Eltern oder Großeltern können sich vielleicht an den bekannten Zeichentrickfilm aus der „Sendung mit der Maus“ erinnern. Wenn bereits Kinder etwas über die Heilkräfte der Kamille wissen, so zeigt das, wie bekannt und beliebt die gelb-weißen Blüten dieser Pflanze sind. Kein Wunder, denn die Kamille gehört zu den ältesten Heilpflanzen überhaupt. Ihr Gattungsname „Matricaria“ bedeutet Mutterkraut und lässt erkennen, dass sie bereits im Altertum in der Frauenheilkunde verwendet wurde. Anspruchslos wächst sie auf Äckern, an Wegrändern, auf Schuttplätzen, lehmigen Boden bevorzugend. Interessant für Heilkundige ist allerdings nur die Echte Kamille, die sich von den anderen Kamillen-Arten, wie zum Beispiel der Hundskamille, durch ihren typischen aromatischen Geruch unterscheidet. Wer ganz sicher gehen will, die richtigen Pflanzen zu sammeln, sollte sich die Blütenköpfe genauer ansehen. Nur die der Echte Kamille besitzt einen Hohlraum in ihrem Inneren. Kamillenblüten erntet man am besten in der Mittagssonne, rät die bekannte Buchautorin Maria Treben, „da sich dann die Heilkraft des ätherischen Öles verdoppelt.“ Zum Trocknen legt man die Blüten auf saubere Tücher oder Packpapier an einen schattigen, luftigen Ort. Sind sie strohtrocken, werden sie in Papiertüten, Pappkartons oder dunklen Gläsern aufbewahrt. Natürlich kann man Kamillenblüten wie alle anderen Kräuter auch frisch gesammelt verwenden, ihre Heilkraft ist sogar höher als die der getrockneten Pflanzen.
Die Wirkung der Kamille
„Es ist bei allen Menschen kein gebreuchlicher Kraut in der arznei als eben Chamillenblumen, dann sie werden beinahe zu allen presten gebraucht.“, so steht es in einem alten „Kreutterbuch“ von Hieronymus Bock. Seit dem Altertum ist ihre beruhigende, krampflösende, fiebersenkende und entzündungshemmende Wirkungsweise bekannt. Sie eignet sich daher für vielfältige äußere und innere Anwendungsmöglichkeiten. Ihre Heilkraft verdankt die Kamille hauptsächlich ihrem aromatischen ätherischen Öl, dessen Inhaltsstoff Azulen für die beruhigende Wirkung der Kamille verantwortlich sein soll.
Bauchweh - ich koche dir einen Kamillentee!
Bei Kindern und Erwachsenen wohl gleichermaßen bekannt ist die wohltuende, krampflösende Wirkung von Kamillenblütentee bei Magen- und Darmbeschwerden. Dabei übergießt man einen gehäuften Teelöffel Kamillenblüten mit einem Viertel Liter siedendem Wasser. Nach etwa zehn Minuten wird der Tee durch ein Sieb gegossen und langsam und nicht zu heiß getrunken.
Viel Geduld ist nötig, wenn gerade kleinere Kinder die lebenswichtige Flüssigkeit langsam aufnehmen sollen. Aber gerade bei starkem Erbrechen ist es wichtig, dem Körper ausreichend Flüssigkeit zuzuführen. Allerdings ist die Magenschleimhaut mitunter so gereizt, dass man den Tee nur löffelweise zuführen kann.
Bei allen Kräuterteezubereitungen sollte man darauf achten, sofort nach dem Aufgießen des Wassers das Gefäß mit einem Deckel zu verschließen, damit sich die ätherischen Öle nicht sofort verflüchtigen.
Bauchkompresse mit Kamille
|
Stängel und Blüte der Kamille
|
Was der Kamillentee innerlich bewirkt, kann eine heiße Bauchkompresse aus einem Kamillenaufguss auch von außen unterstützen. Darüber hinaus kann ein solcher angenehm warmer Wickel zusammen mit der elterlichen Zuwendung wahre Wunder wirken, wenn das Kind über unerklärliche, nicht organisch bedingte Bauchschmerzen klagt. Er wirkt beruhigend und entspannend auf Körper und Seele und hilft bei Einschlafstörungen. Eine Handvoll Kamille wird mit einem halben Liter kochendem Wasser übergossen und ca. zehn Minuten zugedeckt ziehen gelassen. In der Zwischenzeit bereitet man die Wickeltücher vor. Ein dünnes Innentuch wird so gefaltet, dass es den Bauchbereich gut abdecken kann. Um es später gut auswringen zu können, legt man es in ein größeres Wringtuch. Das dicke Außentuch und evtl. ein Zwischentuch breitet man unter dem Patienten aus, damit man es nach dem Auflegen des heißen Innentuches schnell um den Körper legen kann. Das im Kamillenaufguss geschwengte Innentuch kräftig auswringen, umso besser wird der heiße Wickel auf der Haut vertragen. Dann vorsichtig, aber rasch auf den Bauch legen und mit dem Außentuch befestigen. Um die Wärme länger zu halten, kann man zwei Wärmflaschen rechts und links an den Körper legen. Der Wickel verbleibt 20 Minuten oder länger auf der Haut, solange er dem Patienten gut tut. Wichtig ist bei dieser Anwendung sicherzugehen, dass die Schmerzen nicht von einer Blinddarmentzündung herrühren.
Kamillen-Sitzbad
Bei Blasenentzündung oder einfach bei einem wunden Po ist ein Sitzbad mit Kamillensud wohltuend und entzündungshemmend. Etwa 100 g Kamillen-blüten werden mit zwei Litern siedendem Wasser übergossen. Zugedeckt etwa zehn Minuten stehen lassen, dann durch ein Sieb geben und dem Badewasser zusetzen. Bei 35-36 Grad Badetemperatur sollte das Bad ca. fünf Minuten dauern. Danach das Gesäß gründlich abtrocknen, evtl. kann man dazu auch einen Fön benutzen.
Inhalieren im Zirkuszelt
Auch bei Erkältungskrankheiten der Atemwege haben Aufgüsse mit Kamillenblüten ihre Berechtigung. Beim Inhalieren mit heißen Kamillendämpfen werden die Atemwege befeuchtet und besser durchblutet, die ätherischen Öle wirken gleichzeitig entzündungshemmend und schleimlösend. Etwa eine Handvoll Kamillenblüten wird in einer größeren Schüssel mit siedendem Wasser übergossen. Der Patient sollte sofort mit dem Inhalieren beginnen, je nach Empfindlichkeit mit dem Gesicht näher oder weiter entfernt von dem Gefäß. Größere Kinder und Erwachsene inhalieren an einem Tisch sitzend unter einem großen Badetuch, das auch die Schüssel ausreichend abdecken muss. Um bei kleineren Kindern der Gefahr von Verbrühungen vorzubeugen, macht die Autorin Petra Lange in ihrem Buch „Hausmittel für Kinder“ Eltern den Vorschlag, ein kleines Zirkuszelt mit Hilfe eines Regenschirms und Bettlaken zu bauen, unter dem Vater oder Mutter gemeinsam mit dem kleinen Patienten inhalieren kann. Für eine verstärkte Dampfentwicklung sorgen erhitzte Kieselsteine, die man zusätzlich in das heiße Wasser geben kann. Etwas Geduld muss man für diese Behandlung schon mitbringen, sie sollte nicht weniger als 15 Minuten dauern. Ungeduldigen Patienten gibt man eine Eieruhr mit unter das Tuch, liest etwas vor oder legt ihre Lieblingsmusik auf. Nach dem Inhalieren ist, wie bei vielen äußeren Anwendungen, eine Nachruhe unbedingt erforderlich. Dabei muss besonders der Kopf warmgehalten und vor Zugluft geschützt sein.
Literatur
Maria Treben:
Heilkräuter aus dem Garten Gottes, Heyne Verlag 1987
P. Lange:
Hausmittel für Kinder, Rowohlt-Verlag 1995
Neu: Zeitschriften bestellen - Dossier Heilpflanzen
Wir haben für Sie alle Hefte über Heilpflanzen zu einem Paket zusammen gefasst. Sie können das Dossier Heilpflanzen jetzt in unserem Zeitschriften-Kiosk kaufen.
Alle Hefte über Heilpflanzen