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Brauchtum im Jahreskreis: Weihnacht
Autor:Andre K. Buchheim (27.11.2005)

Brauchtum im Jahreskreis: Weihnacht
Brauchtum im Jahreskreis: Weihnacht
Die Weihnacht ist ein Fest, welches schon unseren Urahnen heilig war. Sie nannten es Jul, was soviel wie Rad bedeutet und für das Rad der Zeit steht, welches an diesen Tagen kurz stillsteht. Daher auch der Begriff der „stillen Nacht“. Viele der überlieferten Bräuche lassen sich nur aus Sicht des Schamanismus und der Naturreligion erklären.

Vor dem eigentlichen Fest ist die Adventszeit, und es war üblich, zu diesen vier Sonntagen sich die vergangenen Vierteljahre anzuschauen und sich zu überlegen, was gut war und was man besser machen könnte. Das Fest selbst ging früher länger, es dauerte vom 21. Dezember, der eigenlichen Sonnenwende, bis in den Januar hinein, meist bis zum 6. Januar.

Sonnenwende, dieser Begriff bezieht sich auf eine Besonderheit. In allen alten Traditionen spielte die Sonne eine besondere Rolle. Ihre vier Hauptfeste waren die Sonnenwenden und die Tag- und Nachtgleichen. Wie der Name schon sagt, hat das was mit dem Sonnenstand zu tun. Im Fall der Wintersonnenwende ist dies die längste Nacht und der kürzeste Tag im Verlauf des Jahres, der Weg in die zunehmende Dunkelheit endet und das Licht siegt. Diese Wiedergeburt des Lichtes stand im Zentrum der Feierlichkeiten.

n Skandinavien ist bis heute der Julblock Teil der Feierlichkeiten: das Herdfeuer durfte das ganze Jahr über nicht erlöschen, einzig zur Sonnwendzeit wurde es bewußt ausgemacht und ein großer Holzblock, meist aus Eiche oder einem fruchttragendem Baum, trug als einziger den Lebensfunken durch den Tod des Herdfeuers weiter. Dieser Block wurde von den ältesten Frauen der Familie gehütet, verlosch seine Glut, wurde dies als schlechtes Omen gedeutet. Seine Asche jedoch wurde mit Wasser vermengt und hatte Heilkraft und den Segen der Fruchtbarkeit, deshalb wurde sie auch den Tieren mit ins Essen gemischt und auf die Felder gestreut.

Später wurde dieser Brauch durch den Julleuchter vereinfacht. Hier brannte eine Kerze die ganze Zeit im Leuchter, an welcher das neue Licht entzündet wurde. Die Tage der Dunkelheit zwischen 21. und 24. Dezember wurden in Schweigen begangen, um am 24., der Nacht der Mütter, die Wiederkunft des Sonnensohnes zu feiern. An diesem Tag wurden die Feuer neu entfacht. Das Licht kehrte zurück.

Auch der Julbock entstammt der alten Tradition, nach dieser kommt der Sonnensohn auf einem Steinbock geritten, astrologisch tritt hier die Sonne auch in das Zeichen Steinbock ein, daher ist es in Schweden Brauch, Steinböcke aus Stroh aufzustellen, die man hierzulande z.B. bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus bekommt.

Dem Weihnachtsbaum voraus ging der Brauch, die Räume mit Tannen-, Kiefern und Stechpalmzweigen zu schmücken. Der Weihnachtsbaum selbst symbolisiert den schamanischen Lebensbaum. Man glaubt, daß der buntgeschmückte Baum wohlgesonnene Naturgeister anzieht, die dann das Haus oder die Wohnung beschützen.

Auch die Mistel genießt hohes Ansehen, zwar war sie die Waffe, die laut Überlieferung den Sonnengott tötete, aber die Druiden glaubten auch, daß sie Teil der Wiedergeburt sei. Oftmals werden Misteln zur Weihnachtszeit golden angemalt, die erinnert an den keltischen Ausdruck vom „Goldenen Zweig“, der das ewige Leben verleihen konnte.

In einigen Gegenden wird als Trankopfer über Bäume und Felder Wein verschüttet, der Erde zur Nahrung, den Naturkräften zur Ehre und um die Fruchtbarkeit zu sichern. In einigen Traditionen wurde des Gottes Frey gedacht, dessen heiliges Tier der Eber war. Daher kommt noch der skandinavische Brauch des Weihnachtsschinkens. Als Totemtier symbolisierte der goldborstene Eber die Sonne, in Form des Schinkens sollte er Glück bringen und auch unser „Glücksschwein“ oder der Begriff „Schwein gehabt“ kommt daher.

Auch Gebäck spielt eine große Rolle, so Symbolgebäck und andere süße Leckereien. In der „Heiligen Nacht“ wurde von Sonnenuntergang bis Mitternacht stündlich eine Glocke geläutet, da böse Geister in dieser Zeit besonders aktiv sein sollen und so vertrieben werden konnten. Struhseile wurden um Bäume gebunden mit den Worten: „Schlafe nicht, Baum, Frau Holda kommt.“ Denn Holda, die holde Muttergöttin, war es, die den Sonnensohn wieder das Leben schenkte.

Die Zeit zwischen 24. Dezember und 6. Januar sind als die Rauhnächte bekannt. In ihnen ist besonders reger Verkehr in der geistigen Welt und man wurde zu Vorsicht gemahnt, denn Frau Holda, die spätere Frau Holle, und Allvater Wotan ritten aus zur Wilden Jagd, in welcher geknechtete Seelen, die noch nicht der Unterwelt entkommen durften, dies aber in der Zeit der Verdunkelung des Lichtes taten, zurückgetrieben werden. In dieser Zeit sollten Fenster und Türen geschlossen gehalten werden, damit die Geister nicht ins Haus kamen, Weihrauch und heiliges Wasser kamen zur Anwendung, um die Häuser und Stallungen zu schützen und es durfte keine Wäsche gewaschen und draußen aufgehängt werden, damit sich die dunklen Energien nicht in dieser verfingen und so mit ins Haus getragen werden konnten.

Es durfte auch nicht ausgemistet oder gedroschen werden, denn auch dies konnte dunkle Kräfte anziehen. Überhaupt war es besser, in dieser Zeit nicht zu arbeiten, sondern zu feiern und Orakel zu befragen.

Schneidet eine Jungfrau zum Beispiel eine Zwiebel des Abends und streut Salz darauf, so soll sich da das Bild des kommenden Liebsten zeigen.  Wer zur Weihenacht um Mitternacht sich Stirn und Augen an einer heiligen Quelle wusch konnte hellsichtig werden und die Wilde Jagd beobachten.  Ebenso konnte sie derjenige hören, der sich zu diesem Zeitpunkt an einem Kreuzweg aufhielt, an dem 3 Wege sich kreuzen, jedoch ist sollte beides mit Vorsicht zu genießen sein.  Wem Allvater Wotan besonders gnädig war, dem konnte er das Wasser in Wein verwandeln, wer davon trank, dem offenbarte sich der Reichtum der Erde und er verstand die Sprache der Tiere.  Zum Heiligabend wurden auch die Scharniere der Türen und Truhen im Haus eingefettet, und zwar mit dem Schmalz des heiligen Ebers, um Glück und Wohlstand anzuziehen.  Wer aber eine Tür laut zuschlägt, auch in den Rauhnächten, dem ist Blitz, Hagel und Brand im nächsten Jahr sicher.  Alles, was man verliehen oder sich geliehen hat, sollte wieder im Hause sein oder zum eigentlichen Besitzer zurückkehren, auch dies sichert Glück und Wohlstand.  Weder durften Haare noch Nägel geschnitten werden, denn dies zog Unglück und Krankheit an.  Den schwarzen Hexen sagte man nach, an diesen Tagen ihre Nägel absichtlich zu schneiden und zu vergraben, damit die Toten sie mit in die Unterwelt nehmen und das Schiff Naglfar, welches aus den Nägeln der Toten gebaut wurde, schneller fertig zu stellen, denn auf diesem würden dereinst die Feinde der Götter aus der Unterwelt kommen und das letzte Gericht, Ragnarök, sollte beginnen.  Zu dieser Zeit jedoch sollen auch Heilkräuter ihre höchste Heilkraft entfalten, wenn man einen Segen Ã¼ber sie spricht.  Die Träume dieser 12 Nächte können aufschluß geben, was in den nächsten 12 Monaten zu erwarten ist. Wobei die erste Nacht für den Januar, die zweite für den Februar usw. steht.  Auch das Wetter spielt eine Rolle, ist es besonders stürmisch in dieser Zeit, werden im nächsten Jahre besonders viele Menschen sterben. Rauhreif, Nebel und Schnee dagegen deuten auf Glück und Wohlstand hin. Wie das Wetter sich verhält, so wird es auch das Jahr Ã¼ber sein, und zwar so, daß jeweils 6 Stunden des Tages einen Viertelmonat anzeigen.  In einigen Gegenden Deutschlands, in den Alpengebieten, finden um diese Zeit die Perchtenläufe statt. Menschen maskieren sich als Hexen und Naturgeister und ziehen lärmend durch die Gemeinden.  Diese Perchtenläufe fallen zumeist auf das Ende der Festlichkeiten, in die Nacht zum 6. Januar, und sollen dazu dienen, böse Geister zu vertreiben.  Ebenso in dieser Nacht werden Fenster und Türen geöffnet, um das Böse zu vertreiben und das Glück ins Haus zu lassen. Die Weihe von Gegenständen mit Salz, Wasser und Kreide ist Ã¼blich.  Eine Wünschelrute (oder ein Pendel), welche an diesem Tage eingeweiht wird, ist unfehlbar.  Scheint am 6. Januar die Sonne, so wird es ein friedliches Jahr.

Und mit diesem Wunsch will ich enden und hoffe, ein paar interessante Anregungen gegeben zu haben.


Autor:Andre K. Buchheim (27.11.2005)

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