Es ist die Furcht, durch die die Frau und ihr Kind während der Geburt leiden – so eine Weisheit der !Kung-Buschfrauen. Die festen Regeln ritueller Handlungen vermitteln in einer solchen Situation Sicherheit und Geborgenheit, geben Körper und Seele Ruhe und Kraft. Die Art der Rituale variiert in Zeit und Raum. So werden in Pakistan alle Türen und Fenster geöffnet, alle Knoten gelöst, Flaschen entkorkt und Kühe und Schafe losgebunden, um der Frau eine Vorstellung von den Vorgängen in ihrem Körper zu geben. In Benin wirft die Hebamme einen Behälter mit einer Kräutermedizin zu Boden, nachdem sie der Gebärenden etwas davon gab, ein Symbol dafür, dass auch das Kind bald herausgeworfen werden mag. Viele Rituale sollen sich direkt auf die körperliche Befindlichkeit der Frau auswirken und ihr so auch seelische Entspannung bringen. Mit warmen Holunderauflagen lindern die japanischen Ainu Rückenschmerzen, und die Hebammen Jamaikas massieren den Leib der Frau mit den schleimigen Blättern der Toona-Pflanze, um das Kind in die richtige Lage zu drücken. In den vergangenen Jahrzehnten beherrschten besonders in der westlichen Welt die medizinischen Rituale in sterilen Krankenhaussälen den Geburtsvorgang. Neue chemische Medikamente lösten natürliche Heilmittel ab und versprachen den Frauen eine schmerzarme oder gar schmerzlose Geburt. Ein bewusstes Miterleben und Mitgestalten der Geburt durch die Frau rückte dabei immer weiter in den Hintergrund. Auf der Suche nach einem Kompromiss zwischen größtmöglicher medizinischer Sicherheit und der Rückbesinnung auf die Bedeutung und Schönheit des Geburtserlebnisses gibt es heute zahlreiche Alternativen zur herkömmlichen Krankenhausgeburt. In der Hebammenpraxis Bühlau in Dresden haben Frauen die Möglichkeit, ambulant in einer sehr familiären und harmonischen Atmosphäre ihr Kind zur Welt zu bringen. Kerzenschein und gedämpftes Licht empfängt die Frauen, soll ihnen helfen, sich auf das Innere ihres Körpers zu konzentrieren. Die Hebammen kennen die Geheimnisse und Kräfte verschiedener Düfte und ätherischer Öle, die die Stimmung der Frau während der Geburt beeinflussen können. Unmittelbar nach der Geburt legt sich die Mutter ihr Kind so auf ihren Körper, dass es ihren Herzschlag spüren kann- das einzig Vertraute in diesem Moment. Ein wichtiges Ritual ist das Durchtrennen der Nabelschnur, bezeugt es doch die endgültige erste Loslösung des Kindes von der Mutter. Meist trennt der Vater diese letzte stoffliche Verbindung, ein schönes Zeichen seiner Zugehörigkeit und Verantwortung. Die kleine Familie hat nun Zeit, das „Fest der Geburt“ zu feiern. Die Hebamme schenkt dem neugeborenem Kind ein kleines Geburtslicht, auf dem der Name und das Geburtsdatum festgehalten sind.
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