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Naturel-Online.de, Bildschirmfoto vom Oktober 2004
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ...
Autor:Anna-Maria Bloße (09.11.2004)

Advent, Advent...
Advent, Advent...

Die stillen, besinnlichen Wochen des Jahres sind für uns Eltern oft eine besonders stressige Zeit, da wir nicht nur Berufsalltag, Kinder und private Verpflichtungen unter einen Hut bringen sollen, sondern auch noch diverse Weihnachtseinkäufe zu tätigen sind.
Stellen Sie doch dieses Weihnachtsfest (und hoffentlich jedes weitere) unter das Motto: „Lieber ein paar Geschenke weniger unter dem Weihnachtsbaum, dafür mehr Zeit bewusst mit den Kindern verbringen“.

Gerade die Adventszeit ist eine besondere Zeit des Jahres. Es ist eine Zeit der Einkehr und der Stille, der Vorfreude und der
Erwartung, Zeit für gemütliche Runden in der Familie oder im
Freundeskreis bei Kerzenschein und Gebäck, beim Hören besinnlicher Musik und weihnachtlicher Texte.
Advent heißt Ankunft. Die Geburt des Gotteskindes wird vorbereitet. Die Adventszeit ist voller schöner Rituale. Die brauchen wir, sie tun unserer Seele gut und auch unseren Kindern. Erinnern Sie sich noch, warum die Äpfel am Kranz oder am Weihnachtsbaum eine blasse und eine rote Seite haben sollen?
Kennen Sie die Tradition der Barbarazweige, die aus dem 15. Jahrhundert stammt? Wissen Sie, was ein Klausenbaum ist? Und ist Ihnen bekannt, dass Lebkuchen etwas mit der Heilkunst und den Arzneien mittelalterlicher Klöster zu tun haben? Das sind uralte Adventstraditionen, die wir neu beleben können. Basteln Sie doch dieses Jahr mit ihren Kindern einen Klausenbaum. Hier finden Sie die Bauanleitung.

Der Klausenbaum

Der Klausenbaum oder auch „Julapfel-Leuchter“ ist ein Weihnachtsleuchter in Form einer Pyramide. Sein Name ist abgeleitet vom Nikolaus. Die Herstellung ist sehr einfach, und doch verbreitet er eine außergewöhnliche Atmosphäre. Benötigt werden 4 Äpfel, 4 Kerzen und 6 Holzpflöcke. Zunächst werden die Holzpflöcke auf eine einheitliche Länge von max. 30 cm gebracht und an beiden Seiten angespitzt.
3 Äpfel werden mit 3 Holzpflöcken zu einem liegenden Dreieck verbunden, dann werden die übrigen Pflöcke – durch den vierten Apfel zusammengehalten – schräg aufwärts gerichtet angebracht. Auf diesen obersten Apfel sowie auf die drei liegenden Verbindungsstücke werden die Kerzen gesetzt – in der Regel genügen einige Tropfen Kerzenwachs, um die notwendige Stabilität zu garantieren. Eventuell sollten die Verbindungsstäbe vorher entsprechend eingekerbt werden. Je nach Geschmack fügen Sie Tannengrün oder Nüsse hinzu. Diese einfache Konstruktion ist voll von weihnachtlicher Symbolik:.

Die äußere Form spielt auf den Weltenberg an, der nach indogermanischem Mythos in der Weltmitte steht. Kerzen, Äpfel und Immergrün folgen dem Bild des Weihnachtsbaumes. Die vier Seiten der Pyramide entsprechen den vier Elementen: Feuer, Erde, Luft und Wasser.

Barbarazweige

Das ist ein Brauch aus dem 15. Jahrhundert. Wer zum Weihnachtsfest blühende Zweige haben will, soll am 4. Dezember, dem Barbaratag, benannt nach der heiligen Barbara, Zweige vom Kirsch-, Birnen- oder Pflaumenbaum abschneiden und sie in ein Gefäß mit Wasser stellen. Sie werden am 25. Dezember blühen und so auf ihre Weise die Weihnachtsbotschaft verkünden: neues Leben beginnt mit Jesus: „Es ist ein Ross entsprungen aus einer Wurzel zart.“

Lebkuchen

Das Wort „leb“ stammt aus dem Althochdeutschen. Es bedeutet „Heil- und Arzneimittel“. In den Klöstern gab es früher besondere Gärten. Aus den dort wachsenden Pflanzen und Kräutern wurde Medizin hergestellt. Aber man stellte keine Tabletten daraus her, sondern verarbeiten die Heilkräuter und Heilsäfte zu Gebäck. Die besonders wohlschmeckenden wurden zu Weihnachten in den Klöstern als „Lebkuchen“ verteilt, mit dem Hinweis, dass zu Weihnachten durch die Geburt Jesu der ganzen Welt „Heil“ oder „Gesundheit“ geschenkt wird.

Marzipan

Marzipan wurde ursprünglich aus Myrrhe hergestellt, dem wohlriechenden Harz einer in Äthiopien und Arabien wachsenden Pflanze. Das bittersüße Konfekt aus Myrrhe bot man zuerst in Venedig an. Nach dem Schutzheiligen Venedigs, St. Markus, wurde es Markusbrot oder lateinisch Marci panis genannt. Ritter des Deutschen Ordens brachten es im Zeitalter der Kreuzzüge nach Deutschland. Hier wurde Marzipan schnell sehr beliebt, aber der Myrrhensaft war teuer und schwer zu beschaffen. So suchte und fand man bald eine ähnliche Substanz. Als Lübecker oder Königsberger Marzipan bleibt es, bitter und süß zugleich, eine weihnachtliche Leckerei und erinnert an die Myrrhe der drei Weisen aus dem Morgenlande.

Äpfel als Weihnachtsbaumschmuck

Blank geputzte Äpfel gehören auch heute noch in manchen Häusern zum Schmuck des Weihnachtsbaumes. Nach altem Brauch sollten die Weihnachtsäpfel eine bleiche und eine rote Seite haben. Die bleiche Seite steht für den Tod und die rote für das neue Leben, das Gott zu Weihnachten schenkt.

Backen ist Gebet

Ich möchte Sie ermutigen, folgendes Rezept für stimmungsvolles Sinngebäck auszuprobieren. Es ist das Ergebnis vieler gelungener und missglückter Versuche. Und es stellte sich heraus, dass es wenig Sinn hat, exakte Mengenangaben zu machen, wenn man nicht gleichzeitig sicherstellen kann, dass auch die Zutaten exakt die gleichen sind. Wichtig ist nur, dass ein gut formbarer Teig entsteht, nicht zu nass und nicht zu fest, der gut in den Händen liegt, phantastisch duftet und durch seine goldbraune Farbe die Augen erfreut.

Ich möchte Sie also ermutigen, mit Liebe und Intuition zu backen. Sie werden sehen, nein, fühlen, es ist wunderbar.
Wir nehmen also:
• Ca. 500g Vollkornschrot, etwas Weißmehl dazu, Zucker oder Honig, und etwas Treibmittel (weniger als bei Mürbekuchen üblich, sonst verlaufen beim Backen die Symbole) und vermischen diese Zutaten
• Jetzt eine Mischung aus ca. 250g Quark, 150g Butter und 2 Eiern dazurühren.
• Zum Schluss die Gewürze hinzufügen: Zimt, Anis und Nelke, und etwas Kardamom. Wer möchte kann auch auf fertige Lebkuchengewürzmischungen bzw. Siebenerlei zurükkgreifen. Aus diesen Zutaten soll ein gut formbarer Teig entstehen.
Lassen Sie sich bitte nicht entmutigen, wenn es nicht gleich klappt. Die wertvollen Dinge des Lebens muss man sich oft erarbeiten. Vertrauen Sie dabei ganz Ihren Sinnen: den Händen, die den Teig kneten, der Nase, welche die Düfte der Gewürze wahrnimmt und Ihren Augen. Aus einem Teig, der nicht gut duftet und noch schlechter schmeckt, kann kein stimmungsvolles Sinngebäck entstehen. Farbe, Form, Geruch und nicht zuletzt der Geschmack entscheiden, ob aus diesem Teig wahrhaft weihnachtliches Gebildbrot wird. Aus dem Teig formen Sie Spiralen, Symbole, Tiere oder andere Gebilde, die Sie dann an den Christbaum hängen können.

Zeit für die Familie nehmen

Advents- und Weihnachtszeit ist eine reiche Zeit im Jahreskreis, wenn wir uns nicht zu viel zumuten, wenn wir mehr Wert auf das gemeinsame Tun als auf das Konsumieren legen, wenn wir uns Zeit für die Familie nehmen - und so auch auf das ein oder andere im Alltag verzichten. Können Sie Termine streichen, Überstunden lassen, ein Drei-Gänge Menü in Würstchen mit Kartoffelsalat tauschen, das Fußballturnier am Adventssonntag absagen, den Verwandtschaftsbesuch reduzieren? Entdecken Sie die „stille Zeit“ in unserer hektischen Welt wieder und genießen sie Sie als „Tankstelle“ für den Start in das neue Jahr. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes Gelingen, eine besinnliche Adventszeit und schöne Festtage!

Anna-Maria Bloße

Die geweihten NächteDie geweihten Nächte

von Björn Ulbrich, Holger Gerwin

Erscheinungsdatum: November 1999
Arun Verlag
ISBN 3-927940-52-6

Alles was man über Weihnachten wissen sollte
Jeder von uns feiert Weihnachten - mit Baum und Schmuck und fetter Gans. Aber wer weiß denn noch, warum wir das alles machen? So mancher Brauch erhält eine völlig neue Bedeutung, wenn man die Hintergründe kennt. Wußten Sie z.B., dass unsere Vorfahren schon vor Tausenden von Jahren Weihnachtsgelage im Kreise der Sippschaft abhielten? Dass der Adventskranz eng verwandt mit dem Grabkranz ist? Oder dass eigentlich niemand...


Symbol-GebäckSymbol-Gebäck

von Helge Folkerts

Erscheinungsdatum: Oktober 2000
Arun Verlag
ISBN 3-927940-69-0

Sinn- und Symbolgebäck verständlich gemacht.
Noch immer werden zu bestimmten Festen besondere Speisen und Gebäcke zubereitet. So gehören zu Weihnachten Lebkuchenherzen, zu Neujahr Brezen, zu Fasching Krapfen, zu Ostern Lamm- und Widderformen, oder zu Totengedenken geflochtene Kranzgebäcke. Wir übernehmen diese Tradition gewohnheitsmäßig, ihr bedeutungsvoller Hintergrund ist uns meist nicht mehr bekannt. Viele Bilder aus der Backpraxis der Verfasserin unterstützen Anfänger-Bemühungen oder inspirieren zu selbständigen Kreationen.Helge Folkers ist gelernte Erzieherin und studierte sowohl soziale Berufe als auch Bildhauerei und Kunstgeschichte. Die Mutter von 5 Kindern lebt heute in Oberbayern am Starnberger See.










Autor:Anna-Maria Bloße (09.11.2004)

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