Viele Menschen, vor allem Frauen, feiern heute wieder die Jahreskreisfeste und versuchen, alte Rituale wiederzubeleben. Sie empfinden es als große Bereicherung, ihr Leben mit den Rhythmen und Zyklen der Erde in Einklang zu bringen. Sie sehen darin ein wirksames Mittel gegen Disharmonie, Selbstentfremdung und den Verlust der heilenden Nähe zur Natur. Für Frauen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, ist der Jahreskreis ein gutes Bild für den natürlichen Wandel, dem alle Menschen unterworfen sind: an einem Tag, in einem Jahr, in einem Leben. Diese Rhythmen bewußt zu erleben und mit ihnen zu gehen, kann eine starke Kraftquelle sein. Schon für sich genommen ist der Kreis ein bedeutsames Ganzheitssymbol. Er steht für Wissen, Erfahrung, Ausgewogenheit und Harmonie. Er umschließt das, was in den Kulturen des Ostens ein âMandalaâ genannt wird: eine geordnete, verständliche Welt, in der die Dinge ihren Platz haben, in der aber gleichzeitig genügend Raum für Veränderungen und Entwicklungen ist.
Der Jahreskreis geht zurück auf jahrtausendalte Überlieferungen. Es läßt sich natürlich nicht mehr im Detail rekonstruieren, welche Feste und Rituale vor 7000 Jahren an den heiligen Kreisplätzen gefeiert wurden. Aber wenn ein Sonnenkult zugrundeliegt, dann ging es sicherlich um die vier Eckpunkte des Sonnenjahres: Die Sonnwendtage zu Beginn des Sommers und Winters sowie die Tag-und-Nachtgleichen zum Frühjahrs- und Herbstanfang. Nehmen wir noch das Ergrünen der Weiden ab Anfang Mai und den Heimtrieb des Viehs Anfang November dazu - Punkte, die den Beginn des hellen und des dunklen Halbjahrs markieren - sowie den Ausklang des Winters ab Anfang Februar und den Beginn der Erntezeit Anfang August, dann haben wir den kompletten Jahreskreis, wie wir ihn auch heute kennen.
Diese Feste markierten Stationen im Ablauf des Jahres und damit der Entwicklung der Natur. Sie symbolisierten so auch den Kreislauf des Lebens: Geburt, Wachstum, Reife, Ernte und Tod, um danach wieder von Neuem zu beginnen. Vier dieser Feste keltischen Ursprungs gelten als die âaltenâ Feste:
- Imbolc
- Beltane
- Lammas
- Samhain
Die vier âjüngerenâ Feste wurden später dazugefügt. Sie stammen wahrscheinlich aus druidischer Zeit:
-Yule (Wintersonnenwende)
-Ostara (Frühlings - Tag-und Nachtgleiche)
-Litha (Sommersonnenwende)
-Mabon (Herbst Tag- und Nachtgleiche)
Alle diese Tage sind vorrangig Tage der Festlichkeit, Tage der Danksagung. Die Menschen bitten ihre Götter um Hilfe und Unterstützung für die Zukunft.
Die Feste, vor allem die älteren, beginnen immer am Vorabend des eigentlichen Festtages. Dies hat mit der Mondverehrung der Kelten und ihrem, nach dem Mond ausgerichteten Kalender zu tun, der aus 13 Mondmonaten bestand. Im Gegensatz dazu benutzen wir heute einen Sonnenkalender. Die normale Dauer dieser Festlichkeiten betrug im Regelfall 1-3 Tage.
Bei genauerem Hinsehen wird man sehr schnell feststellen, das viele christliche Feste mit ähnlicher Bedeutung in unmittelbare Nähe der alten Feste fallen. In der Zeit der Missionierung wurde auf diese Art und Weise versucht, den Menschen den Übergang in die neue Religion einfacher zu machen, indem gewohnte Dinge übernommen und angepaßt wurden.
Tag- und Nachtgleiche
Um den 21. März steht die Sonne genau senkrecht über dem Äquator. Für die Nordhalbkugel beginnt das Frühjahr, für die Südhalbkugel der Herbst. Die Schattengrenze auf der Erdkugel verläuft von Pol zu Pol entlang der Längengrade. Es ist Tag- und Nachtgleiche, Tag und Nacht sind je 12 Stunden lang. Die Sonne geht nur an den Tagen der Tag- und Nachtgleiche genau im Osten auf und im Westen unter. Ein halbes Jahr später steht die Sonne auf dem Weg zur Südhalbkugel wieder über dem Äquator, es ist der 23. September. Für die Nordhalbkugel beginnt der Herbst. Die antiken Astrologen haben den beiden Tagen der Tag- und Nachtgleiche die Tierkreiszeichen Widder und Waage zugeordnet.
Mabon
| Erntedank |
Die Herbst-Tag - und Nachtgleiche ist ein Toten- und Opferfest. Mit dem Erntedank verbindet sich die Ehrerbietung an die Ahnen und die Besänftigung der dämonischen Kräfte. Andere Bezeichnungen für Mabon sind Weinerntefest oder Fest von Avalon. Mabon ist walisisch und bedeutet âGroßer Sohnâ. Mabon, der Sohn des Lichts, wird zur Herbst-Tag und Nachtgleiche gefeiert.
Brauchtümer
| Kinder bei der Apfelernte |
Sie feierten mit viel Musik und die Mutigen übersprangen das Feuer.
Die Germanen dankten in erster Linie dem Donnergott Thor für die glückliche Einbringung der Ernte. Ihm zu Ehren klopfen wir heute noch dreimal auf Holz, wenn wir Glück wünschen. Holz und die Zahl drei entsprechen dem Donnergott, der uns auch am Donnerstag jede Woche an sich erinnern läßt.
Die Farben des Festes sind reife Sonnenfarben, also orange, braun, dunkelbraun, dunkelgelb. Als Bräuche gab es z.B. Erntefeuer und Erntekränze. Der Erntekranz wird aus Ähren, Pflanzen, Früchten, Laub, Moos, Blumen, Eierschalen, Bändern hergestellt. Dieser wurde später verteilt oder verbrannt. Kultische Speisen sind aus Korn gebackene Semmeln, Kuchen oder Brote und Kartoffelfladen.






