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Johanniskraut
Autor:Christiane Thomas (01.12.2003)

Naturkraft für Wohlbefinden, seelisches Gleichgewicht und mehr

Überall an Wegrändern, auf Wiesen und in Wäldern kann man sie im Sommer entdecken, die leuchtendgelben Blüten des Johanniskrautes. Mit dieser anspruchslosen Pflanze schenkt uns die Natur eine sehr vielfältig einsetzbare Heilkraft, die die Menschen schon seit der Antike zu nutzen wissen. In jüngster Vergangenheit ist das Kraut ob seiner wissenschaftlich nachgewiesenen Wirkung bei psychischen Störungen populär geworden. Doch sein Wirkungskreis geht weit darüber hinaus.

Johanniskraut: So blüht das heilsame Kraut.
Johanniskraut: So blüht das heilsame Kraut.

Die Sage berichtet, dass der Teufel eines Tages hinter einer Jungfrau her war. Diese flüchtete sich in ein Johanniskrautfeld und versteckte sich unter den buschigen Pflanzen. Um sie zu finden, durchlöcherte der Teufel mit einer Nadel die Blätter der Pflanze. Die Jungfrau im Schutz des Johanniskrautes fand er dennoch nicht. Die Menschen jedoch bekamen so eine anschauliche Erklärung für die perforierten Blätter der Pflanze, die tatsächlich wie durchlöchert wirken. In den nur scheinbar durchsichtigen Stellen befinden sich die Aromaporen des ätherischen Öls. Überliefert ist auch der Brauch der Germanen, die ihre Altäre zur Sonnenwendfeier mit Johanneskraut schmückten und Kränze daraus flochten, mit denen sie dann um das Johannisfeuer tanzten. Vermutlich aus dieser Zeit hielt sich hartnäckig der Glaube, dass die Heilpflanze ausschließlich am Ende des Johannistages zwischen Mitternacht und ein Uhr geerntet werden dürfe, da ihre Heilkraft dann am stärksten, wenig später jedoch vollständig erloschen sein soll. Heute weiß man, dass die Blütezeit der Pflanze oft mit dem Johannistag, dem 24. Juni, beginnt, und bis Anfang September kann die ganze Pflanze einschließlich der Blüten möglichst bei zunehmendem Mond geerntet werden. Die Stängel werden zu kleinen Sträußen zusammengebunden und in einem luftigen, abgedunkelten und nicht zu warmen Raum getrocknet. Ebenso sollten die getrockneten Pflanzen lichtgeschützt aufbewahrt werden, beispielsweise in einem braunen Glas.


Einblicke in die Pflanze

Die Wirkstoffe, die das Johanniskraut so wertvoll machen, sind heute wissenschaftlich gut erforscht. Der wichtigste Inhaltsstoff ist das Hyperizin. Es sorgt für eine ausreichende Menge an Dopamin im Gehirn, das wiederum erregungshemmende Eigenschaften besitzt. Hyperizin hat des weiteren Einfluss auf unsere Lichtempfindlichkeit. Als eine Art „Restlichtverstärker“ ist es in der Lage, gerade in den lichtärmeren Monaten den gestörten Tag-Nacht-Rhythmus in ein Gleichgewicht zu bringen.

Neben dem Hyperizin besitzt das Johanniskraut eine Reihe von Bioflavonoiden, hauptsächlich Querzitin und Querzitrin, die dafür sorgen, dass die Aktivitäten des Glücklichmachers Serotonin nicht gehemmt werden. Serotonin verhilft dem Körper zu Wohlbefinden, Zufriedenheit und einem angenehmen Sättigungsgefühl. In höheren Dosen wirkt es Angstgefühlen, depressiven Stimmungen und akuten Schmerzen entgegen. Querzitin und Querzitrin spielen ebenso im Bereich der Krebsvorbeugung eine wichtige Rolle, da sie das Tumor-Wachstum begünstigende Substanzen hemmen. Außerdem wirken sie der Ausbreitung von Viren entgegen, was den prophylaktischen Einsatz von Johanniskrauttee bei Herpesinfektionen oder auch bei ganz banalem Schnupfen oder anderen Erkältungskrankheiten erklärt.

Ein weitere wichtiger Wirkstoff, der allerdings sehr empfindlich und daher nur im Johanniskrautöl zu finden ist, ist das Hyperforin. Seine keimtötenden Eigenschaften kann man bei den verschiedensten Erkrankungen und Verletzungen der Haut nutzen.
Die ätherischen Öle der Pflanze wirken kühlend und schmerzlindernd. Sie sind daher bestens geeignet bei der Behandlung von Sportverletzungen und sollten in keiner Sporttasche fehlen.

Johanniskrauttee wird auch als Gerbstoffdroge bezeichnet, da diese Stoffe so reichlich enthalten sind. Gerbstoffe können bei Herzproblemen helfen, da sie die Durchblutung des Herzmuskels steigern. Immer in Absprache mit dem Arzt kann Johanniskraut zur Verbesserung der Herztätigkeit angewendet werden.


Erste Hilfe für die Seele

Gerade in Herbst- und Wintermonaten leiden viele Menschen verstärkt unter Schlafstörungen und Müdigkeit, ihre Stimmung ist am Boden. Ein Grund dafür kann der jahreszeitlich bedingte Lichtmangel sein. Die Tage werden deutlich kürzer, die Sonneneinstrahlung geringer. Das Sonnenlicht hat einen sehr umfangreichen Einfluss auf den menschlichen Organismus, und nicht immer gelingt es dem Körper von selbst, die fehlende Sonnenaktivität auszugleichen. Eine mögliche Folge ist die sog. „Winterdepression“, da das Sonnenlicht einen direkten Einfluss hat auf die Produktion der „Glückshormone“ Serotonin und Melatonin. Hier können die als „Restlichtverstärker“ bezeichneten Eigenschaften des Hyperizins aus dem Johannis-kraut Linderung verschaffen, denn sie helfen dem Körper, bereits geringste Lichtmengen optimal auszunutzen.

Trinken Sie je eine Tasse Johanniskrauttee morgens und abends über einen längeren Zeitraum, mindestens sechs Wochen. Der Tee kann heiß oder kalt aufgegossen werden. Ein Aufguss mit kaltem Wasser erzielt bei manchen Menschen eine schnellere Wirkung und enthält wesentlich weniger Gerbstoffe als ein Heißaufguss. Dieser ist daher vor allem bei einer angestrebten Wirkung auf den Herzmuskel zu empfehlen und schmeckt außerdem besser. Übergießen Sie in einer großen Tasse zwei Teelöffel des getrockneten Krautes mit siedendem Wasser und lassen Sie den Sud 10 Minuten zugedeckt ziehen. Für einen Kalt-aufguss bringen Sie dieselbe Menge kaltes Wasser zusammen mit dem Kraut zum Sieden, und gießen den Tee nach fünf Minuten ab.


Wichtig für den Erfolg der Behandlung ist gerade in den Herbst- und Wintermonaten der tägliche Aufenthalt im Freien, natürlich bei Tageslicht, um zumindest das wenige Licht für unseren Körper und unsere Seele nutzbar zu machen.
Auch echte Depressionen und Wechseljahresbeschwerden können mit Johanniskrautpräparaten behandelt werden. Vorsicht ist jedoch bei Fällen von schwerer Depression geboten. „Angesichts des Suizidrisikos kann eine Selbstbehandlung der Depression schwer wiegende Folgen haben“, warnt Prof. Hegerl von der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er empfiehlt Betroffenen und ihren Angehörigen, unbedingt einen Arzt in Anspruch zu nehmen. Auch von der zusätzlichen Einnahme von Johannis-krautpräparaten zu Antidepressiva rät er ab, da nach neuesten Erkenntnissen Wechselwirkungen zwischen den Mitteln nicht ausgeschlossen sind. „Betroffene Patienten sollten die Therapie-Möglichkeiten offen mit ihrem Arzt besprechen“, so Hegerl.


Verletzung von Haut, Muskeln und Knochen

Johanniskrautöl ist aufgrund seiner kühlenden, desinfizierenden und schmerzlindernden Eigenschaften ein wirksames Mittel bei offenen Verletzungen, Entzündungen und Sportverletzungen. Dazu zählen u.a. Blutergüsse, Muskelzerrungen, Prellungen, Quetschungen und Verstauchungen sowie eitrige Hautpickel, kleinere Stichwunden, Hautblasen, Schürfwunden und Verbrennungen. Johanniskrautöl kann bei Sportverletzungen auch als Ersatz dienen, wenn eine Kühlung des verletzten Gelenks durch Eis oder Wasser nicht möglich ist.

Tränken Sie ein Tuch mit Johanniskrautöl und lassen Sie es etwa eine Stunde auf der betreffenden Stelle liegen. Oder Sie bestreichen die Verletzung vorsichtig und ohne Druck direkt mit dem Öl. Wiederholen Sie den Vorgang gegebenenfalls mehrmals täglich.



Anwendungen mit Johanniskrauttinktur

Die mit 70prozentigem Alkohol hergestellte Johanniskrauttinktur ist ein wirksames Mittel insbesondere bei Problemen im Magen-Darm-Bereich. Besonders erfolgversprechend ist die Behandlung mit Johanniskrauttinktur bei Spul- und Fadenwürmern im Darm, evtl. kombiniert mit einer auf Möhren basierenden Fastenkur.

Nehmen Sie zwei bis drei mal täglich jeweils zu den Mahlzeiten acht bis zehn Tropfen Johannis-krauttinktur ein. Die Behandlung sollte mindestens zwei, höchstens jedoch vier Wochen andauern. Bei Durchfall- und Magenbeschwerden, besonders wenn sie psychisch oder stressbedingt auftreten, ist Johanniskrauttee oder eine Teemischung aus Johanniskraut und Pfefferminze empfehlenswert. Trinken Sie drei mal täglich eine Tasse Tee mindesten für die Dauer von drei Tagen oder bis die Beschwerden abgeklungen sind.


Äußerlich angewendet ist die Tinktur ein hervorragendes Mittel bei eitrigen Hautirritationen wie Pickel und Furunkel. Dazu wird die auf einen Wattebausch geträufelte Tinktur direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen.
Aufgrund ihres Alkoholgehaltes ist Johanniskrauttinktur nicht geeignet zur innerlichen Anwendung bei Kindern oder Alkoholkranken sowie zum Auftragen auf offene Wunden.


Im Handel

Im Handel – und das bedeutet nicht nur in den Apotheken - wird ein breites Spektrum an Fertigpräparaten aus Johanniskraut angeboten, nicht nur als Tee, Öl oder Tinktur, sondern auch in Form von Kapseln, in den sich Johanniskrautpulver befindet. Das Pulver ist reich an krebshemmenden und stimmungsaufhellenden Flavonoiden und zudem sehr konzentriert und damit schnell wirksam. Es ist daher ein wirkungsvolles Mittel bei einem Stimmungstief. Achten Sie beim Kauf immer auf die Dosierungsempfeh-lungen auf dem Beipackzettel sowie auf eventuell enthaltene überflüssige Farbstoffe oder Geschmacksverstärker.
Generell ist es wichtig, starke und langanhaltende Probleme niemals ausschließlich selbst therapieren zu wollen.
Konsultieren Sie Ihren Hausarzt oder einen Facharzt und sprechen Sie mit ihm über Möglichkeiten, Ihre Beschwerden mit der natürlichen Heilkraft des Johanniskrautes zu lindern.

Literatur:
Sven-Jörg Buslau und Corinna Hembd: Johanniskraut, Heyne-Verl. München 1998
Dr. Jörg Zittlau: Lebensfreude und Gesundheit durch Johanniskraut, Südwest Verlag 1997

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Autor:Christiane Thomas (01.12.2003)

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