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Naturel-Online.de, Bildschirmfoto vom Oktober 2004
Paracelsus – der „Luther der Medizin“
Autor:Anna-Maria Bloße (07.05.2003)

Wußten Sie, was die Bombastus-Werke in Dresden-Freital mit Paracelsus verbindet? Nein? Dann möchten wir Ihnen in einem kleinen Exkurs den Wunderdoktor oder auch den „Luther der Medizin“ kurz vorstellen:

Lebensstationen

Im Jahre 1493 wurde in Einsiedel, einem Wallfahrtsort zwei Stunden von Zürich entfernt, Aureolus Philippus Theophrastus Bombastus von Hohenheim geboren. Er lebte in der Zeit der Renaissance, der Reformation, des aufkommenden Humanismus und der großen Entdeckungsreisen, die in den Menschen ein neues Bewusstsein der Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur, Erde und Kosmos weckten.

Sein Vater, Wilhelm Bombastus von Hohenheim, war selbst Arzt zunächst in Einsiedel und später in Villach. Er führte seinen Sohn schon früh in die medizinischen Grundlagen ein. Nach vielen Wanderjahren lässt sich der junge Gelehrte 1524 in Salzburg als praktizierender Arzt nieder. Im Jahre 1527 wird er Stadtarzt und“Honorarprofessor“ zu Basel. Aufgrund der zunehmenden Streitigkeiten mit den Kollegen ging er wieder auf Wanderschaft. Über Nürnberg, Regensburg, Innsbruck, Bad Pfäffers und Pressburg – um nur einige Städte zu nennen – kam er wieder nach Salzburg, wo er 1541 verstarb.

Den bis heute erhaltenen Ruhm verdankt er nicht allein seinen neuen medizinischen Erkenntnissen. Diese bauen auf den Lehren des Hippokrates auf und standen im Gegensatz zur damaligen Verweltlichung der medizinischen Wissenschaft. Seine Forschungen erstreckten sich auch auf die Bereiche der Theologie, der Philosophie, der Alchemie, der Kosmologie und der Pharmazie.


Lernen von der Natur

Ausgedehnte Wanderungen führten ihn durch ganz Europa. Die direkten Erfahrungen mit der Natur, den Menschen und der Welt waren für den Arzt und Gelehrten Voraussetzung für sein Verständnis für den Menschen und dessen Krankheiten im gesamten System der Natur.

Jeden Patienten behandelte er individuell, beachtete dessen Konstitution, den Krankheitsverlauf sowie die hygienischen Verhältnisse in der unmittelbaren Umgebung des Kranken. Oft wendete er neuartige Heilmittel an. Bei den sogenannten Steinleiden, wie Blasen-, Nieren-, oder Gallensteinen, setzte er auf auflösende Heilmittel, nicht auf chirurgische Eingriffe. Mit unermüdlichem Elan, hellem Sachverstand und feinem Empfinden suchte und fand er naturgegebene Stoffe, die er zu wirksamen Heilmitteln („arcana“) verarbeitete. Neben den damals üblichen Pflanzenpulvern - getrocknete und zerriebene Heilpflanzen bzw. Teile davon -, Abkochungen, Tees und Salben ging er verstärkt zu Extraktionen mit Alkohol über, welche konzentriertere und länger haltbare Arzneien ergaben.

Viele Minerale und ihre Fundorte begutachtete er, so in Kärnten, der Schweiz und Skandinavien. Er kannte und nutzte die Heilwirkung mehrerer Metalle bzw. deren Salze, wie Quecksilber, Antimon und Kupfer. Viele seinerzeit angewandte Minerale sind heute vergessen oder werden derzeit wieder neu entdeckt. Dr. Aschner, der sämtliche Schriften dieses mittelalterlichen Gelehrten herausgab, schreibt im Vorwort: „ Auch die Kenntnis dieser Mittel und ihrer vielseitigen, oft ans wunderbare grenzenden Wirkungen ist unter dem Einfluß unseres heutigen einseitigen Systems zu 9/10 verloren gegangen. Welcher Arzt weiß heute noch etwas davon, dass man durch Quecksilberpräparate Kröpfe, tuberkulose Drüsen und ebensolche Knochen- und Gelenkkrankheiten heilen kann.“

Mit scharfem Geist prüfte Theophrastus Bombastus geltende medizinische Lehrsätze, Theorien über die Natur, fortschrittliches Gedankengut und theologisch Festgeschriebenes und bildete sich ein eigenes Weltanschauungsbild, aus dem heraus er manchmal auch scheinbar dickköpfig gegen alle Welt handelte. Eine hohe christliche Ethik war aber immer sein unverrückbares Fundament. Seine Überzeugung vom Heilenkönnen im Einklang mit den Gesetzen des Universums übertrug sich auf die Kranken und ließ auch die Schwerkranken wieder voller Hoffnung sein. Und der Wille zur Gesundung ist ja bekanntlich schon die halbe Medizin. Im Laufe der Jahre erwarb er sich so einen Ruf als Wunderdoktor, was bei seinen Gegnern und Neidern noch mehr Widerstand und vor allem heimtückische Hinterlist hervorbrachte. Vermutlich auch aus diesem Grund veröffentlichte er seine Werke unter dem Pseudonym Paracelsus, das bis in die heutige Zeit der bekanntere Name des Mediziners sein sollte.

Er hinterließ ein umfangreiches medizinisch-naturwissenschaftliches und philosophisches wie auch theologisch- ethisches Werk. Darin gibt er seine Erkenntnisse der Wechselbeziehungen zwischen Universum und Mensch, Makro- und Mikrokosmos, Seele und Leib wieder. Der Mensch ist Teil der Natur und unterliegt damit ihrer Ordnung. Für Paracelsus ist Heilung ohne Einbeziehung dieser natürlichen Ordnung unmöglich. In der „Vorrede zum Buche über die Kräuter“ schreibt er: „Da wir alle aus der Natur entspringen und uns mit allem vergleichen müssen, was auch von der Natur stammt, müssen wir nicht nur unsere Art und Natur wissen, wie es die Physici tun, sondern wir müssen auch wissen, was die Elemente hervorbringen, wie ein Naturforscher die Philosophie ergründen muß. Wir sollen wissen, was der Himmel liefert, auch was die Luft zeigt, dabei auch die Minerale des Wassers und die Früchte der Erde... (Dies hat mir die Erfahrung gegeben und ich kümmere mich nicht, was die vor mir und neben mir geschrieben haben oder die nach mir schreiben werden.)“

Für Paracelsus ist ärztliches Wirken nicht nur Reparatur, sondern Heilen. Heilung kann aber nur im Wissen um Zusammenhänge, im Wissen um Ordnung geschehen. Seiner Auffassung nach ist Heilung eine Wiedereinführung des Kranken in die göttliche Ordnung der Natur, eine Rückkehr in die Geborgenheit ihrer Gesetze. Seinem Verständnis von der Ordnung der Natur und von dem, „was von der Natur stammt“, entspringt die Überzeugung, dass die von der Natur angebotenen Heilkräuter auch die vollkommene Wirkstoffzusammensetzung in sich tragen. „Die Kunst, Rezepte zusammenzustellen, ist in der Natur vorhanden, und sie selbst stellt sie zusammen... Es besteht im Herausziehen, nicht im Komponieren, im Erkennen dessen, was darin ist und nicht dasselbe zu machen mit zusammengesetzten und geflickten Stücken.“ Nach Paracelsus ist es nicht erforderlich, die Natur nachzuahmen oder gar verbessern zu wollen, sondern sie zu erkennen und zu nutzen. Entnimmt man beispielsweise der Wirkstoffkombination einer Heilpflanze den sogenannten Hauptwirk- stoff, um ihn isoliert in einem Arzneimittel einzusetzen, verzeichnet man in der Regel einen geringeren Erfolg als beim Einsatz der gesamten Kombination mit ihren Haupt- und Nebenwirkstoffen, also „dem Rezept, das die Natur zusammenstellte“.

„Welcher weise Mann ist so einfältig und so schlecht, daß er vermeinen wolle, die Natur hätte eine Kraft geteilt, in das Kraut so viel, in das so viel etc. Und danach Euch Herren Doktoren zusammenzusetzen befohlen. Die Natur besitzt gar wohl die Weisheit, euch solche Gewalt nicht zu vertrauen, denn nichts ist in euch. Die Natur hat die Arcana gewaltig erschaffen und zusammengestellt, was zusammengehört. Doch lernt sie verstehen, dass ihr sie wisset und sucht nicht euch selbst zu verstehen, sondern die Natur. Die Natur ist der Arzt, nicht du. Von ihr musst du schöpfen, nicht aus dir. Sie setzt zusammen, nicht du. Schau, dass du lernst, wo ihre Apotheken sind, wo ihre Vorzüge geschrieben sind und in welcher Büchse sie stehen.“

Nach Paracelsus kommt es darauf an, die Wirkstoffe insgesamt und ohne Beeinträchtigung der Pflanze zu entnehmen. Die Umwandlung von Pflanzen in Arkana, die Konzentration von Lebens- und Heilkräften aus der Materie fasste er als Alchemie im engeren Sinne auf. Paracelsus nannte die Alchemie zur Arzneimittelherstellung Spagyrik. Nach seiner Überzeugung, dass Alchemie Reines vom Unreinen, Wesentliches vom Unwesentlichen absondere, bedeutet spagyrische Arzneimittelherstellung in knappster Formulierung die schonende Trennung der Wirkstoffe einer Heilpflanze (Reines, Wesentliches, das Sein) von den Ballaststoffen (Unreines, Unwesentliches, der Schein). Die Alchemie hatte für Paracelsus überhaupt nichts mit der Goldgewinnung aus unedlen Metallen zu tun. Sie sei eine von Gott stammende Kunst, die „Sudelkocherei“ aber sei von den Apothekern erfunden, so seine Äußerung. Demzufolge sei ein Arzt ohne alchemistische Kenntnisse ebenso wenig ein wirklicher Arzt, als das Spiegelbild eines Menschen ein wirklicher Mensch sei.


Was ist uns von Paracelsus geblieben?

Einmal eine absolut ganzheitliche Sicht des Menschen, bei dem Körper, Geist und Psyche untrennbar sind. Die Liebe des Arztes zum Patienten muss die Basis jeder Behandlung sein. Die Beachtung der Natur und Umwelt, die Philosophie der Ernährung, die Forderung nach geordneter Arbeit und Lebensführung, die Regelkreise des Stoffwechsels und die Kultur der Leidenschaften im – wie er es nennt – Regiment der Gesundheit stellen einen universellen Anspruch an eine umfassende Heilkunst dar.

Paracelsus war stets ein Suchender, der selbst auch ununterbrochen lernte, wobei er jeden, der mehr wusste als er, ob Bauer, Wirt, Geistlicher, Arzt oder Wissenschaftler als Ratgeber akzeptierte. Paracelsus war und bleibt ein Vorbild für jeden Arzt, der nicht nur Befunde beurteilt, sondern den kranken Menschen in seiner Ganzheit, in seinem sozialen Umfeld, in seiner Umwelt sieht, beurteilt und versucht, ihm nach seinen Beobachtungen und Erfahrungen sowie bestem Wissen und Gewissen zu helfen.

Nach der paracelsischen Tradition stellen die Bombastus-Werke in Dresden-Freital ihre hochwertigen Produkte her. Das Unternehmen stellen wir in unserer aktuellen Reportage im Juli vor.


Literatur

Aschner, Bernhard: Paracelsus - Sämtliche Werke, Verlag Gustav Fischer Jena, 1926-1932.
Kaiser, Ernst: Paracelsus, Rowohlt Verlag Hamburg, 1969.
Ickert, Günther: 90 Jahre Bombastus-Werke GmbH, Freital/Sachsen, In: Der Deutsche Apotheker, Nr.1 1995.


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Autor:Anna-Maria Bloße (07.05.2003)

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