Im frühen Christentum wird dieser Übergangsritus vermutlich noch nicht gefeiert. Erstes und wichtigstes Ritual war damals (wie auch heute) die Taufe, die das Kind unter den Segen Gottes stellte. Auch in der Bibel findet sich kein Hinweis darauf, Jugendliche an der Schwelle zum Erwachsenwerden mit einem Übergangsritus zu begleiten. Vermutlich erst im frühen Mittelalter des 8.-10. Jahrhunderts gibt es erste Bestrebungen die Taufe im Säuglingsalter mit einer weiteren rituellen Handlung im Jugendalter zu ergänzen. Luther und andere Reformatoren trieben während der Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts diese Bemühungen voran, denn sie legten großen Wert darauf, den Besuch des Abendmahls der Kinder zu regeln. Daher ließ Luther die Kinder vor dem ersten Abendmahl im Katechismus (Abriss der christlichen Glaubenslehre) unterrichten und als Abschluss ein Examen ablegen, das möglicherweise mit einer Zulassungsformel und dem Handauflegen beendet wurde – der Kern der späteren Konfirmation. Einen weiteren Anstoß für eine solche Feier gab in dieser Zeit die sog. Wiedertäuferbewegung, die die Kindertaufe ablehnte, da ihnen ein bewusstes Bekenntnis zum Glauben fehlte. Der Straßburger Reformator Martin Bucer führte daher in seinem Kirchengebiet, in dem es sehr viele Wiedertäufer gab, eine Konfir-mationsfeier ein. (Konfirmation: lat. Befestigung) Ein mal im Jahr nahm die Abendmahlsgemeinde einen Jahrgang Jugendlicher in ihre Mitte auf. Die jungen Christen sprachen das Glaubens- bekenntnis und wurden auf die Kirchenordnung verpflichtet, der Pfarrer legte ihnen die Hände auf und gab ihnen so seinen Segen. Mit diesem Akt wollte Bucer die Kindstaufe vervollständigen und so die Kritikpunkte der Wiedertäufer entkräften. In den eigen Reihen stieß dieses Vorgehen nicht überall auf Zustimmung, konnte sich letztendlich aber bis heute durchsetzen. Möglicherweise spielt dabei das Bedürfnis der Jugendlichen nach einem solchen Ritual in diesem wichtigen Lebensabschnitt eine nicht unwesentliche Rolle. Jedenfalls wurde ein Zusammenhang zwischen der Konfirmationsfeier und einem Loslösungsprozess der Jugendlichen beim Übergang vom Kindsein zum Erwachsenwerden immer deutlicher. So war im 17. Jahrhundert die Konfirmationsfeier immer mit der Entlassung aus der Schule verbunden, und seit dieser Zeit empfinden die Jugendlichen ihr persönliches und bewusstes Bekenntnis zum Glauben auch verstärkt als eine Erklärung zur Mündigkeit.
Die Segnung durch den Pfarrer gibt ihnen andererseits die Sicherheit, von Gott auf ihrem neuen Lebensabschnitt geleitet zu werden. Dies entspricht auch dem Wunsch der Eltern des Konfirmanden, die den Prozess des Loslösens ihres Kindes ebenso und manchmal recht schmerzlich erfahren.
„ Im Konfirmationsgottesdienst hat es mich sehr berührt, unsere Tochter mit den anderen Konfirmanden und Konfirmandinnen, der Pfarrerin und den Ältesten in einiger Entfernung an uns vorbei zu ihren Plätzen in der Kirche einziehen zu sehen. Mehrmals im Gottesdienst hatte ich mit den Tränen zu kämpfen und sah das auch bei anderen Eltern. Es war so eine Mischung aus Stolz und Freude über dieses Kind und auch ein bisschen Trauer über die größer werdende Entfernung zwischen uns, auch ein Bewusstwerden: Dieses Kind ist groß geworden. Es war so augenfällig, dass diese jungen Erwachsenen nicht mehr zu den Eltern gehören.“
(Barbara Köhrmann)
Die Eltern bekommen an diesem Tage die Zusicherung, dass ihre Kinder auch dann begleitet werden, wenn ihr eigener Einfluss begrenzt ist.
Befragt man heute Jugendliche nach ihrer Motivation an der Konfirmation teilzunehmen, so spielt gerade der Aspekt, den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt feierlich zu begehen, eine wesentliche Rolle. Da immer weniger Jugendliche die Voraussetzung für eine Konfirmation haben, bieten einige Kirchgemeinden diesen Jugendlichen ein eigenständiges Ritual an. In der besonderen Atmosphäre der Kirchen, vorbereitet und durchgeführt durch den Pfarrer können auch Jugendliche, die nicht der christlichen Gemeinde angehören, eine feierliche Übergangshandlung erfahren und spüren, dass an diesem Tag etwas ganz besonderes, einzigartiges mit ihnen geschieht.
Ein Tag ist in dem langen Prozess des Erwachsenwerdens nur ein kleiner Baustein. Dieser Tag jedoch - die Protestanten nennen ihn Konfirmation, die Katholiken Firmung, andere Jugendweihe oder Maiglöckchenfest - verdichtet und symbolisiert ihn mit der Kraft eines Rituals.
Literatur
Domay, Starck:
Konfirmation, Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn