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Die Knallerei am Waldmenschentag
Autor:Jens Wagner (02.12.2003)
Null Uhr begann also das neue Jahr. Wie sieht das neue Jahr denn aus?? Aber nichts war davon zu sehen. Kein Geist erschien, die Wände wackelten nicht, nur laut waren alle und ein bisschen angetrunken. Doch das Beste kam noch. Schnell warm angezogen und auf den Balkon geeilt. Der Himmel war schon voller Blitze, Donner und Rauch. „Prosit Neujahr!“ rief es aus allen Ecken, übertönt von Krachern und Böllern. Raketen dort und bunte Feuer da.
Nach einer Stunde war für die Kinder dann alles vorbei, das Bettchen rief. Am Neujahrsmorgen lief das Leben nur schwer an: dem Vater war übel und Mutter hatte schreckliche Kopfschmerzen. In der Wohnung und auf den Straßen lagen die Reste des alten Jahres. Gute Wünsche für das neue Jahr wurden ausgetauscht und am Neujahrstag gab es zu Mittag immer Linsensuppe, damit zukünftig immer reichlich Geld im Haus ist. Geholfen hat es bisher nicht.... Es gibt ja Menschen, die den Namen Silvester tragen. Es ist ein alter lateinischer Vorname und bedeutet soviel wie „Waldbewohner“ oder „im Wald Lebender“. Am 31. Januar 314 wurde der 34. Papst gewählt. Er hieß Silvester und starb am 31. Dezember 335 im alten Rom. Wegen seiner Verdienste um die christliche Kirche wurde der Todestag nach ihm benannt und seit 354 wird dieser Tag offiziell von der Kirche als Festtag begangen. Wie auch zu Weihnachten wurden viele Feste bereits von den Heiden gefeiert. Die Christen versuchten diesen „Tag an Silvester“ in eine kirchliche Feier umzuwandeln. Das gelang kaum und so ist Silvester/Neujahr schon seit langem eher ein weltliches Fest. Dass die Kirche dann ausgerechnet den Neujahrstag zur Buße und zum Fasten nutzen wollte, ist auf den erbitterten Widerstand der damaligen Menschen gestoßen. Ich wage zu behaupten, dass dies heute nicht anders wäre. Denn schon seit Jahrhunderten ist in dieser Nacht sehr ausgelassen gefeiert worden. Dass dabei kräftig getafelt wurde, versteht sich wohl von selbst. Und dabei ging es nicht gerade leise zu. Im Gegenteil: die kalte und dunkle Jahreszeit war gefürchtet, denn Kranke wurden zu jener Zeit meistens nicht gesund und böse Geister hatten in der Finsternis die besten Arbeitsmöglichkeiten. Mit Pauken und Trompeten Nur schrecklichster Lärm und viel, viel Feuer kann diese Kobolde erfolgreich vertreiben, das stand fest. Während im Mittelalter vor allem Peitschen, Rasseln und Trommeln für den entsprechenden Lärm sorgten, sind später die Glocken und die sprichwörtlichen Pauken und Trompeten eingesetzt worden. Nach der Erfindung des Schwarzpulvers wurde dann aus allen Rohren gefeuert. Berühmtheit haben die Feuerwerke am Hof des Sonnenkönigs, Ludwig des XIV., erlangt. Heute werden mit dem Lichtwerk und der Knallerei keine bösen Geister mehr vertrieben, wir machen es zum Spaß. Dennoch existieren noch eine Menge Bräuche rund um Silvester. Das Ende der Maskeraden Um 1000 n. Chr. tanzten sogar die Narren zum Jahreswechsel. In Paris war erst Ende des 15. Jahrhunderts damit Schluss. Bis dahin haben die Maskeraden vor allem den Klerus lächerlich gemacht und mit unzüchtigen Tänzen sowie frechen Liedern und Gedichten den Ärger der Kirche herausgefordert. Das Licht fasziniert besonders in den tiefdunklen Nächten der kalten Jahreszeit. Deshalb stehen Silvesterfeuer in einigen Kantonen der Schweiz im Vordergrund. Unter einem Funken- und Feuerregen schwingen junge Männer die Dreschflegel in der Gemeinde Hallwil. Es ist alter heidnischer Brauch. Einen Hauch Frömmigkeit verbreitet das Illuminieren der Landschaft in Franken. In Waischfeld-Nankendorf heißt es „Fest der Ewigen Anbetung“. Die Felsen, das Flüsschen Wiesent und die umliegende Landschaft werden in fantastisches Licht getaucht. Dafür sorgen neben zahlreichen Holzfeuern, bengalische Lichter, tausende Kerzen auch ein bisschen elektrisches Licht. Die Lichterprozession Den Höhepunkt bildet die Lichterprozession, die den Ort in rotes und grünes Licht taucht. So feiern die Gläubigen seit etwa 1000 Jahren. Wesentlich brutaler geht es in der Altmark zu. Dort wird in den Morgenstunden in die Vorgärten geschossen, damit die Obstbäume reichlich Früchte tragen mögen. In einigen Gebieten von Westfalen hämmerte früher der Schmied mit seinen Gesellen das neue Jahr ein. Geschlagen wurden im Rheinland die Glocken in einem besonderen Rhythmus. Eine einzelne, freischwingende Glocke gab Takt und Ton vor, zu denen andere Glocken von den „Beiermännern“ angeschlagen wurden. Die schwere Handarbeit erforderte viel Geschick und musikalisches Verständnis, damit daraus eine Melodie wurde. Musik wird noch heute in dem Schweizer Ort Winterthur gemacht. Viertel vor 24 Uhr erklingt vom Nordturm der Stadtkirche Bläsermusik, die dann um Mitternacht vom kräftigen Glockengeläut abgelöst wird. Zahlreiche Gäste genießen diesen musikalischen Jahres- ausklang. Singen am Brunnen ist im Schweizer Rheinfelden seit 1541 üblich. Damals schlossen sich zwölf Männer zusammen, um den Ort vor der Pest zu schützen. Heute singen 21 Uhr die Sebastiani-Brüder am Brunnen. Wasser wurde schon damals zu den Feierlichkeiten nur ungern getrunken. Schnaps und Wein, später der Champagner, wurden schon immer reichlich genossen. Dazu kam üppiges Essen auf die Tafel. In vielen Bräuchen haben sich junge Leute und Kinder ihre Verpflegung für diese Nacht mühsam ertanzt oder ersungen. Im nordöstlichen Brandenburg waren bis 1930 noch die „Pelzböcke“ unterwegs. Wobei mit Pelz der Pfannkuchen gemeint ist. Von Haus zu Haus zogen die jungen Männer. Der Pelzbock wurde in Strohseide gehüllt, an Fesseln von zwei „Stutenfrauen“ geführt und von vier Treibern durch die Stadt gejagt. Geigen und andere Instrumente machten das Spektakel unüberhörbar. Wichtig waren die großen mitgeführten Körbe, in die neben Wurst, Kuchen, Branntwein vor allem Pfannkuchen wanderten. In Hessen ist der in Stroh gewickelte Strohbär unterwegs, der auf die gleiche Art die Naturalien eintrieb, damit die jungen Leute ausgiebig feiern konnten. In einigen Gegenden existierten die „Neujahrsgänge“. Kinder gingen zu ihren Paten, junge Männer besuchten die Nachbarn und bei einer ausgiebigen Brotzeit, bei der auch viel flüssiges Brot floss, schaute man sich gleich einmal nach einer Braut um. Auch die Mädchen nutzten Silvester häufig für eine Vorschau. Wie heißt der Zukünftige und wann wird geheiratet? Es gab eine Menge Möglichkeiten etwas schlauer zu werden: mit verbundenen Augen wurde zweimal auf das Alphabet gezeigt und die angetippten Buchstaben verrieten den Vor- und den Nachnamen des zukünftigen Ehemanns. Sehr viele Methoden gab es, den Zeitpunkt der Heirat sicher zu errechnen. Ein Madel läuft in der Finsternis hinters Haus und holt eine Stapel Holz herein. Die Scheite werden gezählt und fertig. Ebenso zuverlässige Ergebnisse liefert die Umarmung eines Holzzauns. Die Anzahl der umfassten Zaunslatten ergibt die Wartezeit in Jahren bis zur Hochzeit. Glücksschweine und Kleeblätter Eine Garantie für eine glückliche Verbindung war das natürlich nicht. Deswegen war es sehr wichtig, dem Glück etwas auf die Sprünge zu helfen. Schornsteinfeger, Glücksschweine, Hufeisen und das vierblättrige Kleeblatt galten schon lange als Glücksbringer. Übrigens das Kleeblatt darf man nicht suchen, es muss ganz zufällig entdeckt werden. Und beim Anbringen des Hufeisens herrscht Uneinigkeit. Während eine nach oben weisende Öffnung das Glück nicht herauslaufen lässt, ähnelt das Gegenteil dem Buchstaben Omega, der auf die Verbindung zwischen Diesseits und Jenseits hinweist. Bis die andere Welt ruft, wäre gut zu wissen, wie es im Leben weitergeht. Der uralte Brauch des Bleigießens hilft da weiter. Geschmolzenes Blei wird von einem Löffel in kaltes Wasser getropft. Zischend erstarrt das Blei und bildet sonderbare Figuren, die dann gedeutet werden können. Ein nicht ganz ungefährlicher Brauch. Allerdings macht das Deuten der Zukunft mit diesen bizarren Gebilden richtig Spaß. Und darum geht es ja heutzutage vor allen Dingen. Die Zukunft kann ich auch ohne Bleigießen voraussagen: Ich kann Ihnen versichern, dass es Ihnen verdammt schlecht geht, wenn Sie zuviel und noch dazu durcheinander trinken. Dagegen soll nach altem Brauch zwar ein Amethyst helfen. Aber bitte verschlucken Sie ihn nicht! Autor:Jens Wagner (02.12.2003) |
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