Nichts essen: für eine, zwei oder mehr Wochen. Nur trinken: Kräutertee, Gemüsebrühe, Obst- oder Gemüsesäfte verdünnt und Wasser, mehr als der Durst verlangt. Alles weglassen, was nicht lebensnotwendig ist: Nikotin und Alkohol in jeder Form, Süßigkeiten und Kaffee, Medikamente, soweit entbehrlich. Alle Ausscheidungen fördern: den Darm regelmäßig entleeren, die Nieren durchspülen, schwitzen, abatmen, Haut und Schleimhäute pflegen.
Sich natürlich verhalten: ruhen und bewegen, schlafen und arbeiten nach den Bedürfnissen des Körpers
- sich frischer Luft und kühlem Wasser aussetzen. Sich vom Alltag lösen
- Hetze, Termindruck, Dissonanzen meiden; das tun, was Spaß macht – bummeln, lesen, tanzen, Musik genießen, Hobbys pflegen. In die Stille gehen: das Außen abschalten, nach innen gehen, sich Zeit nehmen für sich selbst oder eine guten Gemeinschaft, meditieren.
Es gibt ja viele verschiedene Formen des Fastens. Welche sind besonders zu empfehlen?
Die eben geschilderte Form ist das Fasten nach Dr. Buchinger. Es hat sich am besten bewährt (250 Kalorien). Es gibt aber auch ein Wasser- oder Teefasten mit null Kalorien. Oder ein Rohsäftefasten nach Dr.Heun, wo nur Frischsäfte gegeben werden; das ist für Kranke optimal. Ein Schleimfasten geben wir gern, wenn es um Magen-Darm-Empfindliche geht.
Das Molkefasten hat traditionelle Wurzeln in der Schweiz und kann auch heute noch gemacht werden (Trink-molke von Heirler).
Für alle gelten die Regeln, die oben aufgezählt wurden, wenn wir es als ein echtes Fasten bezeichnen sollten und nicht nur als eine Art von Diät.
Ein sogenanntes „Obstfasten“ ist eine Diät; ein „Milch-Semmel-Fasten“ (nach FX.Mayr ) ebenfalls und auch die Schroth-Kur, wo man zwar wenig isst, aber eben kaut und mehr als 400 Kalorien zu sich nimmt. Das bedeutet, dass das Verdauungssystem des Körpers nicht zur Ruhe kommt. Die Fähigkeit von Tier und Mensch, komplett aus seinen gespeicherten Reserven zu leben, wird so leider nicht entdeckt.
Was ist eigentlich „Fasten“? Das verstehen wir jetzt besser: die Begabung von Tier und Mensch, in Notzeiten voll aus sich selbst zu leben.
Bei Tieren ist das im Jahresrhythmus einprogrammiert: bei Murmeltieren und Bären im Winter, bei Zugvögeln zweimal im Jahr, die Pinguine wandern zur Eiablage 40 Tage übers Eis ohne irgendetwas Fressbares. Menschen im Fieber wissen, dass ihr Körper alle Nahrung verweigert und nach Trinkbarem verlangt.
Wer kann fasten und wer nicht?
Jeder gesunde Mensch hat diese Fähigkeit von Natur aus. Er muß sie nur entdecken – irgendwann in seinem Leben. Wer es nicht probiert hat, weiß weniger von sich.
Kinder in der Entwicklungszeit (bis ca.16) sollten noch nicht fasten und alte Menschen nicht, weil die Gefahr besteht, dass ihre Steuerungseinrichtungen nicht mehr optimal funktionieren. Erstfaster über 60 gehören in die Fastenklinik. Nicht fasten sollten Erschöpfte, Nervöse, Ängstliche, Depressive und Leute, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen. Leute die nicht Fasten sollten, sind auch Schwangere und stillende Mütter.
Wie, wann und wo kann man denn fasten?
Hier ist deutlich zu unterscheiden: Heilfasten findet in speziellen Fastenklinken statt und ist ein Thema für Kranke. Man kann viele Krankheiten durch die Fasten- und Ernährungstherapie heilen – viel mehr als die meisten Ärzte wissen (weil sie es an der Universität leider nicht gelernt haben). Es gibt speziell ausgebildete Fastenärzte, Fastenschwestern, Fastenpsychologen; sie alle haben Fasten an sich selbst erlebt.
Fasten für Gesunde findet in sogenannten Fastenwochen statt und wird von ausgebildeten FastenleiterInnen geführt. Für Erstfaster sind sie wegen der umfassenden Information und der bergenden Fastengemeinschaft besonders zu empfehlen. Erwachsenenbildung und Selbsterfahrung werden kombiniert mit Zusatzprogrammen wie Wandern, Bergsteigen, Radfahren, Schwimmen, Yoga, Meditation, kreativem Tun, Entdecken der Natur und vielem anderen.
Sie empfehlen in Ihrem Buch “Wie neugeboren durch Fasten“ jedem gesunden Menschen vom 30. Lebensjahr an zumindest ein gelegentliches Fasten. Welcher gesundheitliche Vorteil entsteht daraus?
Ich gehe soweit zu sagen: es entsteht in jedem Fall ein Vorteil: Sie lernen ihren Körper in einer Sondersituation neu kennen, Sie erleben, dass er ungeahnte gesund-heitliche Reserven hat, aber auch, dass er sich selbst reinigen kann, entschlacken und entgiften. Er gewinnt allgemein an Gesundheit in einer Zeit, die voller Belastung ist; er ist ihr nicht hilflos ausgeliefert.
Die meisten von uns bekommen schon nach einer ausgelassenen Mahlzeit ein starkes Hungergefühl und sind der Meinung, unbedingt essen zu müssen, um Ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Bedeutet Fasten qualvolles Hungern oder können auch Berufstätige im Alltag fasten?
Wer hungert, fastet nicht
- andersherum
- wer fastet, hat keinen Hunger.
Denn er hat seine eigene Speisekammer bei sich und auch den Schlüssel dazu. Wer gegessen hat, ist auf Essen programmiert; der Körper verlangt wieder nach Essbarem, und das bedeutet Hunger. Millionen von Menschen fasten im Alltag, Menschen, die es gelernt haben, damit zurechtzukommen ( das Wie ist eines Jeden Geheimnis). Und die meisten fasten jedes Jahr ein oder zweimal. Sie haben Fasten in ihr Leben eingebaut.
Schon Moses, Christus, Buddha und Mohammed nutzten langes Fasten zur Bewusstseinserweiterung. Hat Fasten auch eine spirituelle Seite?
Sie erinnern ganz richtig an die großen Lehrer der Menschheit. Fasten trifft den ganzen Menschen mit Körper, Seele und Geist - abhängig von der Dauer und von der Umgebung. Christus fastete „in der Wüste“, in großer Abgeschiedenheit und Stille. Deshalb ist Fasten im Kloster etwas anderes als Fasten beim Sport. Fasten beim Bergsteigen kann die spirituelle Seite eher fördern als ein Erstfasten in der Großstadt.
Otto Buchinger hat durch mehrwöchiges Fasten sein Gelenk-Rheumatismus kuriert. Kann man mit dem sogenannten Heilfasten Krankheiten und chronische Leiden heilen?
Ja, ich sagte schon, Heilfasten ist ein ungewöhnlich starkes Mittel – das stärkste Mittel der Naturheilverfahren. Es kann manches chronische Leiden noch bessern oder sogar heilen, wenn alle Medikamente oder andere Verfahren nicht mehr halfen. Dr.Otto Buchinger schrieb 1936 sein berühmt gewordenes Buch „Heilfasten“; es wird heute noch immer gedruckt – in der 28. Auflage!
Fasten ist auch ein Auftakt zur Ernährungsumstellung. Was sollte man unbedingt nach dem Fasten beachten?
Das Umschalten vom Fasten zum Essen braucht mehr Aufmerksamkeit als das Fasten selbst
- ich beginne, mich ganz neu auf meine Ernährung einzustellen mit der Frage
- was könnte ich besser machen als vorher? Dafür gibt es drei Regeln:
Zeit nehmen! In Ruhe essen – das ist jetzt der wichtigste Termin, der Ihren Tag bestimmt.
Gründlich kauen! Die Verdauung beginnt im Mund. Jeden festen Bissen 35x kauen, bis er flüssig ist. Schlingen schadet.
Schweigend essen! Genießen!
Nur so spüren Sie wirklich, wann Sie satt sind und voll befriedigt. Jetzt die Malzeit beenden, nicht aufessen! Auch wenn es sehr wenig ist, was der Körper in den ersten drei Aufbautagen braucht.
Sie werden sich als aufmerksamer Esser wieder finden und erstaunt sein, wie deutlich Ihr Körper seinen Nahrungsbedarf signalisieren kann.
Angebote finden Sie im Internet unter:
www.d-f-a.de, Deutsche Fastenakademie e.V.
Bücher und Infos unter: www.fastenfuergesunde.de
In Dresden können Sie sich Prospekte geben lassen im Regionalbüro der d-f-a :
Eva Holzberger, Bienerstr. 48, 01187Dresden Tel./Fax: 0351 - 471 44 47
Fasten in Südschwarzwald unter: www.falala.de
Literatur
Lützner, Dr. med. Hellmut : „Wie neugeboren durch Fasten“, Gräfe und Unzer 2002
Lützner, Dr. med. Hellmut : „Richtig essen nach dem Fasten“, Gräfe und Unzer 2002
Lützner, Dr. med. Hellmut : „Fasten“, Gondrom Verlag 2002 (für Fortgeschrittene)







