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Naturel-Online.de, Bildschirmfoto vom Oktober 2004
Klassisch und modern zugleich – Teil 4: Was heißt das – naturgemäß essen?
Autor:Sivio Balsukat, Dr. Josef Rudolf Noswitz (26.01.2004)

Ernährung ist eine wichtige Säule in einer naturgemäßen, die Gesundheit stärkenden Lebensführung, gemeinsam mit einer positiven psychischen Einstellung, mit Entspannung, Bewegung, Hautpflege durch Wasser, Luft und Licht, im maßvollen Umgang mit Genussmitteln. Und gerade auch auf dem Gebiet der Ernährung liegt in unserem Lande vieles im Argen. So ungefähr lässt sich die Botschaft der Medien umreißen, wie sie uns Woche für Woche aus „Gesundheitssendungen“ und auf „Gesundheitsseiten“ wohl vertraut ist: Von viel zu viel Fleisch und Fett, Kochsalz und Zucker und viel zu viel an Körpergewicht lesen wir da, im Hintergrund lauern Bluthochdruck, Arterienverkalkung, Infarkt und Insult, Diabetes und Leberzirrhose. Ein wahrer Irrgarten unterschiedlicher Ernährungssysteme, fachlicher Standpunkte, Diäten und „garantiert wirksamer“ Nahrungsergänzungsmittel lädt – natürlich gegen gutes Geld – die ziemlich ratlosen Leser ein. Welchen Beitrag hat eine naturgemäße Lebensführung anzubieten?

Der Standpunkt der klassischen Naturheilkunde

Zunächst eine etwas beruhigende Klarheit: Im Gesamtkomplex naturgemäßer, die Gesundheit stärkender Lebensführung ist die Ernährung ein wichtiger, aber keineswegs der einzige Verhaltensbereich.
Aus Teil 1 dieser Serie wissen wir bereits, das sich „Risikofaktoren“ und schützende („protektive“) Faktoren in unserem Verhalten in ihrer gesundheitlichen Wirkung wechselseitig ergänzen und verstärken.

Wir können und sollten die Sache mit einer gewissen verständigen Ruhe angehen. Im Zusammenhang mit positiver psychischer Einstellung, mit Entspannung, Bewegung, Hautpflege durch Wasser, Luft und Licht, mit maßvollem Umgang mit Genussmitteln sollten wir uns um eine ganzheitliche naturgemäße und möglichst naturnahe Ernährung bemühen, dann wird diese ein wertvoller Faktor bei der Kräftigung unserer Gesundheit sein.

Die klassische Naturheilkunde verhält sich auch in diesem Verhaltensbereich entsprechend ihren Merkmalen:

Sie traut der Selbstregulation des Organismus (der „Selbstheilungskraft“) etwas zu, sie betrachtet die Ernährung als eine wirkungsvolle Säule in der Vorbeugung und zur Unterstützung bei der Behandlung von Erkrankungen.
Sie sieht die Nahrung als eine natürliche Ganzheit, die im Rahmen ihres „Vollwertes“ alle lebenswichtigen Nähr- und Ergänzungsstoffe in ausgewogenen Proportionen umfasst und dabei den Produkten einer ökologisch orientierten Landwirtschaft den Vorzug einräumt.

Die klassische Naturheilkunde erstrebt in der Ernährung das Natürliche und sucht es so weit wie möglich in einem naturnahen Zustand zu erhalten. Als Beispiel aus dem Bereich der Ergänzungsstoffe: Vitamine aus natürlichen Nahrungskomplexen, etwa aus einer Gemüsesorte oder aus dem vollen Korn, zieht sie, wo es machbar ist, chemisch verarbeiteten Präparaten vor, und sie behandelt die Nahrungsmittel bei der Zubereitung so schonend, dass ein möglichst großer Teil der natürlichen Vitamine erhalten bleibt.

Nach diesen Überlegungen dürfen wir naturgemäße Ernährung als eine möglichst natürliche und naturbelassene Vollkost kennzeichnen, die dem tatsächlichen Energieverbrauch angemessen und weitgehend frei von Risikofaktoren ist.
Damit vermeidet sie die am Anfang angedeuteten Ernährungsfehler, sie unterstützt die Vorbeugung und Behandlung der meisten Krankheiten, und zwar nicht nur der vordergründig ernährungsbedingten.

Zum Vollwert der Nahrung in naturheilkundlicher Sicht

In diesem Rahmen kann es nicht Aufgabe sein, die heute verbreitete Ernährungslehre zu wiederholen -in diese haben in neuerer Zeit nicht wenige naturheilkundliche Erkenntnisse Eingang gefunden, wie z.B. zum Eiweißbedarf oder zur Fettfrage. Vielmehr sollen zu einzelnen Gruppen von Nähr- und Ergänzungsstoffen klassisch-naturheilkundliche Akzente gesetzt werden:

Der Eiweißbedarf wird in der natur- heilkundlichen Ernährung deutlich niedriger angesetzt (0,6 – 0,8 g/kg Körpergewicht), als er früheren Empfehlungen und verbreiteter Ernährungspraxis (infolge übersteigerten Fleischgenusses) entspricht.

Bei den Fetten gibt die Naturheilkunde nach wie vor denen mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren (vorwiegend pflanzlicher Herkunft) den Vorzug, bei Begrenzung der Gesamtfette gegenüber den heutigen Essgewohnheiten.

Unter den Kohlenhydraten orientiert die Naturheilkunde vor allem auf Stärke, wie sie in Getreide, Kartoffeln und Gemüse enthalten ist, weil durch deren Verarbeitung in den Verdauungsorganen ein zu starker Blutzuckeranstieg vermieden wird.
Der in Obst enthaltene Zucker ist als schneller Energielieferant wertvoll, während raffinierter Zucker und aus diesem hergestellte Süßwaren erheblich eingeschränkt werden sollten.

Bei den Richtwerten für die Vitamin- und Mineralstoff-Versorgung strebt die Naturheilkunde an, verstärkt natürliche Nahrungsmittelkomplexe in die Versorgung einzubeziehen (wie z.B. Gemüse, Obst, volles Korn, Milch).

Ferner legt die klassische Naturheilkunde gesteigerten Wert auf eine ausreichende Menge an Ballaststoffen, die die Darmtätigkeit und den Stuhlgang ganz natürlich regulieren (wenigstens 30 g täglich, z.B. in Haferkleie-Flocken), und auf frisches Wasser sowie Kräutertee als naturnahe Getränke.

Kennzeichnend für die naturheil-kundliche Ernährung ist schließlich ein deutlich maßvoller Gebrauch von Kochsalz, das häufig im Übermaß verwendet wird und zu erhöhtem Blutdruck beiträgt. Es sollte durch schmackhaftes, nicht zu scharfes Würzen abgelöst werden.

Ein paar Schritte zur Praxis

Einige ganz einfache, einprägsame Merksätze vom Einkauf bis zur Zubereitung können eine gute „Gedächtnisstütze“ sein:

Achten Sie schon beim Einkauf auf den Vollwert aus naturheilkundlicher Sicht. Wo die Auswahl besteht, bevorzugen Sie Lebensmittel aus biologischem Landbau und mit möglichst wenig Zusatzstoffen.

Essen Sie reichlich Gemüse und Obst, wenigstens teilweise als Rohkost! Bei der Rohkost achten Sie auf hygienisch einwandfreie Herkunft und reinigen Sie sorgfältig! Denken Sie auch an Gemüse- und Obstsäfte ohne Zuckerzusatz. Gemüse-sorten wie Broccoli, Tomaten, Karotten, Zwiebeln, Knoblauch enthalten in hohem Maße arzneilich wirkende Schutzstoffe.

Einer hochwertigen Eiweiß- und Mineralstoff-Versorgung dienen täglich fettarme, am besten entrahmte Milch und möglichst fettarme Milchprodukte: Frische Milch, Sauermilch, Frischquark, Frischkäse.

Essen Sie reichlich Vollkornbrot und Vollkornerzeugnisse: Vollkornschrot, Vollkornflocken, Vollreis, Hirse, als Frühstücksgericht Bircher-Benner-Müsli oder Vollkornflocken mit frischem Obst und frischer Milch.

Beschränken Sie den Verbrauch von Fleisch, von Fett, ganz besonders von tierischen Fetten, von Kochsalz und Zucker. Hier gilt: „Weniger ist mehr!“. Achten Sie auf „versteckte“ Fette in Fleisch, Soßen, süßem Gebäck! Das Gesamtfett sollte 70 – 80 g pro Tag nicht übersteigen. Orientieren Sie sich auf Fette mit ungesättigten Fettsäuren, auch aus Olivenöl. Ersetzten Sie Kochsalz durch frische Kräuter, Zitrone, Meerrettich, Rohzwiebel, Knoblauch, Gewürze. An Stellt des Fleisches kann es öfters auch Fisch sein, z.B. Kabeljau, Lachs oder Hering.

Achten Sie auf schonende Zubereitung, die die Wirkstoffe nach Möglichkeit erhält: Frischobst und rohes Gemüse nicht zerkleinert stehen lassen, geschälte Kartoffeln und vorbereitetes Gemüse nicht in Wasser stehen- und auslaugen lassen. Lebensmittel schonend garen, dämpfen, dünsten. Aufwerten der Gerichte durch wirkstoffreiche Zusätze wie Rohgemüse der Frischkost-Vorspeisen.

Last, not least: Achten Sie auf sachgerechte Lagerung der Lebensmittel. Auch im Kühlschrank halten sie nicht ewig!

Und nun: „Guten Appetit!“.
Essen Sie ruhig, ohne Hast und in kulturvollem Rahmen – denn Auge und Sinne „essen mit“.

Von „bekennenden“ und „praktischen“ Vegetariern

Eine Kostform, die klassischnatur-heilkundlicher Ernährung sehr nahe kommt, ist der Vegetarismus, der reine Pflanzenkost mit Milch und gegebenenfalls auch mit maßvollem Genuss von Hühnereiern verbindet.
Manche Vegetarier sind zu der Überzeugung gekommen, dass ihnen diese Ernährungsform voll entspricht, dass sie sich wohlfühlen und voll leistungsfähig sind. Aber nicht alle, die überwiegend Pflanzenkost bevorzugen, sind derartige „bekennende“ Vegetarier. Viele, die nach einer gesundheitsstärkenden Lebensführung streben, orientieren sich aus freien Stücken am Vegetarismus ohne „grundsätzlich“ auf gelegentliche geringe Fleisch- oder Fischbeilagen zu verzichten. Sie könnte man als „praktische“ Vegetarier bezeichnen, die mit dieser Ernährungsweise ihrer Gesundheit ganz bestimmt einen guten Dienst erweisen. Eigentlich ist es überraschend, wie sehr die vegetarische Ernährungsweise – die meist generell mit einem gesundheits- und leistungsorientierten Lebensstil verbunden wird – in der öffentlichen Meinung „angekommen“ ist.
Kaum einer ist verwundert, wenn ein Gast im Restaurant ein fleischloses Gericht bestellt und sich damit als Vegetarier zu erkennen gibt, und immer mehr Menschen tun es ihm nach.
Wer Lust an einem gesundheits- und naturorientierten Lebensstil empfindet, kann es ja mal probieren.


Autoren
Sivio Balsukat – Gesundheitstrainer
Dr. Josef Rudolf Noswitz – Fachberater für Gesundheitserziehung

Literaturhinweise
Schmiedel, Volker, u. Matthias Augustin, Handbuch Naturheilkunde, Verlag Haug, Heidelberg 1997
Schmiedel, Volker, Naturheilkunde kurz und bündig, Verlag Haug, Stuttgart 2003
Schmiedel, Volker, Ernährungsmedizin in der Naturheilkunde, Verlag Urban und Fischer

Autor:Sivio Balsukat, Dr. Josef Rudolf Noswitz (26.01.2004)

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