Jeder Platz hat seinen eigenen Charakter, seine eigenen Eigenschaften und Qualitäten. Sicherlich ist es jedem von uns schon passiert, dass man in einen Raum hineinkommt und man hat das Gefühl, dass dieser Raum nicht behaglich wirkt.
Der daneben liegende Raum jedoch strahlt eine wunderbare Atmosphäre aus, man fühlt sich sehr wohl und möchte gar nicht mehr weggehen. Orte zum Wohlfühlen - Orte zum Davonlaufen - oft entscheiden nur Kleinigkeiten über die Qualität.
Der Geomant
Die Aufgabe des Geomanten ist nun, genau die Dinge zu erkennen, die den Standort beeinträchtigen und Empfehlungen abzugeben, wie die Harmonie wiederhergestellt werden kann. In der Regel wird als erste Maßnahme empfohlen, den Raum, die Wohnung bzw. das Haus gründlich zu entrümpeln. All die Dinge, die sich im Laufe der Zeit ansammeln (Stapel alter Zeitungen und Kataloge, kaputte Geräte, abgestorbene Pflanzen,...), sind auf deren Verwendungsmöglichkeit hin zu prüfen. Diese „Altlasten“ gelten als Energieräuber, sie reduzieren unsere Lebensenergie, sie sind Ballast für uns und hemmen uns in unserer Weiterentwicklung.
Daher wäre der erste Ansatz, dass Sachen, die man nicht mehr benötigt, unbedingt zu entfernen sind.
Als nächstes gilt es, die gestauten und alten Energien aufzulösen. Hier hat sich als einfachste Maßnahme das Räuchern herausgestellt. Getrockneter Salbei, wie er als Tee in Apotheken erhältlich ist, ist dabei am wirkungsvollsten. Der Rauch des Salbei reinigt die Räume und schafft Platz für neue harmonische Energien. Nach dem Räuchern öffnet man die Fens-ter und Türen damit frischer Schwung in die Wohnung zieht.
Arten der Geomantie
Die Fühligkeit für Standorteigenschaften ist mit höchster Wahrscheinlichkeit ein Urinstinkt der Menschheit. Das Streben nach Harmonie findet sich in jeder Kultur wieder, in jedem Kulturkreis entwi-ckelten sich örtlich und national unterschiedliche Arten der Geomantie. Als bekannteste Variante gelten die Lehren des Feng Shui aus China. Das indische Vastu, Vitana in Madagaskar, Yattara in Burma sind nur einige Beispiele aus anderen Kulturen. Das europäische Pendant dazu ist die Geomantie.
Orte der Kraft
Geomantie bietet Richtlinien für harmonisches Bauen, es hilft uns Maßnahmen zu setzen, um Umfeldeinflüsse zu reduzieren und die positiven Gefüge zu verstärken.
Nicht nur bei Bauwerken findet die Geomantie ihren Niederschlag, auch beim Anlegen der Wege und Fahrstraßen bezog man das Wissen der Geomantie mit ein. Römerwege und frühere Handelswege wurden nicht irgendwo in die Landschaft gebaut. Deren Errichtung erfolgte nach ganz speziellen Gesichtspunkten, sie verlaufen entsprechend der Energieflüsse - den geomantischen Linien. Bewegt man sich auf diesen Linien, fühlt man den positiven Einfluß der Erdenergien, man kann wesentlich länger ermüdungsfrei dahin marschieren.
In gleicherweise verhält es sich bei den alten Pilgerwegen zu den großen Kultanlagen, z.B. Santiago de Compostella.
Eine weitere Besonderheit lässt sich bei den Befestigungen der römischen Grenzwälle entdecken. In unregelmäßigen Abständen errichtete man Wachtürme. Jedoch stellt man sie nicht irgendwo hin, man achtete ganz besonders darauf, dass auf dem Platz eine besondere Qualität vorherrsche, die man unter dem Begriff „Hellwachplatz“ kennt. Das sind Orte, an denen man einfach nicht leicht einschlafen kann, an denen man munter bleibt.
An den Schnittpunkten der geomantischen Linien entstanden Siedlungen und Städte.
Diese Gesetze der Geomantie lassen sich am Beispiel der „Sonnenstadt“ Karlsruhe mit ihrem Straßenfächer aus 32 Wegen sehr schön erkennen. Im Zentrum findet sich der uralte Genius loci - der Geist des Ortes. Stadtgründungen richten sich sehr häufig nach diesen geomantischen und energetischen Zentren und Achsen.
Ein weiterer Teil der Geomantie ist das bewusste Manifestieren und Verstärken der Standortenergie durch z.B. Steinsetzungen oder das Errichten sakraler Bauten nach aufeinander abgestimmten Faktoren. Die Form und Gestalt des Bauwerks, der Grundriss, Maße, Größe und die Proportionen sind nur einige wenige Aspekte, die dabei mit einbezogen werden.
So entstehen „Orte der Kraft“, Plätze mit besonderer Qualität und Energie. Das Bauwerk verstärkt dabei die positive Energie des Ortes. Verweilt man einige Zeit auf diesen Punkten spürt man die wohltuende Energie in uns aufsteigen.
Nicht nur Bauwerke haben diese verstärkenden Eigenschaften, auch Bäume erhöhen die lokale Qualität.
Auf alten Dorfplätzen fand man früher immer ein Linde im Zentrum. Auf diesem Standort verbreitet die Linde eine besondere Harmonie und Ruhe. Im Gegensatz dazu findet man Kastanienbäume auf Plätzen wo gesungen und getanzt wurde. Hier erkennt man eine wunderbare Verbindung zwischen der besonderen Qualität des Standortes und der spezifischen Wirkung der Bäume.
Der Heiligenkreuzerhof
Das nachstehende Bild zeigt einen Innenhof eines alten Klosters in Wien, den Heiligenkreuzerhof.
Der Hof zeichnet sich durch eine wunderbare, zarte Grundschwingung aus. Wenn man den Hof betritt, fühlt man sich in eine andere Welt versetzt.
Der Platz strahlt eine wunderbare Ruhe und Harmonie aus.
Bei der Planung der Klosteranlagen legte man früher besonderen Wert auf die Miteinbeziehung der verschiedenen Standortqualitäten, der Klosterhof als Ort der Einkehr, der Besinnung.
Seine heutige Form erhielt der Heiligenkreuzerhof im 13. Jahrhundert.
Noch erkennbar ist die Gartenmauer des ehemaligen Prälatenhofs mit Skulpturen aus dem Jahr 1729.
Die Geomantie ist eine sehr spannende Sache, wenn es darum geht, die unterschiedlichen Qualitäten und Energien zu erleben und zu entdecken und davon gibt es überall eine Vielzahl.
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