Die Mutter des Adonis
Am bekanntesten ist wohl eine Geschichte aus der griechischen Mythologie. Nach der war Myrrha oder auch griechisch Smyrna die Tochter des ersten Königs auf Zypern, Kinyras. Durch einen Liebeszauber Aphrodites verliebte sich Myrrha in ihren Vater und verführte ihn unerkannt 12 Nächte lang. Als der Vater erfuhr, dass es seine eigene Tochter war, die ihn umgarnt hatte, wollte er sie töten. Doch Myrrha flüchtete und flehte die Götter an, sie unsichtbar zu machen. Die Götter hatten Mitleid und so wurde Myrrha in einen Baum verwandelt – den Myrrhenbaum, dessen Harz die Tränen der schönen Königstochter sein sollen. Doch damit ist die Geschichte nicht beendet. Aus der leidenschaftlichen Liebe zwischen Vater und Tochter entstand ein Kind und nach neun Monaten gebar der Myrrhenbaum einen Sohn – Adonis. Dieser entwickelte sich zu einem für seine Schönheit bekannten Jüngling, der leider in jungen Jahren auf der Jagd von einem Eber getötet wurde. Aphrodite – und hier schließt sich der Kreis – verlor mit seinem Tod ihren Geliebten, denn auch sie war der Schönheit Adonis’ erlegen. Doch sie wollte sich damit nicht abfinden und bat Persephone, die Fruchtbarkeitsgöttin darum, dass Adonis jedes Jahr für sechs Monate auf die Erde zurückkehren durfte, was ihr auch gewährt wurde.
Seit dieser Zeit und in verschiedenen Kulturen werden die Tränen von Myrrha für rituelle Zwecke benutzt. Am häufigsten diente das Harz als Räucherstoff zur Ehrung der Götter. In Ägypten opferte man drei mal täglich dem Sonnengott Ra, wobei man am Morgen Weihrauch und in der Mittagszeit Myrrhe räucherte. Auch bei der Einbalsamierung der Toten verwendete man Myrrhe, insbesondere bei der Füllung des Magens der Toten.
Die Juden benutzen ebenfalls Myrrhe bei ihren Totenbestattungen und in der christlichen Tradition ist sie am bekanntesten als Geschenk der drei Weisen aus dem Morgenland. Doch Myrrhe begleitete Jesus bis zu seinem Tod, denn nach Überlieferungen soll Jesus vor seiner Kreuzigung mit Myrrhe vermischter Wein angeboten worden sein, um ihn zu betäuben. Jesus lehnte jedoch ab. Als Symbol für den „Tod des Herrn“ spendete der Pharisäer Nikodemus zum Begräbnis Jesu 100 Pfund Myrrhe und Aloe.
Heilkräftiges Harz
| Myrrhe botanisch |
Seit langem haben auch die Winzer die desinfizierende Wirkung des Balsamharzes für sich entdeckt und nutzbar gemacht. Durch das Harzen der Fässer schützen sie diese vor Keimen und geben ihnen gleichzeitig ein unverwechselbares Aroma, das sich im Wein niederschlägt. Wer einmal einen geharzten Wein, beispielsweise den griechischen Retsina, getrunken hat, wird dies sicher bestätigen können.
Wohlriechendes Harz
Auch für unseren Geruchssinn ist das ätherische Öl der Myrrhe ein besonderes Erlebnis, denn was den Göttern der Antike gefiel, kann auch uns Menschen entzücken. Und so wurde und wird Myrrhe auch gern als Rauchwerk zur Raumbeduftung verwendet und kann hierbei auch mit anderen Duftstoffen kombiniert werden, ganz nach dem „Geschmack“ des Bewohners. In orientalischen Parfüms ist es häufig als Duftkomponente enthalten.
Probieren Sie doch den Duft gerade jetzt in der Weihnachtszeit einmal aus. Vielleicht denken Sie dabei an die Tränen der schönen Königstochter oder erzählen die Geschichte Ihrem Sohn oder Enkelkind, der beim Krippenspiel als Weiser aus dem Morgenland dem Jesuskind Myrrhe zum Geschenk machte.
Myrrhe – Was ist drin?
Myrrhe ist ein Gummiharz, das aus einer Mischung von Harz,
ätherischem Öl und Schleim besteht:
- bis zu 10% ätherisches Öl
- bis zu 40% Harz
- Rohschleim
Diese Mischung ist zunächst ein dicker, gelblicher Milchsaft, der an der Luft zu einer dunkleren Masse erstarrt.
Neu: Zeitschriften bestellen - Dossier Heilpflanzen
Wir haben für Sie alle Hefte über Heilpflanzen zu einem Paket zusammen gefasst. Sie können das Dossier Heilpflanzen jetzt in unserem Zeitschriften-Kiosk kaufen.
Alle Hefte über Heilpflanzen



Neu: Zeitschriften bestellen - Dossier Heilpflanzen



