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Myrrhe - Das Geschenk des Weisen
Autor:Christiane Thomas (27.11.2005)

Myrrhe: Das Geschenk der Weisen
Myrrhe: Das Geschenk der Weisen
Wenn am Heiligen Abend überall in den Kirchen an die Geburt Jesu erinnert wird, geht es auch um den uralten Brauch des Schenkens. Im Krippenspiel wird er lebendig: die drei Weisen aus dem Morgenland bringen dem Kind in der Krippe ihre Geschenke. Auch wenn sich das Weihnachtsfest bei manchem leider auf diesen Brauch reduziert, hier hat er seinen Ursprung und seine Berechtigung. Gold, Weihrauch und Myrrhe - von den drei Gaben, welche die Weisen aus dem Morgenland dem Jesuskind in der Krippe zum Geschenk machten, ist uns letztere wohl am wenigsten bekannt.

Myrrhe ist ähnlich wie Weihrauch das Balsamharz einer tropischen Holzpflanze. Beide Arten gehören zur Familie der Weihrauchgewächse (siehe auch naturel Heft 15 Dezember 03/ Januar 04). Der bis zu zehn Meter hohe Myrrhenbaum (lat. Commiphora myrrha) gedeiht in den Trockengebieten Afrikas, Arabiens und Indiens. Sein flüssiges Harz tritt aus den Sekretgängen der Rinde aus und erstarrt an der Luft zu rötlich-braunen Klümpchen. Die Ausbeute erhöht sich, wenn die Rinde der Pflanzen künstlich angeritzt wird. Seit mehr als 3000 Jahren ist Myrrhe ein begehrtes Räucher- und Heilmittel, das heute ein wenig in Vergessenheit geraten ist oder zumindest hinter seinem bekannteren „Bruder“ Weihrauch verblasste. Dabei sind die Mythen und Überlieferungen zur Myrrhe äußerst interessant und vielschichtig.

Die Mutter des Adonis

Am bekanntesten ist wohl eine Geschichte aus der griechischen Mythologie. Nach der war Myrrha oder auch griechisch Smyrna die Tochter des ersten Königs auf Zypern, Kinyras. Durch einen Liebeszauber Aphrodites verliebte sich Myrrha in ihren Vater und verführte ihn unerkannt 12 Nächte lang. Als der Vater erfuhr, dass es seine eigene Tochter war, die ihn umgarnt hatte, wollte er sie töten. Doch Myrrha flüchtete und flehte die Götter an, sie unsichtbar zu machen. Die Götter hatten Mitleid und so wurde Myrrha in einen Baum verwandelt – den Myrrhenbaum, dessen Harz die Tränen der schönen Königstochter sein sollen. Doch damit ist die Geschichte nicht beendet. Aus der leidenschaftlichen Liebe zwischen Vater und Tochter entstand ein Kind und nach neun Monaten gebar der Myrrhenbaum einen Sohn – Adonis. Dieser entwickelte sich zu einem für seine Schönheit bekannten Jüngling, der leider in jungen Jahren auf der Jagd von einem Eber getötet wurde. Aphrodite – und hier schließt sich der Kreis – verlor mit seinem Tod ihren Geliebten, denn auch sie war der Schönheit Adonis’ erlegen. Doch sie wollte sich damit nicht abfinden und bat Persephone, die Fruchtbarkeitsgöttin darum, dass Adonis jedes Jahr für sechs Monate auf die Erde zurückkehren durfte, was ihr auch gewährt wurde.

Seit dieser Zeit und in verschiedenen Kulturen werden die Tränen von Myrrha für rituelle Zwecke benutzt. Am häufigsten diente das Harz als Räucherstoff zur Ehrung der Götter. In Ägypten opferte man drei mal täglich dem Sonnengott Ra, wobei man am Morgen Weihrauch und in der Mittagszeit Myrrhe räucherte. Auch bei der Einbalsamierung der Toten verwendete man Myrrhe, insbesondere bei der Füllung des Magens der Toten.

Die Juden benutzen ebenfalls Myrrhe bei ihren Totenbestattungen und in der christlichen Tradition ist sie am bekanntesten als Geschenk der drei Weisen aus dem Morgenland. Doch Myrrhe begleitete Jesus bis zu seinem Tod, denn nach Überlieferungen soll Jesus vor seiner Kreuzigung mit Myrrhe vermischter Wein angeboten worden sein, um ihn zu betäuben. Jesus lehnte jedoch ab. Als Symbol für den „Tod des Herrn“ spendete der Pharisäer Nikodemus zum Begräbnis Jesu 100 Pfund Myrrhe und Aloe.

Heilkräftiges Harz

Myrrhe botanisch
Myrrhe botanisch
Myrrhe diente jedoch nicht nur den Toten, auch die Lebenden erkannten frühzeitig die Heilkraft des Harzes. Bei den verschiedensten Leiden, besonders bei Verdauungsstörungen und Husten und bei äußeren Entzündungen nutzte man Myrrhe. Auch Hildegard von Bingen verwendete sie bei hohem Fieber. Leider ist die Wirkungsweise von Myrrhe heute kaum nachgewiesen. Doch seine desinfizierende, entzündungshemmende und zusammenziehende Wirkung ist allgemein anerkannt und wird hauptsächlich bei der Behandlung von Entzündungen im Mund- und Rachenraum genutzt. Hierfür bieten Apotheken eine gebrauchsfertige Tinktur an, die sich bei Verletzungen der Mundschleimhaut, bei Druckstellen durch Zahnprothesen oder bei Parodontose als sehr hilfreich erwiesen hat. Die Tinktur wird dabei unverdünnt mit Hilfe eines Wattestäbchens auf die betroffenen Stellen aufgetragen oder verdünnt mit Wasser zum Gurgeln benutzt. Innerlich wird Myrrhe bei Bronchitis empfohlen, denn schon seit langem ist seine lösende und Abhusten befördernde Wirkung bekannt. Auch bei leichten Darminfekten und Verdauungsstörungen kann Myrrhe auf natürliche Weise Linderung bringen.

Seit langem haben auch die Winzer die desinfizierende Wirkung des Balsamharzes für sich entdeckt und nutzbar gemacht. Durch das Harzen der Fässer schützen sie diese vor Keimen und geben ihnen gleichzeitig ein unverwechselbares Aroma, das sich im Wein niederschlägt. Wer einmal einen geharzten Wein, beispielsweise den griechischen Retsina, getrunken hat, wird dies sicher bestätigen können.

Wohlriechendes Harz

Auch für unseren Geruchssinn ist das ätherische Öl der Myrrhe ein besonderes Erlebnis, denn was den Göttern der Antike gefiel, kann auch uns Menschen entzücken. Und so wurde und wird Myrrhe auch gern als Rauchwerk zur Raumbeduftung verwendet und kann hierbei auch mit anderen Duftstoffen kombiniert werden, ganz nach dem „Geschmack“ des Bewohners. In orientalischen Parfüms ist es häufig als Duftkomponente enthalten.

Probieren Sie doch den Duft gerade jetzt in der Weihnachtszeit einmal aus. Vielleicht denken Sie dabei an die Tränen der schönen Königstochter oder erzählen die Geschichte Ihrem Sohn oder Enkelkind, der beim Krippenspiel als Weiser aus dem Morgenland dem Jesuskind Myrrhe zum Geschenk machte.

Myrrhe – Was ist drin?

Myrrhe ist ein Gummiharz, das aus einer Mischung von Harz,
ätherischem Öl und Schleim besteht:
- bis zu 10% ätherisches Öl
- bis zu 40% Harz
- Rohschleim

Diese Mischung ist zunächst ein dicker, gelblicher Milchsaft, der an der Luft zu einer dunkleren Masse erstarrt.


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Autor:Christiane Thomas (27.11.2005)

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