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naturel>Leser>Archiv>Ausgabe 11/04 |
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Editorial - November/Dezember 2004
Autor:Christiane Thomas (09.11.2004)
Liebe Leser, Herbstfest im Kindergarten. Ich bin spät dran an diesem sonnigen Nachmittag und schaue mich etwas hektisch nach einem Parkplatz um in der kleinen Siedlung mit den engen Straßen. Da entdecke ich noch ein freies Plätzchen zwischen zwei Ausfahrten, doch an einem Tor wartet bereits ein älterer Mann - offensichtlich der Besitzer des Grundstücks- , das Gesicht zur Faust geballt. „Fahren Sie sofort weg hier!“ blöfft er mir entgegen, noch bevor ich die Autotür schließen kann. Meine ruhige, freundliche Antwort scheint ihn noch mehr zu reizen.
„Solche wie Sie dürfte man gar nicht Autofahren lassen.“, war noch das Harmloseste, was ich da zu hören bekam. Zumindest äußerlich völlig ruhig stieg ich nach einem kurzen Gruß wieder in mein Auto und parkte eine Ecke weiter.
Und noch eine Begebenheit: Morgendlicher Berufsverkehr, nicht nur auf den Straßen. Als ein Radler sich auf dem gemeinsamen Fuß- und Radweg etwas keck um einen hageren, älteren Herrn herumschlängelt, schimpft dieser mit erhobenen Gehstock hinter ihm her und kann sich so gar nicht beruhigen, obwohl doch nichts passiert ist. Beide Male denke ich mir: „Mann, du musst dringend zu deiner Mitte finden.“ Auszusprechen wage ich das nicht, sicher würden sie es in diesem Moment nicht verstehen. Doch es macht mich traurig, wenn viele Menschen so verbittert und unzufrieden durch die Welt gehen. Was auch immer sich für ein Schicksal hinter jedem einzelnen verbirgt, ich denke jeder kann daran arbeiten, gelassener, ruhiger und in sich ruhend mit sich und seiner Umwelt umzugehen. Das ist sicher ein Lernprozess und einige Angebote dafür finden Sie auch in diesem Heft. Doch es lohnt sich, denn man macht so nicht nur anderen, sondern vor allem sich selbst das Leben leichter. Eine letzte Begebenheit: Schulkonferenz in einer vom Elbehochwasser arg gebeutelten Dresdner Grundschule, in und um der seit bereits zwei Jahren gebaut wird. Als nach nur kurzer Diskussion alle anstehenden Fragen zur Zufriedenheit aller geklärt sind, stellt der Direktor verblüfft fest, mit welcher Gelassenheit nach so einer Unwetterkatastrophe mit bestimmten Problemen umgegangen wird, die vorher doch so wichtig und heiß debattiert waren. Vielleicht haben deshalb unsere Vorfahren trotz Not und Kriegen so viel ruhiger gelebt. Sie konzentrierten sich mehr auf das Wesentliche, auf das, was wirklich wichtig war in ihrem Leben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen ruhigen und zufriedenen Jahresausklang und freue mich auf ein Wiederlesen im nächsten Jahr. Ihre Redaktion von naturel Christiane Thomas Autor:Christiane Thomas (09.11.2004) |
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