Natur zurückziehen. Hier – ohne Essen, ohne Ablenkung, frei von Alltagsstress – wandern die Gedanken ganz von selbst zu den innersten, existenziellen Fragen. Eine Reifeprüfung der besonderen Art, aus der der Initiant mit neuem Selbstvertrauen hervorgeht.
Jugendweihe
Die Jugendweihe hat die durch Ideologie geprägte DDR-Zeit überlebt und steht heute wieder wie in Zeiten ihrer Entstehung Mitte des 19.Jh. im Zeichen humanistischen Gedankengutes. In Sachsen nach wie vor sehr beliebt, nutzen hier ca. 60% der 14-Jährigen dieses religionsunabhängige Angebot für ein Aufnahmeritual in die Erwachsenenwelt. Zwei Vereine (Sächs. Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe e.V. und Jugendverein „Roter Baum“ e.V.) bieten den Jugendlichen in Vorbereitung auf die Jugendweihe die Möglichkeit, interessante Veranstaltungen rund um ihren Lebensalltag zu besuchen. Höhepunkt ist eine liebevoll vorbereitete und von Künstlern mitgestaltete Feierstunde, während der jeder Teilnehmer auch eine Erinnerung an seinen so wichtigen Tag erhält.
Die Entscheidung für das eine oder andere Ritual auf dem Weg zum Erwachsenwerden sollte jeder Jugendliche selbst treffen dürfen. Auch der Zeitpunkt darf dabei variabel bleiben, denn nicht der Kalender legt fest, wann ein Mensch erwachsen wird oder ist. Und Geschenke dürfen natürlich auch sein, zusammen mit einer tollen Feier, versteht sich.
Veröffentlicht am 16.01.08 um 08:55 Uhr




