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Naturel-Online.de, Bildschirmfoto vom Oktober 2004
Ob alles in ewigem Wechsel kreist, es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist
Autor:Angela Matthes (26.01.2004)

Ein Leitfaden durch die Verbände des ökologischen Landbaus

Die Worte aus einem Gedicht Friedrich Schillers treffen den Grundgedanken des ökologischen Landbaus. Für Menschen, die sich für Umweltfragen und die eigene seelische und körperliche Gesundheit interessieren, ist es zunehmend klarer, welchen Stellenwert eine gesunde Ernährung für uns und für unsere Erde hat. Der Verkauf ökologischer Produkte läuft über Naturkostläden, Verbrauchergemeinschaften und Hofläden trotz mannigfaltiger Probleme auf verschiedenen Ebenen relativ gut. Die teureren Preise, soweit erschwinglich, werden von der Kundschaft angenommen, da ihr eine gesunde Erde, Freude am Geschmack und auch eigene eingesparte Medikamentenkosten diese wert sind.

Ein Blick zurück in das 19. Jahrhundert zeigt, dass schon damals in der sich entwickelnden Naturheilkunde (vertreten zum Beispiel durch Bilz, Kneipp und Briesnitz) einer gesunden und schadstoffarmen Ernährung große Bedeutung zukam. Inzwischen haben sich die Probleme in dieser Richtung potenziert und damit auch die Kräfte, die dieser Entwicklung entgegensteuern wollen.

Das Thema Ernährung taucht häufig in den Medien auf, doch kann auf den Schadstoffgehalt mancher konventioneller Produkte (besonders, wenn sie das ganze Jahr über angeboten werden) nicht genug hingewiesen werden.

In einer italienischen Tafeltraubensorte wurden vor kurzem acht verschiedene Pestizide(!) nachgewiesen.

Viele kennen in Grundzügen die ökologisch und sozial problematische Entwicklung auf dem Welt-Agrarmarkt; sie ist nicht neu. Sie bereitet uns sehr große Sorgen. Produkte eines umweltverträglichen Landbaus zu kaufen ist für den Verbraucher das beste Mittel, um wirtschaftliche und ökologische Teufels- kreise zu durchbrechen und gleichzeitig dem eigenen Körper etwas Gutes zu geben.

Da es einigen nicht leicht fallen wird, im breiten Angebotsspektrum von Naturkostläden, Verbraucherge-meinschaften, Reform- und Hofläden auszuwählen, sollen dem Leser nach der Darstellung allgemeinen Richtlinien des Ökolandbaus beispielhaft drei Anbauverbände vorgestellt werden.

Für alle Bereiche des Ökolandbaus gelten als Methoden und Ziele:

verantwortungsvolle Nutzung der natürlichen Umwelt und Vermeidung ihrer Belastung

vollständiger Verzicht auf chemisch-synthetische Dünge-, Lager- und Schutzmittel, Hormone und Wuchsstoffe

Wahrung eines weitgehend geschlossenen Betriebskreislaufs mit möglichst geringem Verbrauch an nicht erneuerbarer Energie und an Rohstoffvorräten

nachhaltige Steigerung der Bodenfruchtbarkeit

Bindung der Tierhaltung an die Beachtung tierspezifischer Bedürfnisse.

Alle Betriebe und Verbände sind bundesweit unter dem Dachverband „Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau“ zusammengeschlossen. Damit Begriffe wie „Bio“ oder „Öko“ gesetzlich geschützt sind, wurde 1991 eine EU- Verordnung verabschiedet, nach deren Richtlinien jeder Betrieb jedes Jahr einer Kontrolle unterzogen wird. Doch sind die Richtlinien der Anbauverbände selbst meist strenger als die der EU. Die drei größten Anbauverbände in Deutschland sind Demeter, Bioland und Gäa.

demeter

Der Name geht auf eine Göttin der griechischen Sagenwelt zurück. Demeter, die Tochter von Zeus, ist verantwortlich für Fruchtbarkeit und Wachstum, besonders der Bereiche Ackerbau und Getreide. Die Anfänge des Demetergedankens sind etwa 80 Jahre alt und liegen im anthroposophischen Bereich. Rudolf Steiner entwickelte 1924 in einem landwirtschaftlichen Kursus in der Nähe von Breslau seine Ideen zum Thema „ Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft“. Damit reagierte er auf eine einseitig materialistische Betrachtung einer mineralischen Nährstofflehre, wie sie damals verbreitet war. Er lehrte, die Naturzusammenhänge bewusst in ihrer Gesamtheit zu erfassen und zu beachten. Demeterbauern pflegen „ihre“ Landschaft im Sinne irdischer und kosmischer Naturzusammenhänge.

Ein möglichst geschlossener Kreislauf mit betriebseigener Düngerproduktion lässt Boden und Tiere gesunden und vermeidet einseitige Bodenbelastungen. Was Boden, Tier und Pflanze unverfälscht hervorbringen, wird als kontrolliertes Demeterprodukt an die Kunden weitergegeben. Ein Großteil der 1300 Höfe in Deutschland verarbeiten einen Teil der Produkte in eigenen Wirtschaftseinheiten weiter (z. B. Käse, Brot). Oft gibt es auch kulturelle oder kommunalpolitische Aktivitäten der Höfe, die „ansteckend“ und vitalisierend auf die gesamte Dorfentwicklung wirken.

Die biologisch- dynamische Wirtschaftsweise der Demeterhöfe baut im besonderen auf Kreisläufen und Rythmen der Natur auf, die beobachtet, eingehalten und z. B. in der rythmischen Bewegung bei der Weiterverarbeitung eines bestimmten Nahrungsmittels ihre praktische Weiteranwendung finden.

Bioland

Der Verband ist im bundesweiten Rahmen der größte. Ihm gehören etwa 3200 Landwirte an. Bioland entstand 1971 im westlichen Teil Deutschlands auf der Basis der Untersuchungen zweier Männer: Dr. Rusch und Dr. Müller. Auch hier geht es um einen biologischen Wirkungskreislauf zwischen Boden, Pflanze, Tier und Mensch.

Viele Höfe in Umstellung, die also früher konventionell wirtschafteten und heute auf ökologischen Landbau umstellen, arbeiten nach Biolandrichtlinien. Dem Verband gehören auch 400 Lebensmittelverarbeitungsbetriebe an.

Gäa

Der Verband knüpft wie Demeter vom Wort her eine Verbindung zur griechischen Mythologie. Die Fruchtbarkeitsgöttin ist die Gemahlin des Uranos („Himmel“) und Stammutter von ganzen Göttergenerationen. Gäa kann mit „Mutter Erde“ gleichgesetzt werden (daher unsere Begriffe: Geologie, Geografie).

Der Anbauverband ist der jüngste und insbesonders für die neuen Bundesländer typischste. Er wurde im Frühjahr des Wendejahrs 1989 in Dresden von Menschen gegründet, die teilweise aus dem kirchlichen oder Bürgerrechtsbereich kamen. Er ist also in der DDR als ein „anderer Weg“ gereift. Die Nachwendezeit veränderte auch die Anforderungen an Gäa. Doch sieht sich der Verband bis heute als Plattform für regionale und kommunalpolitische Fragen: Beratung, Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit , Erfahrungsaustausch und Vermarktungsfragen gehören dazu.

Übrigens ist es auf vielen Höfen möglich, ein Praktikum oder das Freiwillige Ökologische Jahr zu absolvieren. Auskunft dazu gibt die Beratungsstelle des Forschungsrings für biol.-dyn. Wirtschaftsweise, Brandschneise 2, 64295 Darmstadt, Tel. 06155/ 841240.

In den folgenden Heften sollen in lockerer Reihenfolge einzelne Höfe vorgestellt werden.

Autor:Angela Matthes (26.01.2004)

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