| Chanukka-Leuchter: Esra Voglgsang entzündet die Kerzen am Chanukka-Leuchter. |
Mit diesen Zeilen möchte ich ermutigen, bereit zu sein, zu einer ganzheitlichen Betrachtung aller Dinge des Lebens. Es beginnt bereits damit, alle Dinge des Lebens als Geschenk zu betrachten. Geschenke, die uns helfen, unsere Stärken und Schwächen zu erkennen, ohne dabei seinen eigenen Stand zu verlieren, sondern vielmehr, um zu einem klaren Verständnis unseres Lebenssinnes zu kommen und den Mut und die Freude zu haben, diesen auch zu leben. Geschenke zur Einweihung ins Leben. Dabei geht es mir nicht um philosophisch - theologische Erörterungen, sondern um das ganzheitliche Mensch-sein.
Ich will also aus einer bestimmten Realität heraus von diesem 25. Kislev und seinen acht Festtagen und dem 25. Dezember und seinen acht Festtagen erzählen. Im Bauernkalender und anderen christlichen Kalendern werden die 8 Tage von der Geburt Jesu bis zum 1. Januar als eine achttägige Einheit betrachtet. Am 1. Januar ist in diesen Kalendern „Namensgebung des Herrn“ oder „Beschneidung des Herrn“ zu lesen. Noch heute findet im jüdischen Leben die Beschneidung und Namensgebung eines Jungen am 8. Tag nach der Geburt statt.
Die Geschichte um Chanukka
Am 25. des Mondmonats Kislev (innerhalb November und Dezember, aber alle 4 Jahre genau am 25. Dezember), also am 25. Kislev, findet Chanukka, das achttägige jüdische Lichterfest statt. Es wird an die Einweihung des Tempels in Jerusalem erinnert, nachdem die Makkabäer die Griechen besiegt und vertrieben hatten. Zum Zünden der Lichter fand man nur noch einen kleinen Krug reinen Olivenöls, das normalerweise nur für einen Tag gereicht hätte. Zum Wunder und zur Freude Aller reichte diese kleine Menge Öl acht Tage lang. Der achte Tag hat in der Kabbala die Bedeutung der kommenden Welt und mit dem siebten Tag wird die gegenwärtige Welt bezeichnet. Dem Geist G‘ttes wird durch das Öl Ausdruck verliehen. (Die Schreibweise „Gottes“ ist kein Fehler, sondern hängt mit der Heiligkeit des Namens zusammen. Aus Ehrfurcht wird der Name G‘ttes nicht ausgeschrieben.)
Auf dem Chanukkaleuchter wird zunächst nur eine Kerze gezündet, um dann an jedem weiteren Tag eine Kerze hinzuzufügen, bis am Ende des Festes acht Lichter auf dem Leuchter strahlen. Die historische, zeitliche Form ist die Schale, die wie ein Schutzmantel um den heiligen Kern geschlungen ist. Der Zeitbegriff, wie wir ihn in unserer Welt kennen, gilt nicht für die Thora (Bibel).
Eines der Prinzipien zum Verständnis der Thora gibt der Ausspruch „ein mukdam ve me´uchar ba thora“ (es gibt kein vorher und nachher in der Thora ) zu erkennen.
In diesem Zusammenhang ist es auch der Brauch, die Kerzen auf dem Chanukkaleuchter stets in der Reihenfolge von links nach rechts anzuzünden, obwohl die erste Kerze am ersten Tag rechts am Leuchter gesteckt wird. Das Stecken der Kerzen erfolgt also von rechts nach links, das Anzünden von links nach rechts. Wachstum geht analog der kausalen Entwicklung von Ost nach West. Das Finden seiner Bestimmung wird durch das Zünden von links nach rechts zurück zum Ursprung symbolisiert. Das Letzte ruft das Vorhergehende hervor. Alles ist im Bündel des Lebens eingeschlossen.
So hat die Überlieferung in der Halacha (der tägliche Weg) das Anzünden der Lichter für Chanukka entgegen der Richtung der logischen Entwicklung eingerichtet - kein einschränkendes lästiges Brauchtum, sondern tiefstes Wissen vom Ursprung. Es geht darum, die rituellen Handlungen bewusst zu vollziehen und die Tiefe ihrer Botschaft zu verstehen. Das gleiche gilt für das Christentum.
Ich möchte Mut machen, das Judentum und Christentum authentisch persönlich zu erleben und im Jahreszyklus der Feste nicht am historischen Erinnern stehen zu bleiben, sondern zu verstehen, dass jedes Ereignis in der Thora auch heute noch für mich und unsere Welt zutrifft. Nichts hat Zufallscharakter!
Und deshalb muss man sehr aufpassen, dass man Dinge nicht an der Zeit festheftet.
Zahlen erzählen vom Kern
Wir sprechen Namen aus, nennen Ereignisse und bleiben nur an der Oberfläche stehen, befassen uns nur mit der Schale und übersehen den heiligen Kern. Zahlen erzählen vom Kern. Wir finden in jeder Religion und in jeder Kultur Zahlen, die von einer tiefen Bedeutung erzählen. Wenn wir diese näher betrachten, erkennen wir sehr oft, dass die Bedeutung der Zahl im Kern dasselbe erzählt und nur die Darstellungsweise sich der jeweiligen Kultur oder Religion anpasst.
So erkennen die Indianer u.a. in der Zahl „4“ die Welt der Steine, Pflanzen und Tiere, bevor der Menschen als der Vierte erscheint. Nur auf der Grundlage des Vorhergehenden kann er Mensch sein. Im Judentum sprechen wir von den vier Welten, Olam Azilut (Welt nahe bei G‘tt), Olam Bria (Welt der Schöpfung), Olam Jezira (Welt der Formwerdung) und der jetzigen Welt, der Welt Assia (Welt des Tuns). Es wird erzählt, dass sich die Welt von ihrem Ursprung her immer mehr verdichtet, bis sie in der Materie, wie wir sie kennen, erscheint. Vom Urlicht, dessen Symbol das Gold darstellt, bis zur festen Materie.
Auch der Adventskranz mit den vier Kerzen weist auf die vier Ebenen, auf die vier Welten und die vier Elemente hin. Unsere Welt ist die, in der die Entscheidungen stattfinden. Das alte Wissen nennt unsere Welt die vierte Welt, in der die drei vorhergehenden Welten zusammenkommen. In diesem Zusammenhang steht auch der Besuch der drei Könige aus dem Osten, die den Vierten suchen. Darauf werde ich noch später zurückgreifen.
Nicht nur die Naturwissenschaften unserer grobmateriellen Welt benutzen die Zahlen um Deutlichkeit und Gemeinsamkeiten zu unterstreichen. Sind nicht vielleicht gerade die Zahlen der umfassende Schlüssel, dessen Gültigkeit jenseits einzelner Religionen und ihrer Grenzen liegt?
Die Zahlen als Nussknacker
Gerade an Chanukka spielen die Kinder gern mit Nüssen, wobei die Überlieferung besonders darauf hinweist, nicht mit den Schalen zu spielen, sie jedoch auch nicht achtlos zu zerstören, denn die Schalen verbergen, schützen aber auch den Kern. Lassen wir die Worte selbst zu uns sprechen: Im Wort Chanukka finden wir auch das Wort „chen“, das Gnade bedeutet. Im Hebräischen wird die Grundstruktur der Worte nur durch die Konsonanten gebildet, und erst die nichtgeschriebenen Vokale beleben das Wort. Die Konsonanten stellen den Körper dar und der Geist (Vokal) gibt ihm die Wärme und die Möglichkeit hier zu leben. Der Geist bestimmt die Vokale, und die Melodie der Stimme ist Ausdruck der Seele. Der Ruach (Geist) bewegt sich fortwährend lebensspendend zwischen Seele und Körper. Chanukka heißt auch „chanu be kaf hei“, was übersetzt „sie ruhten am 25ten“ bedeutet. Im Hebräischen hat jeder Buchstabe auch einen Zahlenwert, so wie in diesem Fall „kaf“ 20 und „hei“ 5 bedeuten. Die Hauptakteure in der Geschichte von Chanuka heissen „Chashmonaj“. Man findet darin die beiden Wörter „shemen“ (Öl) und „shmone“ (acht).
| Adventskranz |
Es ist bestimmt kein Zufall, dass bereits im Namen der historischen Befreier die weiteren Begriffe versteckt sind, mit denen das Fest auch äußerlich geprägt wird, nämlich mit dem Öl (shemen) und den 8 Tagen (shmone). Da bricht aus einer anderen Welt, aus einer anderen uns unvorstellbaren Dimension, ein Lichtstrahl einer unbekannten Erlösung durch, der darauf hinweist, dass nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen ist, sondern dass alles auf eine ursprüngliche Einheit bei Gott hinweist.
Bei Chanukka sprechen wir von der Erlösung und der Befreiung von den Griechen (Jawan). Im Taldmud und in der mündlichen Überlieferung lehren uns unsere Väter, dass der Ausdruck Jawan u.a. auch ein Remes (Hinweis) auf die Herrschaft dieser Welt darstellt. Dies trifft auch auf die Begriffe Ninive und Mizraim (Ägypten) zu. Mizraim enthält im hebräischen auch das Wort für Leid (zar) und Form (zur) in sich.
Vielleicht bemerken Sie, dass diese Geschichte des 25. Kislev tiefer geht und nicht nur als ein historisches Geschehen stehen bleiben kann. Es geht darum, in Ihnen die Empfindung wachzurufen, dass diese Tage nicht nur zur sentimentalen Erinnerung oder als Rechtfertigung für nationale Machtbestrebungen dienen sollen, sondern unterstreichen wollen, dass diese Ereignisse immer wieder geschehen. Im Zyklus der Zeit ist so ein Moment immer wieder da. Der Augenblick der Erschaffung des Menschen kehrt stets wieder, so wie jeder Tag die Schöpfung aufs Neue ist.
Das Spiel mit dem Kreisel
Warum haben wir einen „Sevivon“ (Kreisel) an Chanukka. Ist es nur ein schönes, veraltetes Spiel oder nur Brauchtum? Heute wird uns doch mehr geboten, wie Computer, Fernseher etc., was viel interessanter erscheint.
So eine Denkweise geschieht, wenn wir es zulassen, dass nur mit den Schalen der Geschichte gespielt wird. Wir sollen aber die Nuss knacken, den Kern finden, den Kreis durchbrechen. Die Überlieferung erzählt uns dazu, dass die Juden trotz des Verbotes durch die Griechen weiter die Thora lernten und ihren Kindern während des Lernens einen Kreisel, in die Hand gaben. Jedes Mal, wenn die Griechen erschienen, spielten die Kinder mit den Kreiseln und die Griechen zogen wieder zufrieden ab. Aber sie wurden getäuscht. Die Hauptsache erkannten sie nicht.
Unsere Weisen erklären weiter. „Der Kreisel zieht Kreise“, und der Kreis bedeutet in den alten Überlieferungen die Gefangenheit im kausalen Denken, das goldene Kalb und das Nehmen vom Baum der Erkenntnis. Die Worte für Kalb und Kreis sind im Hebräischen in der Schreibweise der Konsonanten gleich (egel und igul). Für den Griechen (Symbol für die Herrschaft dieser Welt) ist alles in Ordnung, wenn er sieht, dass sich der Jude mit dem Kreisel des Kausalen beschäftigt.
Wenn man jetzt denkt, dass damit nur der Jude, das Volk der Juden oder die Religion der Juden gemeint ist, spielt man wieder mit den Schalen. Die Nuss knacken bedeutet, sich einmal zu fragen und damit zu beschäftigen, was das Wort „Jude“ aussagt. Den Namen Jehuda (der Ursprung des Wortes Jude) gibt die Mutter Lea ihrem vierten Sohn. Dieser wird in der Genealogie als Sohn von Jakob genannt. Lea sagt: „Ich glückliche, dieses Mal will ich dem Herrn danken“, deshalb gibt sie ihrem Sohn den Namen Jehuda. Der Wortstamm des Namens Jehuda kommt von dem hebräischen Wort „danken“. Doch zurück zur Geschichte. Das Spielen mit dem Kreisel ist nur eine Täuschung. Die Thora wird trotzdem gelernt. Das Akausale bricht durch und bringt die Befreiung vom Griechen, vom kausalen Denken. Während man mit dem Kausalen spielt, es aber nicht nur als alleingültig im Leben erkennt, ermöglicht es den Zugang zum Baum des Lebens.
Und der Baum des Lebens enthält den Baum der Erkenntnis, unser Leben enthält das Kausale, aber nicht nur das Kausale allein.
Die Überlieferung lehrt uns, wenn wir vom Baum der Erkenntnis nehmen und uns nur der Kausalität unterwerfen, so werden unsere geistigen Augen immer mehr verschlossen, und wir können nichts mehr erkennen. Wir verwenden dann die Maßstäbe der Kausalität um das Heilige zu messen, und das bringt nur Verirrung und Verwirrung. Es bringt Rechthaberei und Aggressivität. Der Jude verliert sein Judentum, der Mensch verliert sein Judentum. Der Name Jude sagt folgendes aus: „Ich lobe G´tt“. Und dieser Lob und Dank, diese Emuna (Glaube), ist nicht abhängig vom Kausalen. Nein, gerade wenn uns die kausale
Linie den Untergang prophezeit, dann sollen wir umsonst handeln „be chinam“ (umsonst) und glauben sowie vertrauen, dass alles gut ist, nicht gut im Sinne des Kausalen, aber gut aus der Einheit G`ttes heraus. Denn wenn wir nur glauben und handeln, weil unser kausales Denken es für gut heißt und Belohnung und Ertrag verspricht, dann sind wir Kanaaniter (Kaufleute), (kone = kaufen). Und der Allmächtige befiehlt, diese Kanaaniter auszurotten; nicht den Menschen, sondern diese Denkweise.
Bis jetzt wurde nur der 25. Kislev behandelt, und dabei haben Sie vielleicht bemerkt, dass es sich um etwas anderes als nur eine geschichtliche Betrachtung handelt. Es ist ein durch die Überlieferung geschenkter Weg der Annährung an das Wort und seiner Bedeutung.
Weihnachten und Chanukka
Welche Verbindung besteht nun zwischen Chanukka und Weihnachten? Wir müssen sorgfältig untersuchen, wie sich alles zu einer Einheit zusammenfügt. Denn wenn kein großes Ganzes da ist, ist immer irgendwo etwas verkehrt. Entweder sind wir noch nicht so weit, oder es ist etwas verformt, verdorben. Wir müssen fähig sein, alle Dinge, die sich uns zeigen, so zu betrachten, daß wir ehrlich sind und uns fragen, warum es so ist und worin die Ursache dafür liegt. In welchem Zusammenhang steht nun der 25. Kislev bei den Juden und der 25. Dezember bei den Christen?
| Das Kind im Arm |
Im Judentum beginnt der Tag nicht am Morgen, sondern am Vorabend nach Sonnenuntergang. Somit beginnt der 25. Kislev am Abend des Vierundzwanzigsten, am selben Tag, an dem auch das christliche Weihnachtsfest beginnt. Beide Feste erzählen vom Licht, der Erlösung und einer neuen Welt. Historiker pflegen sehr oft zu sagen, daß dies übernommen wurde. Daraus folgert die Frage. Wer war früher? Ihr oder wir? Das ist das Spiel der kausalen Verflachung, das Spielen mit den Schalen, das sehr oft Streit und Besserwisserei zur Folge hat. Es ist keine Frage des Übernehmens, sondern des Zusammenfallens. Am 25. beginnt die achttägige Zählung, nach der etwas Neues anfängt, ein neues Jahr, eine neue Welt, eine Erlösung. Das Alte entfernt sich weiter und weiter, und in einem bestimmten Augenblick ist es untergegangen. Es erscheint alles hoffnungslos. Aber am Ende, nach dem Untergang, kommt doch das Andere, nämlich die Erlösung. Bei den Mondmonaten spürt man das noch. Bei Neumond, wenn es am dunkelsten ist, ist das Neue bereits vorhanden. Es ist existent, auch wenn es unsere Sinne noch nicht wahrnehmen können. Erlösung ist etwas, was mit unserer Kausalität unmöglich Hand in Hand gehen kann. Wenn dies geschieht, ist Vorsicht geboten. Denn so etwas rottet der König aus, egal, ob er Pharao, Nimrod oder Herodes heißt. Aber er kann nicht etwas ausrotten, wovon er nicht weiß, woher es kommt. Es kommt von irgendwo her. Von einem Ort, den er für ganz unwichtig hält, den er nicht einmal kennt. Und auch die drei Weisen hüten sich, ihm dies anzuzeigen. So kommt also ein Kind an dem Ort „Beth-Lechem“ (Bethlehem) zur Welt, dessen hebräische Bedeutung „Haus des Brotes“ ist. Es ist der Ort, an dem der Weg des Weizenkornes zu Ende ist. Am Anfang ein kleines Korn, das man in die Erde wirft, es keimt, wächst, wird geschnitten, gedroschen, gemahlen und mit Wasser gemischt, zum Teig geknetet und schließlich im Feuer gebacken. So steht am Ende der ganzen Entwicklung das Brot. Das „Haus des Brotes“ ist der Ort, an dem dies alles geschieht, dieses Brot ist Ausdruck der Entwicklung von etwas Nichtigem zu etwas Wichtigem. Es ist das Brot, von dem es heißt, dass es der Körper des Menschen ist, wodurch er in dieser Welt existiert. Der Vierte auf der Grundlage des Vorherigen. In der Überlieferung wird immer erzählt, dass die drei Könige aus dem Osten kommen, um das Vierte, den vierten König zu verkünden. Sie werden von einem Stern von Ost nach West geführt. Osten heißt auf hebräisch „kedem“, was auch „früher“ und „Ursprung“ bedeutet. Die drei Weisen repräsentieren die drei Grundlagen dieser Welt, welche auch im Menschen selbst zu finden sind.Jeder Mensch soll Einswerden mit der Realität des Vorherigen und des Gegenwärtigen. Sie stammen vom Ursprung und folgen dem Stern vom Osten nach Westen. Sie sind ständige Begleiter auf dem Weg der Entwicklung. Sie sind immer gegenwärtig, um das Vierte im Vierten zu suchen und zu verkünden, denn das Wunder der Erlösung wird genau in diesem geschehen.
Dinge von einer anderen Realität aus zu betrachten, heißt ihre Verschiedenartigkeit in der Erscheinung wahrzunehmen und die Einheit darin zu erkennen.
In diesem Sinne ein frohes Chanukka und ein frohes Weihnachtsfest.






