Lomilomi – versunken in eine Massage aus Tanz und Meditation
Als wir am kommenden Tag unsere Lomilomi-Massage-Ausbildung fortsetzen, erinnert mich jeder Strich an diesen Fluss. Kraftvoll, mit absoluter Präsenz und liebevoller Hingabe jeden Strich auszuführen bedarf sehr viel Übung. Meine Bewegungen werden fließender, weicher und der ganze Körper ist im Einsatz, wie in einem Tanz. Ich folge mehr und mehr dem Rhythmus der leisen Musik, erspüre die Schwingungsebene des Körpers, mit dem ich arbeite, tauche ein. Nur wenige unterrichten den Tempelstil so authentisch wie Daniel Alberts. Er beobachtet sehr genau. Lobt und korrigiert meine Haltung und meine Bewegungen, demonstriert immer wieder aufs Neue die Feinheiten. Es ist das vierte Jahr dass ich mit ihm arbeiten darf. Noch immer erfahre ich Neues, übe und übe, komme in Fluss. Später beobachte ich Robert und Diana, ein Pärchen von der Farm, bei der Massage. Das ist ALOHA – gelebte Liebe und ich frage mich, ob es möglich sein wird, das nach Deutschland mit zu nehmen und zu verbreiten.
Steam vents mitten im Regenwald
Handtuch, Wasser und Plastiktüte, mehr brauchen wir nicht für den Saunagang. Das Auto an der Straße abgestellt folgen wir einem sehr schmalen Pfad durch den Regenwald bis zu einigen kleinen Hügeln. Unsere Kleidung kommt in die Plastiktüte, damit sie trocken bleibt, denn es heißt ja nicht nur Regenwald. Durch ein etwa 50 cm Loch knapp über dem Boden ist der Zugang zur Natursauna das wohl größte Hindernis. Die Lava am Eingang ist scharfkantig und nass. Ein Mann sitzt drinnen, ein Amerikaner, natürlich in Badehose. Fünf Frauen im Evakostüm sind ihm dann wohl doch zu viel und er meint, er wäre lang genug da gewesen und mache uns Platz. Etwa 50°C schätze ich. Es dauert schon einige Zeit, bis der Körper reagiert. Wir singen Kraftlieder für Mutter Erde und Silka erzählt von den Traditionen und Legenden der Hawai’ianer.
Hoóponopono - vergib bevor die Sonne untergeht
Wir sitzen im Garten von Onkel Roberts, einem großen Mann, Mitte sechzig schätze ich. Er ist ein Kahuna, ein Heiler. Er kennt die Rituale und engagiert sich u.a. für die Wiederzulassung der hawai’ianischen Sprache an den Schulen. Er sucht die Bauplätze für ein neues Haus aus und weiht es vor dem Einzug. Die Namen der Neugeborenen bespricht man mit ihm und er pflegt in seinem Hause den traditionellen Lu’au, ein Festessen mit Musik und Hula-Tanz. Er erzählt uns, wie Pele sein Haus vor 13 Jahren verschont hat und dass er aus Dankbarkeit einen Traditionsgarten für Besucher anlegte. Dann spricht er über ho’oponopono: „Wenn noch irgendetwas offen geblieben ist, man sich geärgert hat oder was auch immer die Gedanken belastet, sprich es aus bevor die Sonne untergeht. Dann kannst Hoóponopono- vergib bevor die Sonne untergeht du ruhig schlafen und den neuen Tag friedvoll beginnen. Das ist gut so. Das sollten alle Menschen machen. Nehmt es mit nach Deutschland! Lebt es den Menschen dort vor!“ sagt er und winkt seinen Sohn Poona heran. „Spiel uns was auf der Ukulele!“ Die Körpergröße dieses Mannes passt für uns so gar nicht zu der wundervollen zarten Stimme, die Geschichten von Liebe und dem Land erzählt ... Dann laufen wir über die Lava zum Meer und jeder pflanzt eine Kokospalme in den schwarzen Sand. Mit segnenden Gedanken übergeben wir sie der Natur, dem Meer, dem Wind, dem Regen und der Sonne und bitten darum dass es in einigen Jahren hier wieder einen schönen Kokospalmenstrand geben möge wie vor 13 Jahren.
Papa K. – the biggest Kahuna (Heiler) from Hawai’i
“Guten Tag Freunde!“ begrüßt er uns, eine Redewendung die ihm aus seiner Zeit in Deutschland in Erinnerung geblieben ist. Papa Kapelino ist ein begnadeter Heiler. „Mein Körper ist 76 und krank, aber mein Geist ist 19 und jung!“ lacht er und erzählt über die Wichtigkeit einer guten tiefen Atmung. Dann bekommt jeder eine Sitzung. Unter seiner Anleitung und unserem Tun verschwindet ein schmerzhafter Knick in Reginas Rücken. Bei mir leitet er an, wo wie zu massieren ist um die Blockade im Hüftgelenk zu lösen und der Schmerz treibt mir die Tränen in die Augen. Papa K. klatscht mir vor Freude mehrmals auf den Hintern und sagt „... das braucht sie jetzt. Sie soll mehr Yoga machen, dann geht es auch wieder weg. Siehst du, schon ist sie still!“ freut er sich. Alle lachen mit – ich auch. Es geht mir auch viel besser. Mit einem kindlichen, schelmischen Augenzwinkern bringt er vieles wieder in Ordnung. Zeigt uns, wie und wo Teeleaf-Blätter zur Heilung oder Segnung verwendet werden oder wie man Hularöcke daraus macht. Ich empfinde diese Begegnungen immer wieder wie ein wertvolles Geschenk.
| Himmel im Abendlicht |
Vom Meeresboden bis zum Gipfel des Mauna Kea gerechnet ist es der höchste Berg der Welt, höher als der Mount Everest obwohl nur 4.205 m über dem Meeresspiegel sichtbar sind. Doch das genügt schon für ewiges Eis und zum Abkühlen der warmen Winde die vom Meer kommen. Sturm und Regen gibt es hier oft. Unglaublich farbintensive Regenbögen ganz knapp über dem Erdboden sind zum Greifen nahe und doch unfassbar. Den ganzen Tag bläst und regnet es schon. Auf der Suche nach einem alten Fischerdorf entdecken wir im Nordwesten den Puukuola Heiau, einen großen Tempel aus Lavasteinen gesetzt. Im Buch „Haifischfrauen“ wird diese Bucht beschrieben. Hier begaben sich die Kahunas (Heiler) mit einem Boot auf ihre letzte Reise, sie kehrten zurück zu den Haifischen. Der Himmel ist immer noch grau und verhangen, doch es hat aufgehört zu regnen. Beim Betreten der obersten Steinebene meldet sich ein seltsames Gefühl in meiner Magengegend. Ich schaue hinüber zu Regina, sie ist vertraut mit Energiearbeit und schamanischen Ritualen. Die Hand auf den Bauch legend sagt sie „Hier ist nicht nur Gutes passiert“. Ja, genau das spürte ich auch. Ich bat alle ins Tempelzentrum zu kommen um gemeinsam ein Pule, ein hawai’ianisches Gebet der Vergebung zu sprechen. Veränderung war spürbar und wir wiederholten es. Wir sammelten unseren inneren Frieden in der Mitte und ließen in der Vorstellung eine Quelle des Friedens entstehen. Daraus wuchs allmählich ein Springbrunnen der den Tempel, den Ort, die Insel, ja die ganze Mutter Erde mit Frieden überflutete. Mit diesem guten Gefühl gingen wir in alle Richtungen auseinander und nach und nach setzte sich schweigend einer neben den anderen. Gedankenversunken geht der Blick zum kleinen Hafen und auf das Meer hinaus. Erste Sonnenstrahlen schauen dicht über dem Wasser durch die Wolken, so, als würden sie sich langsam einen Weg bahnen. Immer mehr und mehr. Faszinierende Stille, nur die Fotoapparate klicken hin und wieder. Das glaubt uns sonst keiner! Staunend und dankbar nehmen wir diesen wundervollen Sonnenuntergang als Gruß des Universums, des Göttlichen für unsere Friedensarbeit an. Wir hatten nichts erwartet und alles bekommen was die Natur zu bieten hat.
„...da kommst du doch her ...“
... hatte 1998 Valpurga, eine Freundin aus Liberec zu mir gesagt, „weißt du das nicht mehr?“ Tatsächlich. Bereits bei meiner ersten Reise im Jahre 2001 hatte ich ein Gefühl von „nach hause kommen“. Jedes Jahr kann ich es stärker empfinden, werde begrüßt wie eine die dazu gehört, nie weg war. Dankbar und respektvoll entdecken wir immer wieder einen dieser Schätze, bewahrte Traditionen Hawai’is nach über 110 Jahren amerikanischer Annektion. Den Aloha-Spirit, die tief vom Herzen her gelebte Liebe hier zu leben, fällt mir von Jahr zu Jahr leichter. Zum Glück ist es ansteckend und verbreitet sich. Das tut gut. Vielleicht spürst du es schon?
Aloha und a hui hou (bis bald)
Ilona Strohschein arbeitet als Coach und Ausbilderin in Neustadt/Sachsen. Sie leitet und begleitet in jedem Jahr eine Studienreise nach Hawai’i zur Ausbildung in Lomilomi- Massage. Der dazu notwendige Aloha-Spirit wird vermittelt durch Yoga, Meditation, Dolphin-, Exstatik- und Hula-Dance sowie dem Besuch von Kraftplätzen.






