Autorin: Petra Johanna Blumenstein

Ginseng, die geheimnisvolle Wurzel, hat seit Jahrtausenden ein hohes Ansehen in der chinesischen Medizin. Sie wurde schon im 5000 Jahre alten Heilbuch Pentsao ching als königliches Heilmittel beschrieben. So ist es nicht verwunderlich, dass Ginseng nur Kaisern und Königen vorbehalten war und sogar gegen Gold aufgewogen wurde. Zahlreiche Ehrennamen, wie Wunderwurzel, Wurzel der Unsterblichkeit, Wurzel des langen Lebens oder Königin der Heilmittel zeugen von ihrer hohen Wertschätzung als Heilpflanze.

Ginseng
Bild: Ginseng

Heute wird auf einer Fläche von nunmehr 4,5 Hektar koreanischer Ginseng in bester Arzneimittelqualität erzeugt. Um diese hervorragende Qualität zu sichern, wird Ginseng in Gräfendorf ausschließlich nach den strengen Richtlinien der EG-Verordnung „Ökologischer Landbau“ produziert. Ginsengwurzeln werden erst nach sechs Jahren geerntet, da sie in diesem Alter den optimalsten Wirkstoffgehalt haben. Analysen durch unabhängige Labore bestätgen den ökologisch erzeugten brandenburgischen Ginsengwurzeln Arzneimittelqualität. Der Ginsenosidgehalt liegt sogar nachweislich beim Drei- bis Vierfachen des vorgeschriebenen Mindesgehaltes.

Der Ginsenganbau ist mühsam und langwierig. Ginseng ist ursprünglich eine in Bergwäldern vorkommende Schattenpflanze und verträgt daher kein direktes Sonnenlicht. Da unsere hiesigen Bäume als Schattenspender ungeeignet sind - weil die Zersetzung des Laubes zu lange dauert- werden die Felder mit einer Spezialfolie abgeschirmt. Da Ginseng keine stauende Nässe verträgt müssen die Felder mit Gräben versehen sein, um überschüssiges Wasser abzuführen. Diese Empfindlichkeit des Ginseng hat schon so manchen Anbauversuch in Europa scheitern lassen.

Auch dürfen in der Nähe keine Gurken, Kartoffeln oder Tomaten angebaut werden. Da Pollen sich gewöhnlich nicht an Zäune halten, erfodert dies einen größeren „Sperrbezirk“ um eine Ginseng-Kultur - oder verständnisvolle Nachbarn. Auch von Insekten und Schnecken droht Ungemach: Diese Fraßschädlinge müssen von Hand abgesammelt werden. Dazu kommen die vergleichsweise langen „Fruchtfolgen“. Bis zur Ernte vergehen 6 Jahre, ein Alter, in dem die Wurzel den höchsten Wirkstoffgehalt besitzt.

Im Herbst wenn der oberirdische Teil der Pflanzen abgestorben ist werden die Wurzeln vorsichtig ausgegraben, gewaschen und anschließend getrocknet.

Dann kann die weitere Bearbeitung - z.B. das Vermahlen - beginnen. Frische Wurzeln eignen sich auch zum Einlegen in Alkohol (min 38%) oder Honig (eine Delikatesse !!). Und auch nach der Ernte zeigt Ginseng sich anspruchsvoll: Erst nach 15 Jahren kann eine solche Fläche wieder mit frischem Ginseng bepflanzt werden. Eine Zeit, die in den eng besiedelten asiatischen Anbaugebieten nicht immer eingehalten werden kann.

Mehr zu den Wirkungen des Ginsengs und seiner traditionellen Verwendung in einer der nächsten Ausgaben von naturel.

 

Veröffentlicht am 18.06.06 um 21:06 Uhr