Die Frau durchläuft einen neuen Lebensabschnitt, indem ihre spirituellen Fähigkeiten und intuitiven Kräfte wachsen. Seit je her wurden in den alten Kulturen ältere Frauen als Heilerinnen und Ratgeberinnen verehrt und mit großer Würde behandelt. Wechseljahrsbeschwerden im heutigen Sinne waren damals nicht verbreitet.
Im Ayurveda wird jeder Mensch als einzigartiges Individuum angesehen und Gesundheit ist das dynamische Gleichgewicht der körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte. Ob sich ein Organismus im Gleichgewicht oder im Ungleichgewicht befindet, erkennt man am Zustand der Doshas. Dosha bedeutet übersetzt Körpersaft oder Bioenergie. Laut der ayurvedischen Lehre gibt es drei Doshas. Diese bilden sich aus den fünf Elementen Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Durch die Verteilung und Gewichtung der drei Doshas Vata, Pitta und Kapha wird die Struktur des individuellen Körpers und Charakters bestimmt. Die Doshas werden als Funktionsprinzipien angesehen:
Vata verkörpert das Bewegungsprinzip, Pitta das metabolische Prinzip und die Umsetzungskraft und Kapha manifestiert sich als Kraft der Synthese, Struktur und Stabilität. Aus der individuellen Ausprägung und Verteilung der Doshas resultiert die Konstitution (Prakriti) des Einzelnen, die dann als Vata-, Pitta-, Kapha- oder Mischtyp (z.B. Vata-Pitta, Pitta-Kapha) bezeichnet wird.
Bei einem gesunden Menschen befinden sich die Doshas in einem individuellen Gleichgewicht. Krankheiten sind ein Ergebnis von einem Dosha-Ungleichgewicht, das sich nun negativ auf die Körpergewebe (Dhatus) und den Stoffwechsel (Agni) auswirkt.
Die verschiedenen Hormon- und Lebensphasen der Frau haben eine intensive Wirkung auf das körperliche und energetische Gleichgewicht der Doshas. So führt z.B. ein gestörtes Kapha zu Müdigkeit, Depressionen und Lustlosigkeit vor der Menstruation, Zysten und Übelkeit. Eine Vata-Störung zeigt sich unter anderem in einer sehr starken und schmerzhaften Menstruationsblutung, Schlaflosigkeit, Nervosität und starken Wechseljahrsbeschwerden. Gerät Pitta aus dem Gleichgewicht, so reagiert der Körper mit Hautreizungen und Hitzewallungen.
Aus ayurvedischer Sicht kennzeichnen die Wechseljahre den Abschnitt im Leben einer Frau, in der sich das natürliche Pitta abschwächt und die von Vata dominierte Zeit des Alters beginnt. Leidet eine Frau unter Beschwerden in der Menopause, so sind diese auf Vata- und Pitta-Störungen zurück zu führen: Überschüssige Pitta-Anteile bewirken Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Hautirritationen, ein erhöhtes Vata kann zu trockenen Schleimhäuten, schwacher Libido, Osteoporose und Schlaflosigkeit führen.
Die ayurvedische Frauenheilkunde zur Behandlung der Wechseljahrsbeschwerden basiert auf dem alten Wissen des Rasayana (Wissenschaft von Verjüngung), Vajikarana (Wissenschaft von den Aphrodisiaka) und Kayachikitsa (innere Medizin). Mit wirkungsvollen Heilkräutern, typgerechten Ernährungsempfehlungen, ausgleichenden Massagen und Öltherapien, Yoga- und Atemübungen erhält die Frau ganzheitliche Behandlungsmethoden für ihr körperliches und psychisches Wohlbefinden.
Praktische Empfehlungen bei Wechseljahr-Beschwerden
Bereits bei den ersten Menopause-Symptomen wie z.B. ein unregelmäßiger Zyklus, emotionale Unausgeglichenheit, depressive Verstimmungen und Hitzewallungen, ist es für Frauen sehr empfehlenswert, alle sauren und scharfen Speisen zu vermeiden. Zitrusfrüchte, Tomaten, Alkohol, Kaffee, Käse, Joghurt und scharfe Gewürze wie Chili, Pfeffer und Meerrettich bringen die Doshas nun noch mehr aus dem Gleichgewicht und bewirken eine Verschlackung in den Geweben (Dhatus) und Körperkanälen (Srotas). Dies kann im weiteren Stadium leicht zu massiven Beschwerden und Krankheitsbildern führen.
Bevorzugen Sie stattdessen alle Wurzel- und Blattgemüse, milde Gewürze und Küchenkräuter wie Koriander, Kurkuma, Ingwer, Fenchel, Basilikum und essen Sie täglich etwas Knoblauch und Kresse. Frische Milch, Hülsenfrüchte, Nüsse und Trockenfrüchte sind ebenfalls sehr zu empfehlen und stellen wertvolle Vitalstoffspender und eine natürliche Anti-Aging-Therapie dar.
Treten starke Hitzewallungen auf, so ist der regelmäßige Genuss von grünen Salaten, Rohkost und von bitterem Gemüse (wie Spinat, Mangold, Artischocken), Melonen, Gurken und Bananen sinnvoll. Zusätzlich helfen täglich 3 Tassen kühlender Kräutertee aus 1/2 EL Koriander-, Cumin- und Fenchelsamen. Auch Salbei, Frauenmantel und Zinnkraut zeigen eine ausgleichende Wirkung. Lutschen Sie bei jeder Hitzewallung das Innere einer Kardamomkapsel und bevorzugen Sie frische Gurken und Melone als Zwischenmahlzeit. Starke körperliche Anstrengung, Sauna und Schwitz- kuren sollten gemieden werden. Eine regelmäßige Fußmassage mit Ghee (reines Butterfett) und eine Kopfmassage mit Kokosöl leiten die gestörte Pitta-Energie aus, kühlen und entsäuern den gesamten Organismus. Ebenso helfen regelmäßige Ganzkörper-Ölmassagen und Bäder mit Lavendel, einem ayurvedischen Pitta-Öl oder Kshirabala Thailam.
Zu den traditionellen Ganzkörperbehandlungen für Frauen gehört speziell die Samvahana, eine sehr entspannende, verjüngende und sinnliche Massage, in der die Frau mit einem zarten Seidentuch, Bürsten, Pinseln und wertvollen Ölen massiert und gesalbt wird. Diese besondere Massage kann man bei ausgebildeten Ayurveda-Therapeutinnen erhalten.
Die klassischen Ayurveda-Rezepturen (Rasayanas) zur Verjüngung, Vitalisierung und Hilfe bei Wechseljahrsbeschwerden werden aus pflanzlichen und mineralischen Rezepturen hergestellt, wie z.B. heiße Milch mit den aufbauenden Heilkräutern Safran, Ashwagandha und Zimt oder ein Mus aus Mandeln, Rosinen, Süßholz, Shatavari (Spargelwurzel) und Kardamom.
Die ayurvedische Medizin kennt über 50 aufbauende, verjüngende und aphrodisierende Rasayana-Pflanzen und Heilkräuter. Zu den Wichtigsten für die Zeit der Wechseljahre gehören Shatavari (Asparagus racemosus), Amalaki (Phyllanthus emblica) und Tulasi (Ocimum sanctum). Hier helfen bereits täglich 2-3 g mit etwas Milch und Honig, um neue Lebensenergie und gesunde Körpersubstanz zu spenden.
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