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naturel>Leser>Archiv>Ausgabe 11/04 naturel>Leser>Themen>Selbsterfahrung |
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Avatar - die Reise in die Schaltzentrale des Bewusstseins
Autor:Sandra Hajdic (09.11.2004)
In den letzten Ausgaben von naturel stellten wir Ihnen eine Methode der Selbsterfahrung -den Avatar-Kurs - vor. Dieses Thema stieß auf reges Interesse und zahlreiche Leserfragen erreichten uns. Viele Interessierte wollten mehr wissen zum inhaltlichen Ablauf des Kurses, daher können Sie heute noch einmal Auszüge aus einem Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin an einem Avatar-Kurs lesen. „Verdammt, ich bin nicht glücklich! Nicht glücklich, hörst Du!!!“ bricht es aus dem ansonsten ruhigen und disziplinierten Mark heraus. Noch nie habe ich ihn so aufgebracht erlebt. Er sich selbst auch nicht. Und er setzt noch nach: „Ich will nicht glücklich sein!“ Bernd Monecke, der Trainer, lächelt verschmitzt ... Wir sind bei einem neuntägigen Avatar-Seminar in Berlin. Wir, das sind fünf Leute und drei Trainer: Brigitte, Judith und Bernd. Avatar ist ein Bewusstseins - und Wahrnehmungstraining, das zu tiefen Einsichten und einem größeren Verständnis seiner selbst führt. Es gleicht einer „Selbstermächtigung“, denn wir lernen, Kraft des eigenen Bewusstsein und mit Leichtigkeit unser Leben zu gestalten, anstatt vom „Schicksal“ abhängig zu sein.
Der erste Teil dauert zwei Tage, dient der Orientierung und heißt „Resurfacing“, was Wiederauftauchen bedeutet. Damit ist gemeint, dass das Bewusstsein der Kursteilnehmer sich von starren Denkmodellen und sturen Gewohnheiten löst und wieder Klarheit gewinnt. Als würde man nach langer Zeit in trüben, dunklen Gewässern plötzlich die Klarheit des Tages sehen. Spielerisch erobern wir uns neue Sichtweisen auf alte Probleme und bemerken, dass unsere Aufmerksamkeit und Willenskraft gestärkt wird. Die Gruppenprozesse, die sich oft an die Einzelübungen anschließen, werden von den Einzelnen sehr individuell erlebt, bringen sie doch unsere innersten und ureigensten Muster zum Vorschein.
Am Ende haben wir neue Einsichten und eine unmittelbare Erfahrung jener Motive und Prinzipien, die unser individuelles Bewusstsein steuern. Diese Motive und Muster sind die Forschungsobjekte der abschließenden Übungen am Ende des zweiten Tages, eröffnen sie uns doch neue Perspektiven und entlassen uns mit dem euphorischen Gefühl nach Hause, ein Neubeginn in unserem bisherigen Leben sei absolut möglich. Teil II bringt Entdeckungen und große Überraschungen mit sich. Das sind die vielen plötzlichen Erkenntnisse über das eigene Sein und die zahlreichen „freiwilligen“ Selbstbeschränkungen, die wir uns auferlegen, ohne diese destruktiven Handlungen jemals als solche wahrzunehmen oder gar in Frage zu stellen. Ab jetzt wird nicht mehr in Gruppen, sondern vor allem individuell gearbeitet, wobei die Trainer immer in der Nähe sind um helfend oder erklärend einzugreifen. Sie schaffen einen Raum, in dem sich jeder für seine eigenen großen und kleinen Fragen öffnen kann. Die zahlreichen „Wahrnehmungs- und Fühlübungen“, die man in den ersten zwei Tagen macht, dienen dazu uns zu sensibilisieren und die ständigen gedanklichen Dialoge, denen wir alle unterliegen, anzuhalten. Ich spüre immer mehr, dass mein ganzes Weltbild zusammengesetzt ist aus vielen Meinungen und Überzeugungen, die ich mir gebildet habe, um mich als Person zu definieren. Ich nehme es wahr als eine Art energetisches Korbgeflecht, das ich um mich herum gebaut habe, um mich zu identifizieren und mir die Welt zu erklären. Es ist hilfreich, wo es Halt und Zugehörigkeit bietet, an anderen Stellen empfinde ich es als drückend, weil es mich festlegt und einengt. Allmählich begreife ich, dass ich die Freiheit habe diese Dinge zu behalten, wenn sie mir angenehm sind, aber auch aufzulösen, wo sie sich schmerzhaft und hinderlich auswirken. Ich erkenne, dass ich die Möglichkeit habe, Dinge, die ich bisher gefühlsmäßig als negativ bewertet habe und die mich deshalb belasten, loszulassen um frei von ihnen zu sein. Ich beginne zu begreifen: Wir gestalten unsere Welt selbst. Mit allem was dazugehört: unserer Umgebung, unseren Gefühlen, unseren Problemen und unserem Glück. Dafür die volle Verantwortung zu übernehmen ist eine zwingende Konsequenz: es gibt keine Möglichkeit mehr die Schuld für das eigene Schicksal anderen in die Schuhe zu schieben. Ganz schön anstrengend, aber auch sehr erwachsen. Doch gerade darin liegt eine große, ja maximale Freiheit, die jeder in sich trägt: „Wenn ich das alles, was bisher mein Leben war, selbst geschaffen habe, dann kann ich mir auch andere Dinge erschaffen, solche die mir besser gefallen, die ich mir sehnlichst wünsche“. Ein Highlight des Avatarkurses sind die Techniken des „Kreierens“, des selbst Erschaffens von neuen, wünschenswerten Wirklichkeiten. Eine der „Fingerübungen“ ist der einfache, aber sehr elementare und tiefgreifende Satz „Ich bin glücklich ich selbst zu sein“. Diesen Satz zu „kreieren“, das heißt wirklich tief und widerspruchslos zu meinen und zu fühlen, ist ein Prozess, der sehr viel unfreiwillige Komik, emotionale Ausbrüche jeder Art und ein tiefes Verständnis des eigenen Selbstwertgefühls beinhaltet. Am Ende setzt ein Glücksgefühl ein, das manch einer von uns zum ersten Mal erlebt hat: sind wir es doch alle nur zu lange und selbstverständlich gewöhnt uns selbst nieder zu machen. Spätestens hier begreifen wir Kursteilnehmer unsere grenzenlosen Möglichkeiten, aber auch die Vielzahl der selbst geschaffenen Hindernisse. All diese Meinungen über uns selbst, die Gefühle von Unzulänglichkeit oder von Schwäche stehen uns deutlich vor Augen. Sie aufzulösen, zu „diskreieren“, ist Inhalt von Teil III des Avatarkurses. Hier lernen wir, unter intensiver Betreuung der Trainer uralte Muster zu knacken und uns von Dingen zu lösen, die uns anhaften und die wir nicht mehr in unserem Leben haben wollen. Dies können Traumata sein, Süchte oder Erinnerungen und Gefühle. Mit einer speziellen Technik werden alte, behindernde Begrenzungen, Identitätsmuster und besonders hartnäckige Zustände gelöst. Dieser Prozess ist äußerst tiefgreifend und holt uralte Dinge wieder aus dem Unter-bewusstsein hoch, um sie sanft aufzulösen. Nicht selten fließen dabei heilsame Tränen, doch intensive Gefühle der Erleichterung lösen die Trauer ab und lassen einem Gefühl von Befreiung Raum. Für Mark war es am Ende einfach über sich selbst zu lachen. Und glücklicher ist er jetzt auch, denn er fühlt sich authentischer. Und sollte er mal wieder in alte Muster abrutschen, weiß er, was er tun kann um sich selbst wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Und ich? Ich habe noch Wochen nach dem Kurs das Bedürfnis, alten Ballast aus meinem Leben zu diskreieren, was ich dann auch ausgiebig tue. Akribisch gehe ich durch die Erinnerungen meiner nicht immer erfreulichen Kindheit und lasse die längst verdrängten Gefühle wieder aufsteigen um sie noch einmal zu durchleben, bevor ich mich für immer von ihnen verabschiede. Als es endlich Frühling wird, fühle ich mich wie um Tonnen erleichtert. Das erste Mal seit über einem Jahr gehe ich mit meinem Ex-Freund essen und es wird ein sehr schöner Abend, der unsere alte Freundschaft neu begründet und uns von der Vergangenheit Abschied nehmen lässt. Autor:Sandra Hajdic (09.11.2004) |
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