Reifezeugnis für Körper, Geist und Seele
Autorin: Christiane Thomas
Das von Rudolf Steiner entwickelte anthroposophische Menschenbild in seiner Einheit von Körper, Geist und Seele findet sich auch in seiner Pädagogik, nach der in den Waldorfschulen gelehrt wird, wieder. Bereits in den Untersuchungen zur Schulreife wird daher auf den Gleichklang dieser drei Komponenten großen Wert gelegt. Dr. Andreas Ossapofsky ist einer der Schulärzte der Dresdner Waldorfschule und wird die Schüler durch die gesamte Schulzeit hindurch begleiten. Doch zunächst können die Eltern in drei Elternabenden ihn und die Pädagogen kennenlernen.
Möglichst spät, etwa im März, April des Einschulungsjahres, dürfen dann die künftigen Schulanfänger zeigen, was sie drauf haben. Dazu finden sie sich zunächst in Gruppen zusammen, in denen sie gemeinsam singen, Geschichten erzählt bekommen, selber erzählen und malen, begleitet von zwei Lehrern und dem Schularzt. In den darauf folgenden Einzelgesprächen zwischen dem Kind mit Eltern und dem Arzt bzw. Lehrer können die individuellen Eigenheiten jedes Kindes noch genauer beobachtet und besprochen werden. Arzt und Lehrer achten darauf, ob das Kind bestimmte Lerninhalte schnell und ohne großes Üben erfassen und ob es sich spontan an nebenbei Gelerntes erinnern kann.
„Freudiger Lernwille“ ist ein Ausdruck, den Dr. Ossapofsky hinsichtlich der geistigen Schulreife gern verwendet. Daneben schaut er genau auf die körperliche Entwicklung des Kindes, fragt nach dem ersten Wackelzahn, beobachtet das Laufen, Hüpfen und Rennen. Ein wichtiger Anhaltspunkt für ihn ist der Körperbau, der sich in der Entwicklung vom Kleinkind zum Schulkind deutlich wandelt: Der Kleinkindbauch verschwindet, die Hüfte zeigt eine Taille. Patschhändchen und Speckbäckchen wandeln sich in strukturierte Hände und neue Gesichtszüge. Auch das Hüpfen über eine Linie und Einbeinübungen zur Überprüfung des Gleichgewichts gehören zum Programm.
Beim Abhorchen des Herzens, so Dr. Ossapofsky, geht es ihm nicht nur um den organischen Befund, sondern auch um Hinweise auf die soziale Reife, auf die er aufgrund der Herztöne schließen kann. Selten hat er bisher Kinder vor dem 6. Lebensjahr eingeschult, denn dabei werden die Kinder oft sozial überfordert, was ihrer Gesundheit schaden kann. Das wichtigste Ziel der Waldorfschule, so Dr. Ossapofsky, ist die körperliche, geistige und seelische gesunde Entwicklung der Kinder.
Im Internet: Freie Waldorfschule Dresden
Veröffentlicht am 16.01.08 um 08:48 Uhr




