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Naturel-Online.de, Bildschirmfoto vom Oktober 2004
Die Gabe des Königs aus dem Morgenland
Autor:Christiane Thomas (02.12.2003)

Kirche: Blick ins Innere
Kirche: Blick ins Innere
Vom Duftstoff und Heilmittel Weihrauch

Kirchenhallen strahlen immer eine eigene Atmosphäre aus, und ganz besonders prächtig glänzen sie oft gerade jetzt, zur Weihnachtszeit. Verantwortlich für diese einzigartige Stimmung ist auch der besondere Duft, der in der Luft liegt, wenn wir eine Kirche betreten. Dieser würzig-holzige Geruch stammt von dem verbrannten Harz eines Baumes, das allgemein als Weihrauch bekannt ist. Schon der Name gibt Aufschluss über die Verwendung dieses Harzes bei kultischen Zeremonien und religiösen Feiern. Weihrauch wird aber seit Jahrtausenden auch für medizinische Zwecke benutzt und ist heute vor allem in der ayurvedischen Medizin wiederentdeckt worden.

Wenn die Könige aus dem Morgenland dem Jesuskind in der Krippe Weihrauch zum Geschenk machten, so ahnt man schon, dass diese Gabe für die Menschen in der damaligen Zeit eine große Bedeutung hatte. Der Wert des Geschenks ist sicher hauptsächlich auf seine symbolhaften Eigenschaften zurückzuführen und weniger materieller Natur: Weihrauch verbreitet Erhabenheit und Feierlichkeit. Der Duft symbolisiert die zu Gott aufsteigenden Gebete oder das Emporschweben der Seele in der Totenverehrung. Eine ähnliche Bedeutung kommt ihm bei der Verehrung besonderer Persönlichkeiten zu. So verbrannten die Römer regelmäßig vor den Standbildern der Cäsaren Weihrauch. Im Wort „beweihräuchern“ ist dieser Brauch -verbunden mit einem Anflug von Ironie- erhalten geblieben.
Beim Verbrennen des Harzes entwickelt sich ein stark aromatischer Duft, der in hoher Dosierung sogar narkotisch wirken kann. Weihrauch hat als Rauchwerk eine uralte Tradition, doch die Überlieferungen berichten auch von zahlreichen Anwendungen bei gesundheitlichen Problemen.

Den vermutlich ältesten Hinweis darauf –eine Rezeptur aus Honig und zerstampften Weihrauch- findet man auf einer ägyptischen Schriftrolle, dem sog. Papyrus Ebers, aus der Zeit um 1600 v. Chr.. Die Ägypter verwendeten Weihrauch für Salben und Wundauflagen. Auch Hippokrates setzte es zur besseren Wundheilung ein wie auch bei Erkrankungen der Atemwege und als Abführmittel.

Dioskurides und Celsus verordneten es für die verschiedensten Leiden und die Heilkundigen des europäischen Mittelalters, wie die Heilige Hildegard von Bingen, nahmen diese Erfahrungen auf und empfahlen auch ihrerseits Weihrauchanwendungen z.B. bei Kopfschmerzen oder Schwerhörigkeit.


War es sein besonderer Duft oder das Wissen um seine vielseitige Heilkraft, vermutlich die Kombination beider Eigenschaften machte Weihrauch zu einem begehrten Handelsgut.


Die Weihrauchstrasse

Obwohl lange schon verfallen, ist die Legende von der Weihrauchstraße und den reichen Städten an ihrem Wege bis heute nicht vergessen. Etwa seit 2500 v. Chr. zogen Tausende von Dromedarkarawanen durch das unwegsamen Gelände, eine Strecke von etwa 3500 km, die die Küste des Indischen Ozeans mit dem Mittelmeer verband. Auf dem Wege liegende Städte blühten auf, denn sie bestimmten die Handelsbedingungen. Berühmt geworden ist in dieser Zeit das legendäre Königreich Saba auf dem Gebiet des heutigen Jemen. Ein Handelsabkommen der Königin von Saba mit dem israelischen König Salomon im 10. Jahrhundert v. Chr. brachte diesem Lande seinen sagenhaften Reichtum, denn Weihrauch war neben Gewürzen und Edelsteinen inzwischen zu einer begehrten und kostbaren Handelsware geworden.

Mit dem Untergang des Römischen Reiches, das ein Hauptabnehmer des Duftharzes war, und dem Ausbau des Seehandels verlor die Weihrauchstraße etwa im 4. Jahrhundert n. Chr. ihre Bedeutung, doch Städte wie Petra zeugen noch heute von dem Reichtum der alten Zeiten. (Mehr über das Königreich von Saba sowie Bräuche und Riten im heutigen Jemen erfahren Sie in unserer Februar-Ausgabe)


Weihrauch: Schale mit duftendem Harz
Weihrauch: Schale mit duftendem Harz
Heilmittel Weihrauch

Währenddessen das Harz des Weihrauchbaumes als Räuchermittel nie an Popularität verlor und ab dem Mittelalter auch in den katholischen Kathedralen für einen feierlichen Duft sorgte, geriet Weihrauch als Heilmittel besonders im Zeitalter der modernen Arzneimittelchemie zunehmend in Vergessenheit. Erst in jüngster Vergangenheit, als man erkannte, dass der „Segen“ von Antibiotika und Cortison auch seinen Preis hat, sucht man wieder verstärkt die Heilkräfte der Natur zu nutzen.

Unter den vielen Anwendungsmöglichkeiten des Weihrauchharzes, die von Medizinern der Antike und des Mittelalters beschrieben wurden, stößt man auf einige Indikationen immer wieder. Dazu gehören Darminfekte, Wundheilung, Geschwüre, Rheuma und Erkrankungen der Luftwege. Das Wissen der alten Mediziner basierte hauptsächlich auf Beobachtungen und Erfahrungswerten, heute ist man jedoch technisch in der Lage zu untersuchen, welche Stoffe diese Heilmittel beinhalten und wie sie wirken.

Im Falle von Weihrauch erfolgte beispielsweise Mitte der achtziger Jahre am Pharmazeutischen Institut der Universität Tübingen eine mehrere Jahre dauernde Untersuchung des Harzes von Boswellia serrata, dem indischen Weih-rauchbaum. Man fand heraus, dass das Harz aus über 200 verschiedenen Substanzen besteht, von denen neben dem ätherischen Öl besonders die Boswelliasäure entzündungshemmende Eigenschaften besitzt.


Wirkstoff Boswelliasäure

Das Besondere an diesem Wirkstoff ist, dass er ganz gezielt an einer bestimmten Stelle des Entzündungsprozesses ansetzt: Er hemmt die Bildung der Entzündungsmediatoren Leukotriene, von denen schon geringe Mengen ausreichen, um einen Entzündungsprozess in Gang zu setzen. Boswelliasäure könnte daher insbesondere bei chronischen Entzündungen sehr erfolgversprechend sein.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Entzündungshemmern, wie beispielsweise Cortison, ermöglicht dieser Stoff eine nebenwirkungsarme und doch effektive Unterdrückung der Symptome. Ein schönes Bild für diese Vorgänge fand Regina Sauer in ihrem Buch über Weihrauch: „ Cortison bei chronischen Entzündungen – das ist etwa so, als würden Sie im Keller eines großen Mietshauses die zentrale Wasserversorgung sperren, wenn bei Ihnen im Badezimmer ein Hahn tropft. Das Tropfen hört auf, aber bald werden alle Mieter unter dieser Art der Reparatur zu leiden haben. Wechseln Sie stattdessen die Dichtung aus, lösen Sie das Problem, ohne die anderen Hausbewohner zu verärgern.“

Krankheiten mit erhöhter Leukotrienbildung:
KörperbereichKrankheit
GelenkeChronische Polyarthritis, Schmetterlingsflechte
HautSchuppenflechte
LungeAsthma bronchiale
Magen/DarmMorbus Crohn, Colitis ulcerosa
Zentrales NervensystemMultiple Sklerose


Im Falle chronischer Entzündungen wäre eine Weihrauchtherapie der Griff zur neuen Dichtung und ist überall dort sinnvoll, wo chronisch oder verstärkt Leukotrienen gebildet werden.

Neben den oben genannten Krankheiten wurden auch bei der Behandlung von Hirntumoren gute Ergebnisse erzielt. Prof. Simmet von der Ruhr-Universität Bochum beobachtete, dass Tumorzellen in ihrem Wachstum gehemmt und sogar abgebaut wurden. Kopfschmerzen und Lähmungen verschwanden und das Allgemeinbefinden verbesserte sich deutlich.

Leider sind die klinischen Studien mit Weihrauchpräparaten noch nicht so weit fortgeschritten, dass ein Weihrauchpräparat als Arzneimittel in Europa zugelassen ist, was nicht bedeutet, dass eine Behandlung damit noch nicht möglich ist. Allerdings sollte diese immer unter Aufsicht eines Arztes und mit von ihm verordneten Präparaten in der geforderten Dosierung erfolgen. Es gibt immer Ärzte, die neuen Therapien gegenüber aufgeschlossen sind. Sie selbst müssen aber davon überzeugt sein, dass Weihrauch für Sie eine neue Chance bedeutet.


Literatur

Regina Sauer, Weihrauch, Falken Verlag
Doktor med. Ernst Schrott, Weihrauch, Aurum Verlag

Der Weihrauchbaum

...gehört zur Familie der Balsambaumgewächse und gedeiht in den Trockengebieten Afrikas, Arabiens und Indiens. Als Räucherwerk oder Heilmittel wird das Harz des nur wenige Meter hohen Baumes genutzt, das als Balsam aus den Exkretgängen der Rinde austritt. Es ist gelblich oder braun, klebrig und glasartig durchscheinend. Im Frühjahr beginnt die Harzernte, bei der Stamm und Äste künstlich angeritzt werden, der austretende Balsam trocknet an der Sonne zu dem begehrten Harz.


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Autor:Christiane Thomas (02.12.2003)

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