Entscheidungshilfen und Möglichkeiten für Familien
Autorin: Christiane Thomas
Funktelefone sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Da ist es auch kein Wunder, dass schon Kinder im Kleinstkindalter fasziniert sind von den singenden, klingenden und blitzenden Tastengeräten. Schnell geben sie sich nicht mehr zufrieden mit den zwar ähnlich aussehenden, aber nicht so recht funktionierenden Spielzeugmodellen. Ein Echtes soll es sein, doch angesichts der Kosten und altersbedingten Risiken bei allen Dingen, die zerstör- und verlierbar sind, beginnt in vielen Familien eine Diskussion um das Für und Wider der mobilen Erreichbarkeit ihrer Kinder.

Bild: Kind mit Handy (Foto von Pixelspin, Flickr.com)
Sie sollte beginnen mit der Frage, ab welchem Alter ein Handy überhaupt sinnvoll ist. Es gibt zwar Anbieter, die einfache Kinderhandys bereits für 4-Jährige empfehlen, doch sind sich zahlreiche Hersteller und Kritiker einig, dass Kinder zumindest lesen und schreiben können sollten, wenn sie ein Handy bedienen möchten. Eltern und Kinder sollten hinterfragen, in welchen Situationen sie ein Handy benötigen und ob es auch andere Alternativen dazu gibt. In Schulen, Horten, Vereinen oder bei Freunden können Kinder beispielsweise auch immer den dortigen Telefonanschluss nutzen, um wichtige Absprachen zu treffen. Sinnvoll kann ein Handy dann sein, wenn das Kind regelmäßig längere Wege allein zurücklegen muss, vielleicht auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, oder lange Zeit keine Möglichkeit besteht, die Eltern zu erreichen.
Ist die Entscheidung für ein Handy gefallen, gilt es nun unter der großen Zahl von Geräten, Anbietern und Tarifen zu wählen. Derzeit bietet der Markt ein breites Spektrum spezieller Kinderhandys, die gerade für kleinere Kinder Vorteile haben. Sie sind oft sehr einfach zu bedienen, robust in der Verarbeitung und sperren automatisch solche Kostenfallen wie Sonderrufnummern, Auslandsgespräche und Internet. Allerdings sind sie in der Anschaffung nicht ganz billig und zusätzlich oft noch an einen Vertrag mit monatlichen Grundkosten gebunden.

Bild: Das Kandy mobile (Foto vom Hersteller)
Das Kandy mobile beispielsweise, das seit diesem Schuljahr im Handel erhältlich ist, kostet zusätzlich zum Paketpreis von 99 Euro monatlich 12,90 Euro. Eingeschlossen ist eine Flatrate zu zwei festgelegten Elternrufnummern, allerdings nur in das Festnetz. Alle weiteren Gespräche kosten 29 Cent/Minute und eine SMS 19 Cent. Die Eltern können eine monatliche Kostengrenze festlegen, die bei Erreichen das Handy für alle anderen ausgehenden Gespräche sperrt. Interessanter für die Kids ist sicherlich der integrierte MP3-Player. Ein großer Vorteil dieses Handys ist seine geringere Strahlungsintensität, weshalb das Gerät mit dem Blauen Engel ausgezeichnet wurde. In Ausstattung und Preis ähnlich ist das Toggo mobile, für das verschiedene Handy-Modelle zur Verfügung stehen und was zum gleichen Monatsbeitrag eine kostenlose Elternrufnummer, auch als Funknummer, zur Verfügung stellt. Zusätzlich erhalten die Nutzer monatlich ein kostenloses Lernspiel auf das Handy.

Bild: Das i-Kids Handy (Foto vom Hersteller)
Ab 6 Jahre geeignet ist auch das i-Kids Handy, das in Zusammenarbeit mit der Björn-Steiger-Stiftung entwickelt wurde. Das 159 Euro teure Gerät ist auch als Prepaid-Angebot nutzbar und besitzt vier festgelegte Nummern und eine Paniktaste. Sie wählt nach Aktivierung alle vier Nummern nacheinander an und bei Misserfolg den Service der Notrufzentrale. Die dennoch anfallenden monatlichen Pauschalkosten von mindestens 9,90 Euro entstehen durch die integrierte Ortungsplattform. Diesen Service bieten in unterschiedlicher Qualität auch die anderen Kinderhandys, oft verbunden mit zusätzlichen Kosten. Relativ schnell und mehr oder weniger genau kann so das Handy geortet werden, allerdings nur dann, wenn es sich im Freien befindet. Ein weiterer Nachteil dieser Funktion, insbesondere beim i-Kids Handy, ist das schnelle Entladen des Akkus, wodurch dieser täglich geladen werden muss. Der Sinn einer solchen Überwachung wird sehr konträr diskutiert und von Datenschützern abgelehnt. Keinesfalls darf sie Eltern eine absolute Sicherheit vorgaukeln oder gar eine Verletzung ihrer Aufsichtspflicht rechtfertigen.
Wer auf die Besonderheiten eines speziellen Kinderhandys verzichten kann, dem stehen deutlich preiswerter Alternativen im Prepaid-Sektor zur Verfügung. Gerade die Discounter-Angebote sind preislich kaum zu toppen und bieten bei Telefonaten im eigenen Netz oft nochmals Tarifsenkungen.
Ein preiswertes oder von den Eltern abgelegtes und mit einem neuen Akku versehenes Gerät hat zudem den Vorteil, dass ein Verlust eher zu verschmerzen ist als bei einem teuren Markengerät. Trotz Kartenlimit ist es wichtig, dass Eltern und Kinder gemeinsam Regeln zur Benutzung des Handys festlegen und auch Gefahren und Kostenfallen aufgezeigt werden. Ohnehin sollen die Kinder lernen, bewusst mit dem Medium Telefon umzugehen, und erfahren ohne die absolute Kostenkontrolle der Eltern einen Vertrauensbeweis und ein Stück Selbständigkeit.
Eine Möglichkeit für Familien mit mehreren Kinder ist die Anschaffung eines sogenannten Familienhandys, das von demjenigen benutzt, der es gerade wirklich benötigt. Klare Regeln und ein zentraler Aufbewahrungsort sind hier besonders wichtig, um Streitereien in Grenzen zu halten. Werden die Kinder größer, verstärkt sich oft ohnehin der Wunsch nach einem eigenen und coolen Handy mit möglichst vielen Funktionen, das dann nicht mehr nur als Kommunikationsmedium, sondern auch Statussymbol dient. Haben dann die Kinder einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Handy gelernt, kann es zu den durchaus sinnvollen und nützlichen Alltagsgegenstand gehören.
Veröffentlicht am 16.01.08 um 09:13 Uhr




