Bei weiteren Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass sich Männer wesentlich zufriedener über ihre Partnerschaft äußern als Frauen. Darüber hinaus weisen berufstätige Mütter erheblich mehr Stresssymptome auf als ihre Männer.
Vor allem in den letzten 50 Jahren hat sich durch den Einzug der Frauen ins Wirtschaftsleben eine Revolution im partnerschaftlichen und familiären Leben vollzogen. Bei vielen Männern ist das aber noch nicht angekommen und sie verteidigen bewusst oder unbewusst das patriarchalische Erbe. Das ist problematisch: Denn wenn Männer sich nicht mit den neuen Gegebenheiten und den damit verbundenen Forderungen der Frauen aktiv auseinandersetzen, kommt es zwangsläufig zu Konflikten, an deren Ende oft die Trennung der Partner steht. Von der Fähigkeit, Konflikte im Gespräch zu lösen und neue Formen des Zusammenlebens zu wagen, hängt künftig mehr denn je der Fortbestand vieler Beziehungen ab.
Die Ehe als Liebesgemeinschaft gibt es noch nicht lange. In der vorindustriellen Zeit lebten die Ehepartner nicht für sich, sondern eingebunden in eine Großfamilie. Der persönliche Gesprächskontakt der Eheleute war auf ein Minimum beschränkt. Frauen erwarteten nicht, dass ihre Männer ihnen zuhörten oder gar auf ihre Gefühle eingingen. Sie tauschten sich vor allem mit Frauen aus, Männer hauptsächlich mit Männern. „Das Konzept von Partnerschaft hat sich vor allem in den letzten 50 Jahren grundlegend verändert. In diesem Bereich hat wirklich eine Revolution stattgefunden. Frauen erwarten jetzt von ihren Männern Gespräch, Kontakt und Verständnis. Viele Männer tragen aber noch immer das Konzept der Großfamilie in sich, in dem sie sich für die emotionalen Belange ihrer Frau nicht zuständig fühlten und sich deshalb auch nicht dafür interessierten.“
Wenn man sich bewusst macht, wie lange die patriarchale Einstellung die Auffassung von Ehe bestimmt hat, und wie neu im Verhältnis dazu die Struktur der gleichberechtigten Partnerschaft ist, dann wird klar, warum so viele Paare Schwierigkeiten miteinander haben. Dieser Weg von der einen Form zur anderen ist mühsam und verlangt Lernbereitschaft. Männer sehen nach wie vor ihre Aufgabe vor allem darin, die Familie äußerlich zu versorgen, einen sicheren „Rahmen“ zu schaffen. Sie sind der festen Überzeugung damit ihren wichtigsten Beitrag für die Familie zu leisten. Die Frauen aber wollen mehr. Liebe, Austausch, Interesse, Verständnis, Mitgefühl und eine gerechte Aufteilung der anfallenden Arbeiten. Doch woher sollen die Männer wissen, wie eine gleichberechtigte Partnerschaft funktioniert? Von wem sollten sie es lernen?
Um eine liebevolle Beziehung aufzubauen, ist es unverzichtbar, sich für das „Innenleben“ des anderen zu interessieren. Wenn beide Partner sich bemühen, dem anderen wirklich zuzuhören, und wenn sie bereit sind, sich in die oft so andersartige Welt des Partners führen zu lassen, ergeben sich meist ganz von selbst Brücken zum gegenseitigen Verständnis.
Und noch ein zweiter Wandel vollzieht sich derzeit: Wir Frauen haben laut nach Emanzipation gerufen und es ist uns auch oft gelungen unseren „Mann“ in der Wirtschaft zu stehen. Stellenweise ist das Pendel extrem in diese Richtung ausgeschlagen. Wir haben versucht, Karriere, Kindererziehung, Haushalt und Partnerschaft unter einen Hut zu bringen. Viele der Frauen haben bei einem Vollzeitjob damit ihre Belastungsgrenze überschritten. Es ist gut, dass wir Frauen die Möglichkeit haben, genauso wie die Männer in Chefetagen zu arbeiten - wenn wir das wirklich wollen. Die Zeit ist gekommen, in der das Pendel wieder zu seiner Mitte finden darf. Als Frauen sollten wir nicht vergessen, unsere eigene Weiblichkeit zu leben, weil Mann und Frau nun einmal den männlichen und weiblichen Aspekt der Schöpfung darstellen. Es wird uns zunehmend mehr gelingen, in gegenseitiger Achtung genau diese Eigenschaften auch zu leben. Und wie im Kleinen so im großen. Haben wir das in unseren Familien umgesetzt, wird es sich auch in der Gesellschaft wiederspiegeln. Nur Mut!
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