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Naturel-Online.de, Bildschirmfoto vom Oktober 2004
Mein Kind hat Fieber
Autor:Christiane Thomas (01.10.2003)

Das Herz meiner Tochter scheint sich zu überschlagen, sie atmet so furchtbar schnell, ihre Wangen sind rot, die Lippen scheinen zu brennen, ihre Hände sind heiß. Diese Anzeichen sind beunruhigend, machen mir Angst. Und dennoch handelt es sich hier um eine ganz natürliche Reaktion des Körpers im Kampf gegen physische oder auch seelische Fremdstoffe. Fieber ist keine Krankheit, wie viele Eltern verunsichert glauben, nichts, was mit dem Kind passiert, sondern eine aktive Tätigkeit des Kindes.

Zutaten für fiebersenkenden Tee
Zutaten für fiebersenkenden Tee

„Gib mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile jede Krankheit!“ Schon im Altertum wusste man um die heilende Kraft des Fiebers, wie dieser Satz des griechischen Arztes Parmenides beweist. Er macht auch deutlich, dass das Ansteigen der Körpertemperatur ein Vorgang ist, der durch unseren Körper selbst in Gang gesetzt wird.
Dringen schädliche Viren oder Bakterien in den Organismus ein, so vermag ein Anstieg der Körpertemperatur diese an einer weiteren Ausbreitung und Vermehrung zu hindern.
Steigt die Normaltemperatur um 1°C, so spricht man von Fieber, bei einer Körpertemperatur über 39°C haben Viren kaum mehr eine Chance zu überleben. Der Anstieg der Körpertemperatur ist jedoch nur ein äußeres Zeichen eines ganzen Prozesses, der sich im Organismus abspielt. Der Stoffwechsel wird angeregt, dabei vermehren sich virushemmende Stoffe, Abwehrzellen werden aktiviert und verstärkt Antikörper gebildet. Körpereigenes Eiweiß, das während der Fieberphase abgebaut wird, baut der Körper nach überstandener Krankheit neu auf. Nicht selten machen Kinder nach einer überstandenen Infektion einen regelrechten Entwicklungsschub. Genauso kann man an einem unausgeglichenen, unruhigen Verhalten des Kindes oft erkennen, dass es mit der Krankheit noch nicht abgeschlossen hat, mit sich selbst noch nicht „im Reinen“ ist.
Kinder können Körpertemperaturen von 39 oder 40°C, die für Erwachsene schon zu ernsthaften Problemen führen können, gut vertragen. Wichtig ist, dass solche hohen Werte nicht länger als 3-4 Tage anhalten und dass der kleine Patient während der Fieberphase gut beobachtet wird.

Nicht jedes Kind reagiert gleich und die gefürchteten Fieberkrämpfe oder auch eine Hirnhautentzündung sind zwar selten, aber niemals völlig auszuschließen. Vielleicht gibt es ein wenig Sicherheit, wenn man für den Notfall Fieberzäpfchen in der Hausapotheke griffbereit liegen hat. Im Normalfall sollten jedoch fiebersenkende immer den fieberhemmenden Maßnahmen vorgezogen werden.


Altbewährtes: Wadenwickel

Wadenwickel
Wadenwickel

Das vermutlich bekannteste Mittel, die Körpertemperatur zu senken, sind Wadenwickel. Dennoch gibt es dabei einige Dinge, die man beachten sollte. Während die Temperatur zu Beginn einer Fieberphase ansteigt, sind Waden und Füße kühl, das Kind friert vielleicht und hat Schüttelfrost. In dieser Phase sollte der kleine Patient warm gehalten werden, wohltuend ist eine heiße Wärmflasche an den Füßen. Erst wenn der Fieberanstieg beendet ist, werden Waden und Füße heiß, denn der Körper möchte sich von überschüssiger Wärme befreien. Erst jetzt sollten Wadenwickel zu Anwendung kommen, um diesen Prozess zu unterstützen. Für die Wickel verwendet man lauwarmes, auf keinen Fall eiskaltes Wasser, das mit einer halben Zitrone versetzt sein kann (siehe dazu auch den Beitrag in unserer Augustausgabe). Ziel sollte es nicht sein, das Fieber plötzlich stark abzusenken, sondern dem Fieber “die Spitze zu nehmen“. Bei einer Temperatursenkung um 0,5 bis 1°C wird die Wirksamkeit dieser Körperreaktion kaum gemindert, und das Kind kann mit seinem Zustand besser fertig werden. Das nasse, nicht zu dicke Innentuch aus Baumwolle oder Leinen wird kräftig ausgewrungen und vom Knöchel bis zur Kniekehle eng um die Wade gewickelt. Darüber kommt als zweite Lage ein Wolltuch oder Papas großer Wollstrumpf. Als Unterlage legt man am besten ein großes Bade- oder Wolltuch mit in das Bett, um die Restfeuchtigkeit abzufangen. Auf keinen Fall sollte eine luftundurchlässige Unterlage unter oder um die Beine gelegt sein. Nach ca. 10 Minuten kann der Wickel erneuert werden. Wiederholen Sie den Vorgang drei Mal und legen Sie dann eine etwa halbstündige Pause ein. Nach einer erneuten Temperaturmessung kann der gesamte Wickelvorgang wenn nötig noch weitere zwei Mal wiederholt werden. Hat sich dann kein Erfolg eingestellt, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Am Ende werden die Beine mit lauwarmen Wasser abgewaschen und gut abgetrocknet.


Abkühlungsbad

st der Patient nicht zu geschwächt, kann man auch ein Ganzkörperbad vorbereiten, das eine ähnlichen Wirkungsweise wie die Wadenwickel besitzt, durch die Einbeziehung des gesamten Körpers aber noch schneller zum Erfolg führen kann. Die Temperatur des Badewassers sollte zunächst etwa 1 bis 2°C unter der im Po gemessenen Körpertemperatur liegen. Der Patient legt sich in die Wanne, und nach ein paar Minuten beginnt man langsam, kaltes Wasser zulaufen zu lassen. Innerhalb von 5-10 Minuten sollte die Badetemperatur auf etwa 30°C gesenkt werden, spätestens nach 15 Minuten oder wenn es ihm unangenehm wird, soll der Patient die Wanne verlassen.


Fiebersenkender Einlauf

Trauen Sie sich ruhig einmal, Ihrem Kind bei hohem Fieber einen Einlauf zu machen. Gerade bei kleineren Kindern ist diese Maßnahmen unkomplizierter als man annehmen möchte und zeigt einen verblüffenden Erfolg. Man verwendet am besten zimmerwarmen Kamillentee, der entweder mit Hilfe eines Irrigators oder eines Gummiklistiers (in Apotheken erhältlich) in den Darm eingeführt wird. Je nach Alter der Kinder beträgt die Flüssigkeitsmenge bis 100 ml bei Säuglingen, 200 ml bei Kleinkindern und 300 bis 500 ml bei größeren Kindern. Nach dem Einlaufen sollte die Flüssigkeit etwa fünf Min. im Darm verbleiben, bei kleineren Kindern kann man den Drang etwas verzögern, indem man ihnen den Po leicht zuhält.


Leichte Ernährung

Kinder benötigen während einer Fieberphase viel Flüssigkeit, denn sie verlieren durch den erhöhten Stoffwechsel mehr Flüssigkeit als an gesunden Tagen. Am besten geeignet sind lauwarme Tees, z.B. Lindenblütentee oder Kamillentee, die zudem den Stoffwechsel anregen und das Schwitzen fördern. Geschmacklich angenehmer wird der Tee mit ein wenig Honig und Zitrone. Im Wechsel können auch verdünnte, lauwarme Fruchtsäfte gereicht werden. Gern wird auch Obst oder Obstkompott gegessen. Liebevoll zubereitete kleine Happen regen den Appetit an, und die Kinder genießen die besondere Sorge und Aufmerksamkeit der Eltern.

Stark eiweißhaltige oder schwer verdauliche Lebensmittel, wie Milchprodukte, Fleisch oder Süßigkeiten sollte ein fieberndes Kind nicht zu sich nehmen, da sie den Organismus noch zusätzlich belasten.

Fieber ist ein natürliches Heilmittel des menschlichen Organismus. Eltern sollten ihrem Kind eine Chance geben, sich mit seinen eigenen Kräften selbst zu heilen. Dazu gehört zweifellos Wissen über bestimmte Wirkungsweisen des menschlichen Körpers und ein wenig Mut. Im Laufe der Zeit werden Sie souveräner und ruhiger mit fiebernden Kindern umgehen können. Als Rezept empfiehlt Petra Lange: „Ein sehr gutes Hausmittel für die Behandlung eines kranken Kindes sind fünfzig Tropfen Baldriantinktur für die Mutter oder den Vater, sobald sie merken, dass sie kribblig werden.“


Literatur

P. Lange: Hausmittel für Kinder, Rowohlt-Verlag 1995

Dr. med. Helga Eisele: Erkältungen sanft und natürlich heilen, Südwest-Verlag 1995

Dr. med. H. Michael Stellmann: Kinderkrankheiten natürlich behandeln, GU 19


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Autor:Christiane Thomas (01.10.2003)

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