Das Leinen – eine besondere Faser
Der kleine Maulwurf wünschte sich eine Hose mit besonders großen Taschen. Mit Hilfe seiner Freunde webte er ein Tuch und schneiderte sich eine wunderschöne Hose aus einer Pflanze, die gleich neben seinem Maulwurfshaufen wuchs: dem Flachs (lat. Linum usitatissimus). Er hatte damit eine gute Wahl getroffen, denn vermutlich wird die Hose sein Leben lang nicht zerreißen. Seit vielen Jahrhunderten ist die Leinenfaser bekannt dafür, besonders fest und haltbar zu sein. Sie besteht zu fast 100 Prozent aus Cellulose. Leinen kann Feuchtigkeit aufnehmen und überschüssige Körperwärme an die Umgebung abgeben.
Das ist das Geheimnis seiner angenehmen Trageeigenschaften. Gerade in der heißen Jahreszeit fühlt sich Leinen frisch und kühlend auf der Haut an. Kein Wunder also, dass in den letzten Jahren Mode aus Leinen eine neue Renaissance erlebt.
Der kleine Maulwurf aus dem Kindertrickfilm hatte allerdings ziemlich viel Arbeit, bis er seine Hose anprobieren konnte. Das ist auch der Grund, warum man kaum noch Flachsfelder in Deutschland findet. Früher hat fast jeder bäuerliche Hof zur Eigenversorgung Flachs angebaut. Heute ist das nicht mehr zeitgemäß und unrentabel und die großen Flachsfelder für die Leinenbekleidung findet man hauptsächlich in anderen Ländern.
Heilkräftige Samen
Lein ist eine Nutzpflanze in vielfältiger Hinsicht. Neben seiner uralten Verwendung als Faserpflanze hat auch der Leinsamen eine lange Tradition als altes Hausmittel und zur Gewinnung von Leinöl. Voll ausgereifte Leinsamen sind sehr schleimhaltig.
Legt man die Samen einige Zeit in Wasser, wird der Schleim aus der Zellschicht des Samens ausgesogen und um ihn herum angelagert.
Solch ein Aufguss ist beispielsweise bei Entzündungen im Mund, Rachen oder am Zahnfleisch ein bewährtes Gurgelmittel. Lauwarm getrunken hilft es bei Reizhusten, Heiserkeit und Magenschleimhautentzündungen. Wie eine schützende Hülle legt sich der Schleim um die entzündeten und gereizten Schleimhäute. Empfohlen wird auch, den zermahlenen Leinsamen mit Honig zu vermischen und teelöffelweise einzunehmen. Dieses Gemisch stillt den Hustenreiz und beruhigt den rauhen Rachen.
Leinsamen-Aufguss
Übergießen Sie ein bis zwei gehäufte Teelöffel ganze Leinsamen mit ¼ Liter kaltem Wasser und lassen Sie den Aufguss 20 Minuten unter gelegentlichem Umrühren stehen. Gießen Sie dann die Flüssigkeit ab ohne Sie auszupressen und erwärmen Sie diese leicht, bevor Sie sie trinken. Der Aufguss kann übrigens auch als Einlauf verwendet bei Darmkrämpfen oder Menstruationsbeschwerden Linderung verschaffen.
Äußerlich angewendet sind Breiumschläge mit Leinsamen ein wirksames Schmerzmittel bei Zahnschmerzen, Ischiasbeschwerden, Gicht und Rheuma, Bauchweh, Blasen- oder Nierenleiden.
Auch bei Leberschwellungen soll ein Umschlag hilfreich sein, wenngleich nicht klar ist, worauf die Wirkung zurückzuführen ist.
Leinsamen-Breiumschlag
Geben Sie den zerquetschten Leinsamen in ein Säckchen aus Mull und hängen Sie es etwa 10 Minuten in heißes Wasser. Dann legen Sie es so heiß wie möglich auf die schmerzende Stelle.
Leinsamen als natürliches Abführmittel
Bei chronischer Darmträgheit sind Leinsamen ein seit langem bekanntes und angewandtes natürliches Abführmittel.
Zerquetschte oder grob gemahlene Leinsamen, die mit viel Flüssigkeit eingenommen werden, quellen im Darm auf und dehnen ihn, wodurch die Darmbewegung angeregt wird. Werden frisch gemahlene Leinsamen verwendet, so unterstützt das Öl als Gleitmittel den Abführprozess.
Einschränkend ist jedoch in jüngster Vergangenheit gewarnt worden, dass beim Aufquellen im Darm Schleimanteile in Lösung gehen, die die Aufnahme bestimmter Nährstoffe im Darm erschweren. Insbesondere Kalium, Kalzium und Vitamine können dabei dem Körper verloren gehen. Deshalb lehnen kritische Stimmen eine Anwendung bei Verstopfung ab, besonders wenn sie eine langfristige und regelmäßige Einnahme von Leinsamen bedeutet. Sprechen Sie wie bei allen akuten oder chronischen Erkrankungen mit Ihrem Hausarzt über Möglichkeiten der natürlichen Behandlung.
Wertvolles Leinöl
In der Oberlausitz gibt es traditionell ein sehr einfaches, preiswertes und sehr schmackhaftes „Arme-Leute-Essen“: Kartoffeln, Leinöl und Quark. Das nussige, ganz leicht bitter schmeckende Leinöl ist hier besonders beliebt. Heute weiß man, dass die Menschen damit nicht nur ihrem Gaumen und ihrem Geldbeutel Genüge tun, sondern auch ihre Gesundheit unterstützen. Denn Leinöl enthält eine Kombination von Linol-Linolen-Fettsäuren, einer zweifach und einer dreifach ungesättigten Fettsäure, die die höchste bisher in Fettsäuren nachgewiesene Anzahl von Elektronen beinhaltet.
Dr. Johanna Budwig, Physikerin, Chemikerin und Pharmakologin hat sich jahrelang mit der Biochemie der Fette auseinandergesetzt. Bei ihren Forschungen kam sie zu dem Ergebnis, dass insbesondere in der Kombination der Linol-Linolen-Fettsäuren die elekrische Energie höher ist als bei allen anderen Fettsäuren.
Da diese Energie frei beweglich ist, kann sie leicht abgegeben und im Körper wirksam werden. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse entwickelte Johanna Budwig eine spezielle Öl-Eiweiß-Kost, mit der sie bereits zahlreiche, mitunter von der Schulmedizin als austherapiert geltende Krebspatienten geheilt hat. Auch vorbeugend rät sie als Öl bzw. auch als Brotaufstrich auf Leinöl umzusteigen.
Da dieses aber relativ schnell verdirbt, empfiehlt sie Oleolux, ein spezielles und sehr schmackhaftes Rezept für einen Brotaufstrich bzw. als Beigabe zu Gemüse.
Oleolux
Stellen Sie 125 ml Leinöl in das Kühlfach des Kühlschranks.
Erhitzen Sie 250 g Kokosfett (ungehärtet aus dem Reformhaus oder Bioladen) gemeinsam mit einer geviertelten mittelgroßen Zwiebel, bis die Zwiebel beginnt braun zu werden. Fügen Sie 10 Knoblauchzehen hinzu und erhitzen Sie weiter, bis diese sich hellbraun färben (ca. 3-5 Minuten).
Gießen Sie jetzt dieses Gemisch durch ein Sieb in das kalte Leinöl. Rühren Sie das Fett um und stellen Sie es sofort wieder in das Kühlfach. Nach dem vollständigen Erkalten können Sie es dann in den normalen Kühlschrank stellen und dort aufbewahren.
Die Omega-3-Fettsäuren im Leinöl haben, ähnlich wie im Fischöl, stark entzündungshemmende Eigenschaften. Neueste Forschungen haben außerdem ergeben, dass sie auch bei psychischen Störungen wirksam werden.
Sie erhöhen den Spiegel bestimmter Botenstoffe im Gehirn, wie beispielsweise Dopamin, und sorgen dafür, dass das Serotonin besser an die Rezeptoren andocken kann, was zu einem körperlichen und geistigen Wohl-fühleffekt führt.
Andrew Stoll, Direktor des pharmakologischen Forschungsinstituts in Belmonts/Massachusetts äußert sich dazu: „Ich weiß nicht genau, warum, aber Leinöl scheint ebenfalls antidepressiv und stimmungsstabi-lisierend zu wirken.“
Auch in der großen Buchinger-Klinik am Bodensee arbeitet man mit dem wertvollen Öl. „Das kommt morgens ins Müsli rein.“ sagt Chefkoch Hubert Hohler.
Ein Tipp auch für das eigene morgendliche Frühstücksmüsli.
Achten Sie aber darauf, dass die Herstellung des Leinöls unter Kaltpressung erfolgte, was bedeutet, dass es bei Temperaturen nicht höher als 45 Grad gepresst wird. Dabei werden die Vitamine und ungesättigten Fettsäuren geschont, Geschmack, Geruch und die typisch dunkelgelbe Farbe des Leinöls bleiben erhalten.
Leinöl bringt Ihnen also nicht nur ein (vielleicht) neues Geschmackserlebnis auf den Tisch, entgegen dem Schlankheitswahnsinn unserer Gesellschaft ist es ein Fett, dass Sie ausdrücklich zu sich nehmen dürfen.
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