Die Wechseljahre setzen bei der Frau im Alter von etwa 45 Jahren ein und dauern im Durchschnitt 10 Jahre. Altersbedingt kommt es durch die langsam nachlassende Funktion der Eierstöcke zu einem über die Jahre zunehmenden Abfall des Östrogenspiegels. Schließlich stellt sich etwa im Alter von 52 Jahren die letzte Monatsblutung (Menopause) ein. Meist kommt die Menstruation schon vorher unregelmäßig. Eine nachlassende Eierstockfunktion bedeutet jedoch nicht den Verlust der Weiblichkeit. Es handelt sich um einen natürlichen Vorgang, genauso wie das Einsetzen der Menstruation bei jungen Mädchen.
Für viele Frauen ist diese Zeit mit mehr oder weniger unangenehmen Beschwerden verbunden. Sie können ungefähr ein bis fünf Jahre anhalten. Gesichtsröte, Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Herzrasen gehören zu den häufigsten Symptomen. Dazu können vielfach Schlafstörungen, Depressionen und Konzentrationsschwäche kommen. Weitere Folgen des Klimakteriums hängen mit der geringeren Produktion von Östrogen, den weiblichen Geschlechtshormonen, zusammen. Die Blutgefäße verlieren dadurch nämlich ihren bisherigen Schutz gegen Arterienverkalkung. Damit steigt mittelfristig die Gefahr, dass Frauen einen Herzinfarkt erleiden. Auch die Knochen reagieren auf die veränderte Hormonsituation des Körpers. Ohne Östrogen verändern sich der Knochenstoffwechsel und ein Knochenschwund (Osteoporose) kann begünstigt werden.
Weshalb gibt es die Wechseljahre
Die Fachleute meinen, dass die Eierstockfunktion erschöpft ist. Die von Geburt an vorhandenen Eizellen (ca. 500.000) reduzieren sich im Laufe des Lebens, wobei durchschnittlich nur 450 Eizellen pro Eisprung „verloren gehen“. Die meisten Eizellen degenerieren und lösen sich auf. Die hormonelle Steuerung im Gehirn bleibt erhalten, die Antwort aus dem Eierstock erlischt.
Die Wechseljahre sind keine Krankheit oder ein Fluch, sondern ein natürlicher Bestandteil des weiblichen Lebenszyklus. Deshalb ist es sinnvoll, möglichst früh auf die Wechseljahre bewusst hinzuleben.
Diese Zeit darf nicht als Verlust von Jugend, von Attraktivität, geistiger, körperlicher, vor allem aber sexueller Leistungsfähigkeit abgewertet werden. Denn sonst droht die Minderung oder gar der Zusammenbruch des Selbstwertgefühls. Nach den Wechseljahren beginnt noch ein volles Drittel des Lebens. Und sicher nicht das Schlechteste, wenn man seine Vorteile zu nutzen versteht.
Also mit Lust und Power in die Wechseljahre
Ein Neubeginn muss gewagt werden. Nur wenn es nicht gelingt, die persönliche Entwicklung auf geistigem Gebiet fortzusetzen, werden ausschließlich die negativen Seiten der Wechseljahre wahrgenommen. Nutzen Sie diese Phase für ein neues Selbstbewusstsein.
Jetzt ist es an der Zeit, Ihre bisherigen Lebenserfahrungen anzuwenden. Was möchten Sie, was verschafft Ihnen ein Wohlgefühl? Sie sollten jetzt mehr an sich selbst denken und sich etwas Guten tun. Bewegen Sie sich genügend an der frischen Luft. Gehen Sie z.B. spazieren, machen Sie eine Radtour, Yoga oder einfach den Sport, auf den Sie Lust haben.
Körperliche Bewegung stärkt die Knochen und das Herz und fördert das allgemeine Wohlbefinden, die darauf folgende natürliche Müdigkeit wird Ihnen eine gute Nachtruhe bescheren. Nutzen Sie auch Entspannungsverfahren wie autogenes Training. Damit stärken Sie Ihr Körperbewusstsein. Der Genuss eines feinen, ausgewogenen Essens gehört zur Lebensqualität. Eine ausgewogene Ernährung spielt gerade in den Wechseljahren eine wichtige Rolle, denn Gesundheit und Wohlbefinden hängen direkt davon ab.
• Ausgewogen zu essen heißt nicht, alle bisherigen Essgewohnheiten über Bord zu werfen, sondern sich bewusst dem sich verändernden Körper angepasst zu ernähren. Sich täglich am Essen freuen und sich dabei rundum wohl fühlen, ist das Ziel. Mit den Veränderungen im Körper ändern sich auch die Bedürfnisse an eine ausgewogene Ernährung. Ab 40 - 45 Jahren nimmt der tägliche Energiebedarf deutlich ab. Dazu kommt, dass wir uns allgemein weniger bewegen als früher. Beides zusammen führt dazu, dass das Körpergewicht eher steigt als sinkt. Das muss nicht sein!
• Für ein zu viel an Gewicht ist vor allem das Fett in unserer Ernährung verantwortlich. Fett bietet in kleinem Volumen viel Energie. Dies bedeutet, wenn Sie Ihr Gewicht halten oder abnehmen wollen, sollten Sie aufs Fett achten. Nicht zu vergessen ist die Flüssigkeit, in dieser Zeit ist sie das A und O des Wohlbefindens und der Gesundheit. 1 ½ - 2 Liter pro Tag energiefreie Getränke sind das Ziel. Geeignet sind Wasser, Mineralwasser, ungesüßter Tee, fettfreie Bouillon oder verdünnte Gemüsesäfte. Falls Sie an Schlafstörungen leiden, meiden Sie Kaffee oder Vitamin-C-haltige Getränke in den Abendstunden.
• Ein weiterer Tipp sind Kohlenhydrate - die Power-Nahrung für unseren Körper. Zu den Kohlenhydraten gehören Früchte, Gemüse, Stärkeprodukte wie Brot, Teigwaren, Reis, Polenta, Kartoffeln, etc. Lieber mehr als weniger, ist hier das Motto. Kohlenhydrate - fettarm zubereitet, machen nicht dick, sondern fit!
Durch den Abfall des Östrogenspiegels ist der Knochen schlechter geschützt. Osteoporose (Knochenschwund) kann die Folge davon sein. Um dem entgegenzuwirken, sind drei Faktoren wichtig:
1. Genügend Calcium zu sich nehmen.
2. Sich regelmäßig bewegen.
3. Sich regelmäßig im Freien aufhalten, um genügend Vita-
min D bilden zu können.
Hormonersatztherapien
Die effektivste Therapie, die viele Problembereiche abdeckt, ist die Hormonersatz-Therapie. Allerdings zeigen die jüngsten Ergebnisse der Women´s-Health-Initiative (WHI)-Studie und der Million-Women-Studie die Nachteile einer langfristigen HET auf. Allein in Zahlen gemessen, liegen die Risiken einer Hormonersatztherapie höher als der Nutzen. Deshalb empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die HET nur noch bei sehr starken Wechseljahresbeschwerden. Dabei sollte die niedrigste wirksame Dosis über einen möglichst kurzen Zeitraum von nicht mehr als 1-2 Jahren angewendet werden. Als Alternative sind pflanzliche Medikamente auf dem Markt. Mit ihnen lassen sich jedoch nur die akuten Wechseljahresbeschwerden lindern. Sie haben keine vorbeugenden Wirkungen. Es gibt viele Heilpflanzen, die Ihnen Linderung verschaffen können.
Medikamente mit dem Extrakt der Traubensilberkerze Cimicifuga wirken vor allem in der Anfangsphase des Klimakteriums, wenn Hitzewallungen, Schwitzen und Schwindel vorherrschen. Extrakte des Mönchspfeffers sind günstig bei Wassereinlagerungen im Gewebe, wie Brustspannen. Johanniskraut hat vor allem stimmungsaufhellende Wirkungen. Beruhigende Medikamente wie Baldrian wirken tagsüber gegen Reizbarkeit und fördern nachts den Schlaf. Gegen Schweißausbrüche hilft Salbei. Die meisten Pflanzenextrakte brauchen mindestens zwei Wochen, bis eine erste Wirkung einsetzt. Erst nach vier bis acht Wochen kann sich die Wirkung voll entfalten.
In jeden Fall sollten Sie sich vertrauensvoll an Ihren Hausarzt oder Gynäkologen wenden und mit ihm gemeinsam Lösungsmöglichkeiten für anfallende Beschwerden finden, die auf Ihren persönlichen Gesundheitszustand abgestimmt sind.
Die Last mit der Lust - Sexualität
in und nach den Wechseljahren
Dass die Lust am Sex bei Männern im Alter kaum abnimmt, ist bekannter als die Tatsache, dass auch Frauen sexuelle Interessen und Bedürfnisse im Alter haben. Bis ins hohe Alter bleiben Frauen sexuell genuss- und orgasmusfähig. In den Medien wird Sexualität häufig mit Jugend und körperlicher Makellosigkeit in Verbindung gebracht. Der Vergleich mit diesen „Leitbildern“ führt bei vielen Frauen zu Versagensängsten und Minderwertigkeitskomplexen. Hier gilt: Lassen Sie sich von den Medien nicht beeinflussen. Sexualität ist nicht von der Jugend gepachtet. Sie ist unabhängig vom Alter ein wichtiger Bestandteil im Leben eines jeden Menschen. Entscheidend ist, dass Sie mit sich und Ihrer - gelebten oder nicht gelebten - Sexualität zufrieden sind. Auch Ihr Partner wird, in den meisten Fällen jedenfalls, nicht jünger.
Daher brauchen Sie nachlassende körperliche Attraktivität nicht zu fürchten. Sexualität im Alter ist oft nicht mehr so häufig, gewinnt aber meist an Qualität und an Bedeutung. Denn das Wohlbefinden durch die empfundene Nähe löst den Wunsch nach Befriedigung durch körperliche „Spitzenleistungen“ ab. Es gibt keine allgemein gültigen Regeln. Letztlich muss jeder Mensch seine Wünsche, Träume und Bedürfnisse selbst erkennen und versuchen, sich diese zu erfüllen. Dazu gehört, wie auch in jungen Jahren, die Möglichkeit zur Kommunikation und die Offenheit gegenüber dem Partner und sich selbst. Eine wichtige Voraussetzung für ein erfülltes Sexualleben ist der Abbau der Schamgefühle dem eigenen Körper gegenüber. Außerdem sollte man sich beim Ausleben seiner Sexualität keine Leistungszwänge auferlegen. Vereinfacht gesagt: Nehmen Sie sich mehr Zeit für die Zärtlichkeit, kuscheln statt turnen.
Frauen ab 40 besitzen genügend Weitsicht und Weisheit, um sich spätestens in den Wechseljahren neuen lebenserhaltenen und bewahrenden Zielen zu widmen. Sie sind entlassen aus dem kleinen biologischen Bezugsrahmen, sie müssen sich nicht mehr ausschließlich um ihren begrenzten „Schrebergarten vor der Tür“ kümmern, sondern können den Blick heben und sich fragen: Wie sieht es denn in unserem Weltgarten aus? Mit Lust am Eigensinn kommen wechseljährige Frauen zwar auch nicht überall hin, aber doch weiter als sie denken können.
Wie die Schriftstellerin Brigitte Hieronimus so treffend bemerkte, kommt Klimakter aus dem Altgriechischen und bedeutete ursprünglich „Leitersprosse“ oder „Lebensstufe“. Wechseljahre fordern genau dazu heraus. Nehmen wir also den beschwingten „Tanz der Hormone“ an und leben das Leben nach der eigenen Melodie, um die nächste Stufe zu erklimmen.
Lesen Sie weiter zu diesem Thema auf den Seiten 20/21 und 35-37 dieser Ausgabe!






