Dienstag früh, es regnet immer noch, erhalte ich eine SMS aus Bad Schandau, wo ich am Abend eigentlich einen Termin habe. „Bleib wo du bist. Chaos in Bad Schandau.“ Vor der Schule rennt mir die Rektorin aufgeregt entgegen: „Den müssen sie wieder mitnehmen.“ Trotz erhöhter Lage bleibt auch diese Schule, wie alle anderen in Dresden, an diesem Tag geschlossen. In der Hoffnung, dass am nächsten Tag alles wieder normal laufen würde, nehme ich meinen Sohn mit ins Büro. Bis auf einige Terminabsagen und Sirenen, die auf das Hochwasser aufmerksam machten, verdränge ich die Situation, denn schließlich muss die nächste Ausgabe fertig werden. Leute, die doch den Weg ins Büro finden, schildern die Situation in der Stadt, aber auch Details aus Glashütte und aus Grimma. „Die Weißeritz hat Löbtau überflutet.“ „Die Autos rollen am Hauptbahnhof bis an die Radkästen durchs Wasser.“ „Es ist Chaos in der Stadt.“ Abends treibt uns die Neugier dann doch in die Stadt, nachdem nun auch Fernseher und Telefonnetz ausgefallen waren. Bei Hochwasser in diesem Ausmaß wollen wir uns nun selbst überzeugen, was dran ist. Am Theaterplatz werden Sandsäcke gefüllt, Kellerräume des Zwingers werden leergepumpt. Der Platz zwischen Schauspielhaus und Zwinger gleicht einem See.
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Elbe Bellevue: Freitag Mittag: Blick von der Augustusbrücke auf Bellevue
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Zwingerteich und das Wasser auf der Straße haben eine gemeinsame Wasseroberfläche. Ein Boot bringt Menschen aus den Häusern. Obwohl sich bisher noch niemandem von uns so ein Bild geboten hatte, finde ich es vielleicht doch etwas übertrieben, dass Menschen mit einem Boot aus ihren Häusern geholt werden. Nichts davon ahnend, dass diese Bilder in den nächsten Tagen unzählige Stadtviertel prägen würden, frage ich einen Rettungshelfer, ob denn wirklich akute Gefahr besteht. Gefahr in der jetzigen Situation bestehe nicht, sagte er. Probleme gibt es dann, wenn das Hochwasser steigt und den Rettungskräften die Arbeit dadurch erschwert wird. Man könne noch nicht absehen, wie lange die Menschen in den Häusern verharren müssten und dann auch die Lebensmittel knapp werden würden. Manche seien allerdings nicht zum Verlassen ihrer Wohnungen zu überreden, ihnen hat man lediglich ein Brot bringen können. Menschen laufen erschöpft und barfuss an uns vorbei, über der Schulter hängt eine Tasche. Mit dem Gedanken, dass hoffentlich alles nur eine Vorsichtsmaßnahme ist, treten wir den Heimweg über Altmarkt und Augustusbrücke an. Am Altmarkt steht kein Wasser. Neben dem Hilton am Terrassenufer laufen die Pumpen. Die Situation scheint sich zu stabilisieren.
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Elbe Biergarten Bellevue: Fraitag Mittag: Biergarten am Bellevue
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Mittwoch früh bleiben noch immer die Schulen geschlossen. Der Wasserpegel der Elbe steht bei knapp 7 Metern. Seit den frühen Morgenstunden verstärkt sich der Lärm von Hubschraubern und Flugzeugen am Himmel. Ein Freund ruft mich an und sagt, dass sein Büro in Wasser und Schlamm steht. Ein Redakteur sagt einen Termin ab, weil das Wasser in seinem Verlagshaus steht. Folgen, die wir am Vorabend so nicht wahrgenommen haben. Klare Gedanken bei der Arbeit fallen zunehmend schwerer. Am Abend kehrt das Fernsehbild zurück, wir bekommen nun Bilder der letzten Tage. Die Verwüstungen entlang der Hochwassergebiete, Glashütte, Prag, Usti, Dresden, Grimma machen uns bestürzt. In Dresden hat die Weißeritz ganze Stadtteile, vom Postplatz bis Löbtau, überflutet. Vor der Yenidze staute sich nicht mehr der Verkehr, sondern die Weißeritz. Der Fluss hatte sich wieder sein altes Flussbett gebahnt. Wo Bilder der Zerstörung ganzer Stadtteile betroffen machen, lassen Schilderungen von Einzelschicksalen Tränen in die Augen steigen. Ein alter Mann steht hilflos auf der Straße, vor ihm beschädigte Reste seiner Wohnung. Die Tränen ersticken seine Worte: „Es ist alles so schlimm, so schlimm...“ Ein etwa 50-Jähriger kehrt den Schlamm aus seinem Laden: „Ich habe noch 13 Jahre bis zur
Rente gehabt. Ich kann doch nicht noch einmal anfangen.“ Eine Familie, die elf Jahre an ihrem Haus gebaut hat, steht vor dem Nichts. Das eben fertig gewordene Haus wurde in einem Augenblick weggespült. Eine 71-jährige Frau stürzt während der Bergung mit dem Hubschrauber in den Tod. Die Folgen des Hochwassers haben am Mittwoch Abend ein Ausmaß erreicht, wie es noch keiner in der Region erlebt hat.
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Biergarten Bellevue: Fraitag Mittag: Biergarten am Bellevue
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Der Elbepegel steht bei 7 Metern, eine neue große Flutwelle wird erwartet. Die Befürchtung macht sich breit, dass das Hochwasser in Dresden einen Pegel erreichen könnte, der höher liegt als bei der bisher größten Flutkatastrophe von 1845. Damals, vor 152 Jahren stoppte die Elbe bei 8,77 m. Was das für die Stadt bedeutet, lässt sich nur erahnen. Niemand kann ein Bild von den Auswirkungen geben. In der Zwischenzeit bereiten sich unzählige Menschen auf eine Evakuierung vor. Strom- und Wasserversorgung sind in einigen Stadtteilen ausgefallen. Das Trinkwasser wird ebenfalls knapp. Die Evakuierung der Dresdner Krankenhäuser geht ununterbrochen weiter. Auch in der Nacht zum Donnerstag fliegen die Flugzeuge der Bundeswehr, bringen die Kranken ins Terminal 2 im Dresdner Flughafen oder direkt in die Krankenhäuser anderer Städte. Früh morgens beginnt das Aufwachen wieder mit Sirenen und Flugzeuglärm. Der erste Gang ist zum Fernseher, die Elbe hat einen Pegel von über 8 Metern erreicht. Der Weg ins Büro ist begleitet von dauerhaften Sirenen der Polizei, Feuerwehr, anderen Einsatzfahrzeugen. Donnerstag Mittag beende ich meine Arbeit, stelle die Rechner auf die Tische und gehe an die Elbe. Jetzt spüre ich, dass es für mich wichtig ist, dass Geschehen zu verfolgen, auf die Stadt zu blicken und mir bewusst zu werden, was hier passiert. Es scheint die schlimmste Flut seit Menschengedenken im Elbtal zu werden. Das Wasser steigt stündlich um 15 Zentimeter. Bisher mussten 29.000 Menschen in Dresden ihre Wohnungen verlassen. Für den Abend kündigen sich Freunde an, die Wasser in ihrer Erdgeschoss-Wohnung befürchten. So richten wir unsere Wohnung für unsere Gäste, einschließlich ihrer Haustiere, ein. Der Fernseher läuft nun ununterbrochen, jeder neue Pegelstand wird mitverfolgt, der jetzt bei 8,70 m liegt. Die dramatischen Bilder nehmen kein Ende. Teile der historischen Gebäude, teure medizinische Geräte in den Krankenhäusern, privates Eigentum fällt den Fluten zum Opfer.
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Elbe Leipziger Straße: Freitag Mittag: Leiziger Straße
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Es ist Freitag früh, der Pegel hat in der Nacht den historischen Höchststand von 8,77 überschritten, Tendenz steigend. Spätestens jetzt weiß ich, dass ich den Artikel über Energien im Universum nicht mehr fertig bekomme. Meine Gedanken drehen sich nur noch um das Wasser, die Stadt,die Schicksale. So packe ich die Kamera ein und begebe mich Richtung Stadt. Die Brücken waren inzwischen für jeglichen Verkehr gesperrt. Und auch Richtung Stadt ist die Fahrt schnell zu Ende. Am Diakonissenkrankenhaus in der Neustadt müssen 200 Patienten die Klinik verlassen. Sie stehen in ihren Betten auf dem Fußweg und warten. Auf der Straße stehen in Doppelreihe unzählige Krankenwagen aus Bayern und holen die Patienten ab. Sie werden in ein Feldlazarett am Flughafen Dresden-Klotzsche gebracht. Der Umweg über die Staufenbergallee führt zum Hochwasser hinter dem Neustädter Bahnhof. Die Leipziger Straße ist an diesem Freitag 12.00 Uhr nicht nur ein einziger See, sondern auch gespenstig ruhig. Kein Auto, kein Mensch, kein Laut kommt von der noch verschonten Tankstelle oder aus den trocken gebliebenen Nebenstraßen. Wo sonst Motorenlärm die Straße erfüllt, ist nur das leichte Schwappen des Wassers zu vernehmen. Auf der Marienbrücke ist die eine Seite gegen die Flussrichtung für den „Fußgängerverkehr“ gesperrt. Treibgut wird erwartet, was bei Aufprall gegen die Brücke zur Gefahr werden könnte. Auf der Brücke für den Schienenverkehr stehen schwere Triebwagen, um die Brücke zu stabilisieren. Das Treibgut und die einsturzgefährdete Brücke sind hier nicht die einzigen Gefahren. Zwei riesige Krane stehen im Wasser und drohen unterspült zu werden. „Wir wissen nicht, wie lange die noch halten“, sagt eine Polizistin. Am Bellevue sind Wiesen, Parks und Biergarten überflutet. Auf dem noch übriggebliebenem Wiesenstück liegen die Schläuche der Pumpen, dazwischen belegte Brote, die den Helfern gebracht wurden.
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Elbe Leipziger Straße: Freitag Mittag: Leipziger Straße
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Die Staufenbergallee ist erfüllt vom Lärm der Sirenen, Sandtransporte und Panzer. In der ganzen Stadt herrscht ein Zustand, den so keiner kennt. Die Stadt hat zwei Gesichter, entweder Lärm, Sirenen, Aufregung und Hektik,oder eine beängstigende Stille an den Orten, wo man bereits aufgegeben hat. Läden schließen am Nachmittag, nichts ist mehr normal. Es ist kaum greifbar, wie eine Stadt so aus den Fugen gehoben werden kann. Am späten Nachmittag erreicht die Elbe einen neuen historischen Höchststand von 9,24 m. Der Pegelstand steigt nur noch um drei Zentimeter stündlich und nicht mehr vier Zentimeter wie noch in den Morgenstunden. Jeder Zentimeter weniger macht Hoffnung. Unterdessen sind noch immer 3500 Kräfte von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und Soldaten auch aus anderen Bundesländern im Einsatz. Hinzu kommen 1400 Polizisten und Tausende Freiwillige. „Es ist richtig gut, wie alle zusammenhalten.“ Diesen Satz hört man in diesen Tagen nicht selten, vor allem von Jugendlichen, die mit den Sandsäcken Dämme gebaut haben. In der Nacht stehen sie auf ihren errichteten Dämmen und hoffen, dass sich ihre Arbeit gelohnt hat.
Es ist Samstag Morgen, das Hochwasser ist bei 9,40 m stehen geblieben. Erleichtert kehren unsere Gäste in ihre Wohnung zurück. Sie haben Glück gehabt, dass Wasser ist nicht bis in ihr Stadtviertel vorgedrungen. Die Dämme haben gehalten. Am Sonntag fangen auch die Pumpen in der Semperoper wieder an zu laufen. Im Einsatz ist eine Pumpe, die allein 1000 Liter in der Sekunde schafft. Hoffnung kehrt zurück, Aufgegebenes zurückzugewinnen.
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Elbe Leipziger Straße: Freitag Mittag: Leipziger Straße
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Mittwoch, drei Tage später ist das Ganze, wie ein böser Spuk vorbei. Die Elbe hat sich aus der Stadt und den Wiesen zurückgezogen. Was bleibt, ist eine braune Schlammschicht. Der Blick auf die Elbwiesen ist trostlos und bewegt zum Nachdenken. Nachdenken darüber wie wohl Betroffene ein neues Leben beginnen und wie das Leben für uns in den nächsten 50 Jahren aussehen wird.
| Elbe Körnerplatz 5: Freitag Nachmittag: Einsatz der Feuerwehr am Körnerplatz
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| Elbe Körnerplatz 10: Warten: Wasser bis zum Haussockel am Körnerplatz
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| | Elbe Körnerplatz 9: 10 m weiter: Garagen im Wasser am Körnerplatz
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| Elbe Körnerplatz 21: Freitag Körnerplatz: Freiwillige Helfer bringen Sandsäcke
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| Elbe Körnerplatz 1: Rettungskräfte am Körnerplatz
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| | Elbe Körnerplatz 14: Körnerplatz: Schwimmpanzer wartet auf nächsten Einsatz
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| Elbe Filmnächte: Dienstag Abend: Die Dresdner Filmnächte
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| Elbe Synagoge Terassenufer: Dienstag Abend: Terassenufer neben der Synagoge
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| | Elbe Diakonissenweg Krankenhaus: Freitag früh: Diakonissenkrankenhaus in DD-Neustadt
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| Elbe Leipziger Straße Antonstraße: Freitag Mittag: Leipziger-Antonstraße
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| Elbe Leipziger Straße 4: Freitag Mittag: Leipziger Straße
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| | Elbe Marienbrücke: Freitag Mittag: Triebwagen stabilisieren die Marienbrücke
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| Elbe Augustusbrücke Unterführung: Freitag Mittag: Unterführung an der Augustusbrücke
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| Elbe Staufenbergallee: Freitag Mittag: Sandtransport auf der Staufenbergallee
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| | Elbe Staufenbergallee 3: Freitag Mittag: Bundeswehr auf der Staufenbergallee
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| Elbe Blick vom Luisenhof 6: Freitag Nachmittag: links vom Blauen Wunder
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| Elbe Blaues Wunder: Freitag Nachmittag: Blaues Wunder
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| Elbe Blick vom Luisenhof 9: Freitag Nachmittag: rechts vom Blauen Wunder
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| Elbe Blick vom Luisenhof 8: Freitag Nachmittag: Gelbe Häuserzeilen überflutet
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| | Elbe Villa Marie: Freitag Nachmittag: Villa Marie
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