| Aloe Vera Pflanze |
Die besondere Heilkraft der Aloe Vera ist seit mehreren tausend Jahren bekannt. Bereits ihre äußere Gestalt kann bei genauer Betrachtung Auskunft geben über ihre Wirkungsweise: Stachelähnliche Fortsätze an den Blättern weisen auf ihren abwehrenden Charakter hin. Trennt man ein Blatt von der Pflanze, so wird sich die Schnittstelle schnell verschließen, ein Hinweis auf die Wirkung der Pflanze bei der Wundheilung. Die dickfleischigen Blätter dienen als Wasserspeicher, so dass die Pflanze mehrere Monate ohne Feuchtigkeit existieren kann – eine Eigenschaft, die unserer Haut nicht besitzt. In der Hautpflege wird die Aloe Vera daher schon lange verwendet, um die Haut vor dem Austrocknen zu schützen. Überlieferungen belegen, dass bereits die ägyptische Königin Nofretete, Gemahlin Echnatons, vor mehr als 3000 Jahren die Pflanze für ihrer Körperpflege nutzte, ebenso die für ihre Schönheit bekannte Kleopatra.
Die widerstandsfähige Wüstenblume galt für die Priester des Pharaos als „Pflanze der Unsterblichkeit“, die sie auch zur Einbalsamierung der Toten nutzten. Der griechische Arzt Dioskurides aus dem 1. Jahrhundert unserer Zeit beschreibt in seinem Standartlehrbuch „Über Arzneistoffe“ die Wirkungsweise der Aloe Vera. Alexander der Große ließ die Wunden seiner Krieger mit Aloe Vera behandeln, die Rezeptur brachte die Blutungen schneller zum Stillstand und förderte die Wundheilung. Kolumbus soll die Pflanze während seiner Schiffsreisen in Blumentöpfen mit sich geführt haben, um sie als „Schiffsapotheke“ für Notfälle vorrätig zu haben. Auf diese Weise wurde sie vermutlich über viele Erdteile verbreitet, denn heilkundige Jesuitenmönche, die die Seefahrer begleiteten, haben sie überall dort ausgepflanzt, wo sie noch nicht heimisch war, das Klima aber eine Verbreitung ermöglichte.
| Feld: Ursürnglich eine wild wachsende Wüstenpflanze, wird die Aloe Vera heute auf großen Farmen angebaut. |
Wo die Menschen sich der wild wachsenden Pflanze bedienen konnten, nutzten sie deren heilkräftigen Saft entsprechend ihrem Erfahrungsschatz. Schwieriger war es für diejenigen, die nicht einfach in den Garten gehen konnten, um sich ein Blatt der Wüstenlilie zu holen. Mühsam mussten sie selbst eine Pflanze züchten und den Saft aus den angeschnittenen Blättern gewinnen. Amerikanische Farmer kamen daher auf den Gedanken, die Pflanze in großen Mengen auf ihrem Land zu züchten und deren Saft zu verkaufen. So entstanden auf mehreren Kontinenten, in Europa beispielsweise auf den Kanarischen Inseln, große Aloe Vera-Farmen. Die ansonsten anspruchslose Pflanze entwickelt allerdings erst nach drei bis fünf Jahren ihre heilkräftigen Wirkstoffe. Einmal im Jahr werden von einer Mutterpflanze drei Blätter geerntet, zunächst an der Sonne getrocknet, damit sich die Schnittflächen verschließt, und dann weiterverarbeitet. Problematisch dabei ist, dass das aus dem Mark der Aloe Vera gewonnene Gel sehr unbeständig ist. Innerhalb weniger Stunden oxydiert es an der Luft, die Wirkstoffe gehen dabei verloren. Bill C. Coats, ein Apotheker aus Texas, entwickelte Mitte des 20. Jahrhunderts ein Verfahren, mit dem das Gel auf natürliche Weise haltbar gemacht werden konnte. Unter Zusatz verschiedener Antioxidantien, wie Vitamin C und E sowie Sorbit gelang es ihm, das frische Gel für längere Zeit zu stabilisieren.
| Geerntete Aloe Vera in der Kiste: Nur jeweils fünf Blätter werden von einer Mutterpflanze geerntet. |
Heute gibt es zahlreiche Hersteller von Aloe Vera-Produkten. Verbraucher sollten sich daher genauer erkundigen, welche Qualität die Produkte ihres ausgewählten Herstellers aufweisen. Wichtige Kriterien sind dabei u.a. die Verarbeitungsmethode, Konser-vierungsart, Konzentration und Zusatzstoffe. Grundsätzlich sollte man wissen, dass es die Möglichkeit gibt, den Saft aus dem reinen Gel der Pflanze oder aber aus dem gesamten Blatt herzustellen. Verwendet man das gesamte Blatt der Pflanze, also auch die Schale, so können viele wichtige Nährstoffe genutzt werden, die sich in den Jahren vermehrt in der Schale eingelagert haben. Leider sind darunter aber auch Stoffe, deren Wirkung nur selten gewünscht und bei längerer Einnahme schädlich sein kann. Diese sogenannten Aloine haben eine abführende Wirkung und finden nur in bestimmten rezeptpflichtigen Medikamenten ihre Berechtigung. Nur wenigen Anbietern gelingt es, in einem aufwendigen Verfahren den Schalensaft schonend von Aloin zu trennen, um ihn dann mit dem Gel wieder zu vermischen. Vorsichtig sollte man auch bei Präparaten aus Aloe Vera-Pulver sein. Nach dem heutigen Stand gibt es noch kein geeignetes Verfahren, das Blattgel so zu trocknen, dass seine therapeutischen Inhaltsstoffe erhalten bleiben.
400 Inhaltsstoffe nachgewiesen
Zahlreiche Wissenschaftler beschäftigen sich heute mit der Erforschung der medizinischen Eigenschaften der Aloe Vera. Ungefähr 400 Inhaltsstoffe konnten bisher nachgewiesen werden. Für den menschlichen Körper bedeutende Bestandteile sind dabei Vitamine, wie z.B. Vitamin A, C und E, und eine Vielzahl an Mineralien. Die Aloe Vera beinhaltet so z.B. reichlich Eisen und eignet sich daher besonders gut als Ergänzung bei einer fleischarmen oder fleischlosen Ernährung. Weitere mineralische Inhaltsstoffe sind Magnesium, Zink, Kalzium und Phosphor. Die Aloe Vera enthält wichtige Aminosäuren, wie beispielsweise das Lysin und das Prolin, die der menschliche Organismus nicht selbst herstellen kann und die für die Regulierung unseres Stoffwechsels von großer Bedeutung sind. Erwähnt werden soll hier auch das Acemannan, eine langkettige Zuckerform, die in großen Mengen in Aloe Vera-Saft enthalten ist.
Heilkraft direkt aus der Pflanze
| Blattgel der Aloe Vera bei der Verarbeit |
Dieser Stoff stärkt das Immunsystem des Körpers gegen krankmachende Parasiten, Viren und Bakterien und hilft speziell im Bereich der Verdauungsorgane, deren natürliche Bakterienflora wiederherzustellen. Außerdem sorgt es durch seine Einlagerung in den Zellmembranen für ausreichend Gelenkschmiere und kann somit einer Arthritis vorbeugen oder Beschwerden lindern. Die heilenden Wirkstoffe der Aloe Vera können unserem Körper durch regelmäßiges Trinken des Saftes zugeführt werden, aber auch durch äußere Anwendungen über die Haut. Schon seit längerem bekannt sind Kosmetikprodukte, die mit Aloe Vera-Bestandteilen werben. In geringen Dosen, vermischt mit vielen anderen Produkten kann die Pflanze ihre Wirkung jedoch kaum entfalten. Empfehlenswerter ist daher, die Haut mit dem reinen Aloe Vera–Saft einzureiben. Er dringt sehr schnell in die Haut ein und verleiht ihr ein glattes Aussehen. Seine entzündungshemmende Wirkung hilft außerdem bei unreiner Haut und Akne. Hat man eine eigene Aloe Vera zur Verfügung, so kann man auch das frisch abgeschabte Blattgel verwenden. Bei Verbrennungen, Verbrühungen oder auch Insektenstiche oder Schnittwunden legt man ein Gelstück direkt auf die betroffene Haut.
Äußerliche und innerliche Anwendung
Wer selbst das Blattgel aus einer Aloe Vera gewinnen möchte, sollte folgendes beachten:
Kaufen Sie eine möglichst alte Pflanze (möglichst 4 Jahre alt) bei einem erfahrenen Gärtner.
| Aloe Vera Pflanze |
Die Pflanze liebt einen sonnigen Platz an einem Südfenster und benötigt wenig Wasser.
Wollen Sie den Saft oder das Gel verwenden, schneiden Sie mit einem scharfen Messer eines der unteren Blätter ab. Pressen Sie den Saft aus dem Blatt, nachdem es an der Unterseite leicht angeritzt wurde. Bei Verwendung des Gels schneiden Sie ein Stück Blatt ab und lösen das Gel aus der Schale.
Saft und Gel bewahren sie am besten in einem dunklen Glas im Kühlschrank auf. Allerdings geht seine Wirkung unaufbereitet relativ schnell verloren, Erfahrungen zeigen, dass es kaum länger als 24 Stunden nutzbar ist. Will man den Aloe-Saft für eine Trink-Kur verwenden, sollte man auf die fertigen Säfte aus dem Handel zurückgreifen, denn diese innerliche Anwendung sollte immer Langzeitcharakter haben, d.h. mindestens über drei Monate regelmäßig angewendet werden. Sinnvoll ist jedoch eine Erste-Hilfe-Pflanze für leichte Verbrennungen oder Insektenstiche, wie sie bereits in früheren Zeiten als Brandaloe in den Küchen zu finden war.
Fortsetzung im nächsten Heft
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