1863 gründete der Chirurg Scherer die militärische Heilanstalt zu Piestany. Eine wahre Blütezeit begann im Jahre 1889 als die ansässige Familie von Ludowid Winter mit der Vermietung luxusiöser Etablissements begann.
| Kurort Pieštany |
Piestany entwickelte sich neben Karlsbad und Bad Homburg zum Welt-Kur-Bad, wo sich Kaiser, Könige und Künstler die buchstäbliche Klinke in die Hand gaben: Maria-Theresia, Sissi, Ludwig v. Beethoven, Wagner, die schwedische Literaturnobelpreisträgering Selma Lagerlöf, Johann Strauß jr. Henry Porten und Richard Tauber um nur einige wenige zu nennen. Auch Thomas Mann verewigte Piestany in seiner Literatur, Alfons Mucha widmete als Dank für die Genesung seiner Tochter ein wertvolles Gemälde, was seinen Platz im Haus „Irma“ fand.
Auch gegenwärtig sind regelmäßig Menschen aus aller Welt anzutreffen - ich erlebte den Weltreisenden aus Leipzig, eine lebenslustige Architektin aus dem Libanon und eine neugieriege Schmerzpatientin kam aus Sydney nach Slovakien. Hoffnungsvoll stieg ein Manager aus New York ins Thermalbecken und eine singende ‚Ärztin, die noch Feldenkrais zu Lebzeiten begegnete, teilte ihre Erfahrungen liebevoll mit zufälligen Gesprächspartnern. Lediglich eine Gruppe Touristen aus Japan spaziert wie üblich fleißig fotografierend durch den Kurpark. Man interessiert sich rein wissentlich für die Möglichkeiten der außerordnentlichen spezifischen Gaben von Mutter Erde an diesem wundervollen Ort der Heilung. Einen Japaner im Thermalbecken habe ich nicht gesehen...
Dem Genuß einheimischer Köstlichkeiten und ansteckender Lebensfreude der slowakischen Gastgeber sollte sich niemand beim Stadtbummel entziehen. Künstlerische Fertigkeiten und handwerkliche Produkte vereinen sich, ob im Geschäft oder auf dem Markt, zu einer Symbiose von Schönheit und Gebrauch - egal ab Mode, Tonwaren, Stickereien oder das berühmte Glas. Und die noch günstigen Wechsel-Kurse lassen auch im kleinsten Geldbeutel ein Lächeln erscheinen.
So wie die vielen Seerosen aus dem Schlamm durch das Wasser wachsen - über der Oberfläche zur vollen Schönheit erblühen - so bieten Schlamm und Thermalwasser Gesundheit für uns Menschen. Ob Wellness zur Erholung und Entspannung, Prävention oder Genesungs- bzw. Rehabilitationskur, 3 - 6 Wochen sollte man sich gönnen und ich habe von vielen Kurgästen erfahren, daß sie seit Jahrzehnten regelmäßig kommen, ihrer Gesundheit und dem Wohlbefinden zuliebe.
„Steh auf und geh“ fundiert auf der Wirkung der einzigartigen Zusammensetzung des Heilschlammes. Im Biotop des Nebenarmes der Waag, der die Insel umschließt, mit nur dort wachsenden Pflanzen entsteht der Schlamm der gefördert und in einem Bassin mit Thermal-Schwefel-Wasser gemischt wird, danach noch 1 Jahr „reifen“ muß, bevor er zur Anwendung findet. Bei einer Temperatur von ca. 65 Grad vermehren sich die Schwefelbakterien, organische und anorganische Substanzen mischen sich. Es ist ein „lebendiger“ Schlamm mit einer, kann man sagen, „buttrigen“ Konsistenz.
Das Thermalwasser selbst entsteht ca. 2000 m unter der Erde, absorbiert seine Mineralien aus dem dortigen Gestein (ca. 1500 mg/l) und gelangt mit ca. 69 Grad an die Erdoberfläche. Man kann behaupten, unter der gesamten Kurlinsel kocht und brodelt es (Graphische Darstellungen im Quellhaus zeigen dies). Wärme und Mineralien nimmt der Körper über die Haut besonders gut auf. Je nach Diagnose kombiniert man dann mir anderen physikalischen Methoden.
Übrigens haben Forscher herausgefunden, daß bei rheumatischen Krankheitsbilder als Begleiterscheinung Schwefelmangel auftritt. Daher ist neben einer Badekur auch eine Trinkkur empfehlenswert, die nebenher den gesamten Verdauungsorganen gut tut. Im September 2005 weilte ich mit einer Freundin drei Wochen in Piestany. Ich schreibe aus eigener Erfahrung heraus und kann bestätigen, daß die Natur-Medizin das Beste ist. Drei Wochen haben aber nicht ausgereicht, um Simones Rollstuhl loszuwerden. Wir werden wieder dort sein. Bald !
| Das Bad Irma: Der prächtigste Bau auf der Kur-Insel |
| Das natürliche Wahrzeichen von Piestany: Seerosen von unvorstellbarer Größe und Fruchtbarkeit |
- Ostheopathie
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