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Naturel-Online.de, Bildschirmfoto vom Oktober 2004
Kontrovers diskutiert: Noni – Wundermittel oder Quacksalberei
Autor:Christiane Thomas (01.03.2004)

Noni: (lat. Morinda citrifolia)
Noni: (lat. Morinda citrifolia)
Wieder einmal wird ein Pflanzensaft unter Medizinern, Pharmakologen und Biochemikern kontrovers diskutiert. Noni heißt die umstrittene Pflanze und ähnlich wie vor Jahren Aloe Vera wird auch Noni von den einen als Wundermittel gehandelt, von den anderen als Quacksalberei verteufelt. Sich als medizinischer Laie ein objektives Bild zu machen ist nicht einfach, zumal die Informationsquellen inzwischen fast unüberschaubar geworden sind.

Zumindest über eines kann sich der europäische Noni-Begeisterte sicher sein: Seit Mitte vergangenen Jahres ist der Verkauf von Noni-Saft - zunächst einer antragstellenden Firma -nicht mehr illegal und der Verzehr damit auch nicht mehr „auf eigene Gefahr“. Da Noni-Produkte als „neuartige Lebensmittel im Sinne der EG-Verordnung Nr. 258/97“ eingestuft waren, mussten sie ein besonderes Zulassungsverfahren durchlaufen, um auf dem europäischen Markt angeboten werden zu können.

Inzwischen haben schon mehrere Firmen dieses Prüfverfahren erfolgreich durchlaufen und weitere werden folgen, denn der wissenschaftliche Ausschuss für Lebensmittel kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass der Verzehr der geprüften Noni-Produkte völlig unbedenklich ist.

Ein Fruchtsaft wie jeder andere auch?

Gleichzeitig weist der Ausschuss jedoch darauf hin, dass der geprüfte Noni-Saft „ein Fruchtsaft ist wie jeder andere auch“. Und in einer Mitteilung des schweizerischen Apothekerverbandes heißt es: „Noni-Produkte zeichnen sich nicht durch einen besonderen Ernährungszweck aus.
Wie andere Fruchtsäfte enthalten auch sie Mineralstoffe, Aminosäuren, Vitamin C und Bioflavonoide.“
Noni (lat. Morinda citrifolia) wächst am Rande der Regenwälder der französisch-polynesischen Insel. Die buschförmige Pflanze kann bis zu sechs Meter hoch werden, hat etwa 30x15 Zentimeter große, immergrüne Blätter und trägt ganzjährig Früchte. Ihre ursprüngliche Heimat liegt jedoch in Südostasien, von wo sie die Siedler mitbrachten, um sie auch in ihrer neuen Heimat zu züchten. Da sie so weit verbreitet ist, haben viele Regionen eigene Namen für diese Pflanze.
In Indien ist sie bekannt unter dem Namen „Indische Maulbeere“, in Tahiti als Nono, auf Samoa und Tonga als Nonu und in Australien findet man sie unter der Bezeichnung Cheese fruit. Die unreifen Früchte sind glasig-weiß und sehr nahrhaft. Da sie in diesem Zustand nicht so unangenehm riechen, werden sie unreif als Nahrungsmittel verwendet. Der Geruch der reifen Früchte schwankt in der Literatur zwischen seifig und nach alten Turnschuhen, ähnlich unappetitlich liest sich der Geschmack: faulig, nach altem Käse. In der traditionellen Heilkunde dieser Regionen werden alle Pflanzenteile verwendet, die reifen Früchte kocht man so lange, bis das Wasser zur Hälfte verdunstet ist und trinkt dann täglich ein halbes Glas des verbliebenen braunen Suds.


Für die Hersteller von Noni-Produkten, Noni-Liebhaber und -Überzeugte ist die Zulassung zum europäischen Markt natürlich ein Schritt vorwärts, aber längst nicht das Ziel. Die Verbraucher wollen nicht davon überzeugt sein, dass diese Produkte unbedenklich sind. Sie sollen vor allem davon überzeugt werden, dass in der Noni-Frucht eine einzigartige Kombination heilender Wirkstoffe steckt, die für eine Vielzahl von Krankheiten Linderung verspricht. Doch dabei können sich gerade Hersteller schnell wieder auf juristisches Glatteis begeben, denn eine Werbung mit gesundheitsbezogenen Aussagen zur Heilung und Linderung von Krankheiten ist nach dem Lebensmittelrecht verboten. Aufklären können wissenschaftliche Studien und darauf basierende Veröffentlichungen, werben kann vor allem auch der zufriedene Verbraucher über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Was steckt darin?

Seit reichlich 10 Jahren erforschen hauptsächlich amerikanische und japanische Wissenschaftler die bis dahin in der westlichen Welt unbeachtete Wildfrucht von den polynesischen Inseln. Unter den Inselbewohnern soll sie jedoch schon seit Jahrhunderten geschätzt sein und von den einheimischen Heilern, den Kahunas, bei zahlreichen Krankheiten angewendet werden. Dabei verwenden sie alle Teile der Pflanze, Samen, Blüten, Blätter, Rinde, Holz, Wurzel.

Die Liste der Inhaltsstoffe ist lang und variiert je nach Pflanzenteil, Erntezeit und Art der Verarbeitung. Außerdem finden sich in unterschiedlichen Untersuchungen teilweise abweichende Ergebnisse über Wirkstoffe und ihre Heilwirkung. Aus der Fülle von Inhaltsstoffen sollen hier einige wichtige und auch umstrittene Beispiele genannt werden:

Flavonoide: Sie liegen in allen Noni-Pflanzenteilen in unterschiedlicher Konzentration vor und entfalten ihre Wirkung in Gemeinschaft mit anderen Stoffen, die sie transportieren oder deren Wirkung sie unterstützen. So wirken Enzyme, Vitamine oder Hormone sehr viel nachhaltiger in Verbindung mit Flavonoiden.

Karotinoide: Sie sind eine Vorstufe von Vitamin A, einem fettlöslichen Vitamin, das für den Sehen, das Wachstum, die Fortpflanzung und die Schleimhäute wichtig ist und das Abwehrsystem stärkt. Karotinoide können Tumore an Lunge, Prostata und Harnblase und an den Verdauungs- organen vorbeugen.
In den Blättern von Noni fand man mehr als 12 % Karotinoide, eine sehr hohe Konzentration, die in Form einer Emulsion gut über die Haut aufgenommen werden kann.

Scopoletin: In zwei Studien wurde Scopoletin in den Früchten der Noni gefunden. Dieser Wirkstoff hat keim- und pilztötende Eigenschaften, wirkt blutdruck- senkend und entzündungshemmend, entspannend auf Herz, Bronchien und alle Muskeln, es ist krampflösend und schmerzlindernd.

Enzyme: Diese Proteine ermöglichen viele auf- und abbauende Prozesse im Körper, indem sie dafür sorgen, dass diese Reaktionen mit weniger Energieeinsatz und bei niedriger Temperatur ablaufen können. Der Körper kann Enzyme selbst bilden. Die Wirkstoffgemeinschaften in den Noni-Zubereitungen unterstützen jedoch die Produktion und Wirkung enzymatischer Prozesse im Körper.

Vitamin B-Komplexund Vitamin C:
Von dieser Gruppe sind bisher die Vitamine B1, B2 und B3 in Noni nachgewisen worden. Thiamin (B1) unterstützt die Funktionen des Nervensystems, Konzentration, Aufnahme- und Lernfähigkeit und wird beispielsweise bei der Behandlung von Reisekrankheiten, Angstzuständen und Prüfungsstress angewendet. Riboflavin (B2) ist gut für gesunde Haut, Nägel und Haar.
Es verbessert das Sehvermögen , unterstützt die Enzym- und Hormonsysteme sowie die Eisenverwertung. Vegetarier leiden häufig an Vitamin-B2-Mangel und können mit Noni dieses Defizit ausgleichen.
Vitamin B3 ist in Noni als Niazin nachgewiesen. Es hat eine beruhigende und ausgleichende Wirkung und wird häufig bei psychischen Störungen , Angstzuständen und Essstörungen angewendet.
Die Bedeutung von Vitamin C ist allgemein bekannt.
Wichtig ist besonders das Zusammenspiel mit Bioflavonoiden, wie es bei der Noni der Fall ist, da beide Wirkstoffe sich gegenseitig vor der Zerstörung durch Oxidation schützen und ihre Wirksamkeit gemeinsam erhöhen.

Mineralien und Spurenelemente:
Kalzium, Kalium, Magnesium, Selen können durch Noni dem Körper zugeführt werden, da er sie nicht selbst produzieren kann.

Ein sicher noch weiter zu untersuchender Wirkstoff der Noni ist das Proxeronin, ein Vorläufer des Alkaloids Xeronin, den Ralph R.M. Heinicke in den 70er Jahren entdeckte. Im nüchternen Zustand eingenommen, gelangt das Proxeronin bis in den Darm, wo es in das Enzym Xeronin umgewandelt wird. Dabei, so Heinicke, bindet es Serotonin und ist deshalb besonders wirkungsvoll bei Depressionen und Angstzuständen. Auch die positive Wirkung von Noni bei der Entwöhnung von Zigaretten, Alkohol oder Drogen kann hierin begründet sein. Das entstandene Xeronin wiederum soll eine wichtige Funktion bei der Regeneration der Zellen haben. Es schafft die Voraussetzungen, um Nährstoffe in die Zelle aufzunehmen und Schadstoffe abzuführen. Noni-Kritiker bezweifeln die Existenz dieses Enzyms und dessen Bedeutung für den menschlichen Organismus. Prof Neil Solomon, der sich als einer der ersten intensiv mit der Noni beschäftigte, bekräftigt die Notwendigkeit, an dieser Stelle weiter wissenschaftlich zu forschen.

Wofür ist es gut?

Aus den beschriebenen Wirkstoffen ergeben sich bereits zahlreiche Indikationen, bei denen Zubereitungen aus der Noni zur Anwendung kommen können. Nachfolgend noch einmal eine Übersicht, bei welchen Krankheiten oder Mangelerscheinungen Noni wirksam werden kann. Wichtig ist zu wissen, dass es bisher jedoch kaum wissenschaftlich fundierte Patientenstudien gibt, wohl aber zahlreiche Beobachtungen an Einzelfällen und Erfahrungen aus 2000 Jahren, in denen Noni angewendet wird.Positive Wirkungen der Noni wurden beobachtet:
• bei der Regeneration der Zellen, Arthritis
• bei rheumatischen Erkrankungen, Entzündungen und Allergien
• bei Bakterien-, Viren- oder Pilzbefall
• bei Schmerzen, auch Kopfschmerzen
• bei Herz-Kreislaufproblemen, Bluthochdruck
• bei Depressionen, Stressbewältigung, gestörtem Wach-Schlaf-Rhythmus und Gefühlsschwankungen
bei Essstörungen und Übergewicht
als Ernährungs-, Aufbau- und Stärkungsmittel

Noni und Krebs

Ein sensibles, weil brandaktuelles Thema ist die Frage, wie wirksam Noni bei Krebs sein kann. Übertrieben Aufmerksamkeit erregende Slogan und andererseits niederschmetternde Stimmen aus der konventionellen Medizin verunsichern den Patienten, der auch hier nach neuen Möglichkeiten sucht. Sicherlich ist auch Noni kein Wundermittel, wissenschaftliche Untersuchungen, bisher hauptsächlich an Tieren, haben jedoch gezeigt, dass Noni ein wirksames Mittel als Begleittherapie bei Krebs sein kann. Hervorzuheben ist dabei die Arbeit einer Forschungsgruppe um Anne Hirazumi von der Medizinischen Universität Hawaii. Dort wurden Mäuse, die an einem implantierten Lewis-Lungenkrebs litten, mit Noni gefüttert.
In Kombination mit geringen Dosen der Standart-Chemotherapie überlebten die Tiere mehr als doppelt so lange als die Kontrollgruppe. Verantwortlich für diesen Erfolg machte Hirazumi eine Stoffgemeinschaft Noni-PPT, die aus verschiedenen Fetten, Proteinen und Zuckern zusammengesetzt ist, notwendige Bausteine bei der Verbindung und Regeneration der Zellen. Sie beobachtete eine immunaktivierende und -modulierende Wirkung von Noni-PPT und schlussfolgert in ihrer Doktorarbeit, dass hier ein Zusammenhang zwischen der Hemmung des Tumorwachstums und der Aktivierung des Immunsystems bestehen muss.
Ein anderer für die Krebsforschung bedeutender Wirkstoff, der in Noni gefunden wurde, ist das Damnacanthal. Dieser Wirkstoff hemmt die ras-Funktion der Zellen, die für die Entstehung von Tumoren hauptverantwortlich ist. Damnacanthal bewirkt nach den Aussagen einer japanischen Forschungsgruppe, dass sich Krebszellen wie normale Zellen verhalten, was auch die Bereitschaft beinhaltet, sofort zu sterben, wenn eine Fehlfunktion auftritt. Krebszellen haben diese Bereitschaft, auch Apoptose genannt, weitestgehend verloren, was ihr ungebremstes Wachstum nach sich zieht. Damnacanthal konnte im Zellkulturversuch insbesondere vor einer UV-Lichttherapie den Zerstörungsgrad der Krebszellen steigern.
All diese Forschungen stecken gegenwärtig noch immer in den Kinderschuhen und neue Ergebnisse werden erwartet. Anne Hirazumi beendete ihre Doktorarbeit mit den Worten: „Obwohl das uralte medizinische Wissen über die Noni-Pflanze seit etwa 2000 Jahren in der Welt bekannt ist, bleiben die Wirkungen dieser Pflanze in den meisten Bereichen ein Mysterium.“ Beobachtungen an Patienten, die Noni als Therapie oder therapiebegleitend einnahmen, unterstreichen jedoch das alte Wissen über diese Pflanze.
Bei einer Studie von Dr. Solomon an 8000 Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern verbesserte sich bei 6240 Patienten das Allgemeinbefinden deutlich bei einer zusätzlichen Einnahme von Noni. Besonders häufig äußerten sie sich positiv über die schmerzstillende Wirkung.
Die Dosis verordneter Medikamente und deren Nebenwirkungen konnten durch die Begleitung mit Noni reduziert werden.
Wie bei vielen pflanzlichen Präparaten sollte auch die Einnahme von Noni immer über einen längeren Zeitraum erfolgen.
Hersteller empfehlen oft eine Einnahme von etwa 15 ml Fruchtsaft zwei mal am Tag. Achten Sie beim Kauf auf die Konzentration von Noni im Saft, da dieser aufgrund seines unangenehmen Geschmacks immer mit anderen Fruchtsäften gemischt ist.
Der Noni-Anteil sollte mindestens 90% sein, alle anderen Zusätze sollten deklariert werden. Wollen Sie Therapien mit Noni unterstützen, so sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem behandelnden Arzt darüber.
Welche Bedeutung Noni in Zukunft für unsere Gesundheit haben wird, ob es sich, wie Noni-Kritiker behaupten, um eine kurzlebige Erscheinung oder um ein gefragtes Heilmittel handelt, das werden letztendlich die Verbraucher selbst entscheiden. Ihre Zufriedenheit oder Ablehnung wird die Nachfrage regeln. Entscheidungshilfen geben sicherlich noch weitere Forschungen zu dieser besonderen Frucht.

Lit.:Claus-Peter Leonhardt:
Noni - Die Frucht des Indischen Maulbeerbaums
Goldmann-Verlag

Dr. Neil Solomon:
Island Noni.
Pleasant Grove 1998

Matthias, M. Werner:
NONI „Das Handbuch für Anwender, Ärzte und Heilpraktiker“,
Book on Demand 2000


Autor:Christiane Thomas (01.03.2004)

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