| BIP-Kreativitätsgrundschule Heidenau |
Fröhliches Kinderlachen schallt durch das Schulhaus. Die Flure: eine zauberhafte Galerie aus Kinderbildern. Die Toiletten sauber und ohne die Spuren von Zerstörungswut. „Vandalismus gibt es bei uns gar nicht“, erklärt eine der beiden Schulleiterinnen, Frau Dröge. „Das ist unser Haus. Alle gestalten, schmücken und räumen auf.“ Der Waschraum ist auffallend freundlich gestaltet. Jedes Kind hat hier sogar eine eigene Zahnbürste. „Das ist auch wichtig, wenn die Kinder so lange hier sind.“ Im Keller befinden sich die Werkstätten, die neuesten Arbeiten der Kinder liegen gerade zum Trocknen aus. „Es ist entscheidend, dass die Kinder so richtig Zeit haben etwas zu malen oder zu gestalten, erklärt Frau Buckow, die andere Schulleiterin. „In 45 Minuten hat man gerade erst angefangen eine Idee zu entwickeln, da muß man schon wieder aufräumen.“
| Indianerzelt für das darstellende Spiel |
Die Rede ist von der BIP-Kreativitätsgrundschule in Heidenau. Sie ist eine staatlich anerkannte Alternativschule. Seit März 2001 hat sie ihr Domizil auf der Waldstraße. Zur Zeit gibt es zwei erste Klassen, eine zweite und eine dritte Klasse. Von außen ist das Gebäude ein alter DDR-Bau, aber wer es betritt, wähnt sich einen Moment lang in Finnland oder Schweden. Dort, das haben wir durch die Veröffentlichung der PISA-Studie erfahren, gibt es offenbar Schüler, die gern zur Schule gehen und obendrein weit bessere Leistungen erzielen als die deutschen Zöglinge. Hierzulande ist Schule eher ein öffentliches Ärgernis. Unsere Kinder hat die PISA-Studie als Lernmuffel geoutet. Doch offensichtlich geht es auch anders:
| Projekt "Hasenohr" |
BIP-Kreativitätsgrundschulen fördern die Begabung, die Intelligenz und die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler. Der Unterricht nach dem sächsischen Lehrplan wird durch ein Kreativitätsförderprogramm zur Entwicklung aller Sinne und der Entwicklung der Begabung eines jeden Kindes ergänzt. Das Konzept wurde von den Professoren Dr. Gerlinde und Dr. Hans-Georg Melhorn entwickelt. Ausgangspunkt waren umfangreiche Forschungen und die Erkenntnis, dass entscheidende Weichen für eine hohe Begabung mit außergewöhnlichen kreativen Leistungen bereits im Vorschulalter und frühen Schulalter gelegt werden. Viele der genialen Erfinder, Wissenschaftler und Künstler erhielten in ihrer frühen Kindheit breite und intensive Anregungen auf unterschiedlichen und meist auf künstlerischen Gebieten.
An der Schule unterrichten Kreativitätspädagogen und Muttersprachler in den Fremdsprachen. Kreativitätspädagogen sind Grundschullehrer mit einer Zusatzausbildung von 1 1/2 Jahren. Ihre Maxime lautet: „Behandle jedes Kind so, als sei Dir bewusst, dass es gerade auf Deinem Gebiet besonders begabt ist – auch wenn das bisher noch niemand erkannt hat.“ Pro Unterrichtsstunde kümmern sich zwei von ihnen um eine Klasse mit maximal 20 Kindern. Dadurch ist gewährleistet, dass sich der Lehrer ganz individuell um jeden einzelnen Schüler kümmern kann. Unterrichtsausfall gibt es dadurch nicht. Zu den zwei Lehrern stehen den Kindern auch zwei Klassenräume, die durch eine Tür miteinander verbunden sind, zur Verfügung. So gibt es neben mehr Betreuung auch mehr Raum zum Lernen.
| Klassenzimmer |
Die Schule steht ihren Schülern von 7.00 Uhr bis 18.00 Uhr offen. Der Unterricht beginnt 8.15 Uhr und endet 16.00 Uhr. Vormittags werden die „normalen“ Fächer des sächsischen Lehrplans, der auch hier verbindlich ist, unterrichtet. Danach schließen sich die kreativen Fächer an. An vier Nachmittagen der Woche werden Musik und Rhythmik, Tanz, Bildkunst, darstellendes Spiel, Kreatives Schreiben, Computer und Schach gelehrt. Ein Nachmittag ist frei oder wird zum Erlernen eines Instrumentes, wie Keyboard oder Gitarre, genutzt. Zusätzlich zum sächsischen Lehrplan werden den Kindern bereits in der ersten Klasse Stunden in Englisch, Französisch und Arabisch gegeben.
Der Vorteil des Schulkonzeptes liegt in der Komplexität des Herangehens. So ist beispielsweise das „A“ nicht nur ein Buchstabe, sondern es kann auch Ausdruck eines Erlebnisses sein, ein Schrei, ein Gefühl wiedergeben, eine wiederzufindende Note in Liedern sein. Es bedeutet in der englischen, französischen, arabischen Sprache etwas anderes, wird anders gesprochen und geschrieben, es findet sich auch auf dem Schachbrett wieder wie auf dem Keyboard, wobei das computerverschnörkelte @ wieder etwas ganz anderes bedeutet. An diesem Beispiel wird der Unterschied zwischen der Methodik der Kreativitätspädagogik und der Methodik des Erstleseunterrichts deutlich: „Ein kleines Stück Kreativitätsentwicklung des Entdeckens in immer anderen Zusammenhängen.“
Hausaufgaben gibt es keine, denn alle schulischen Aufgaben werden in der Schule erledigt. Das erfolgt durch die Konzeption zweier Kreativitätspädagogen pro Klasse in einer weitgehend den Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder entsprechenden Form. Und so bleibt auch der schwere Schulranzen in der Schule und wird nur am Wochenende mit nach Hause gegeben. Lediglich das Hausaufgabenheft wandert täglich im Rucksack mit dem Frühstück hin und her, damit die notwendigen Informationen zwischen Lehrern und Eltern ausgetauscht werden können.
| Projekt "Spiegelungen" |
Bereits im Halbjahr der ersten Klasse gibt es Zensuren. Am Ende des Schuljahres erhalten die Kinder zwei Zeugnisse. Auf dem ersten stehen die Noten der staatlichen Fächer und die Beurteilung. Das zweite Zeugnis ist direkt an die Kinder gerichtet. Es gibt Auskunft über die Lernfortschritte in den kreativen Fächern.
Natürlich hat die Schule aufgrund des erhöhten Personals und der Kosten für die Kreativitätsfächer inklusive des Unterrichtsmaterials höhere Ausgaben. So zahlen die Eltern zusammen mit dem Hortbeitrag insgesamt 250,- Euro.
Die Erfolge der BIP-Kreativitätsschulen sind auf die sehr gute Arbeit der Pädagogen zurückzuführen, auf ihren Ethos, auf ihre Anstrengungsbereitschaft, auf ihre Leidenschaft, Lehrer sein zu wollen. Sie lieben ihren Beruf ebenso wie die ihnen anvertrauten Kinder. Ziel der Schule ist es, die Kinder nicht nur zu bilden, sondern auch zu erziehen: Werteerziehung gemeinsam mit den Eltern. Dazu gehören Anstand, Höflichkeit, Verantwortungsbewusstsein für sich und andere, Engagement, Lust auf Lernen und Leisten, auf Kreativität und Unternehmergeist und vieles andere auch.
| Basteln mit Draht |
Nach den Ergebnissen der PISA-Studie entsteht derzeit ein neuer Mythos: Ganztagsschulen, welche die Kinder längere Zeit in der Schule „aufbewahren“ seien besser, als die Kinder nach Hause zu schicken. Daraus kann nur Realität werden, wenn man nicht vergisst, die entsprechenden Konzepte für diese Zusatzzeiten zu entwickeln. Kriterium muss dabei immer das Niveau der Beschäftigung mit den Kindern sein.
Wenn wir also eine Ganztagsschule suchen, die ganzheitlich, praktisch und handlungsorientiert lehrt, so bietet die BIP-Krativitätsschule all das in ihrem Konzept.
Noch mehr über BIP-Kreativitätsschulen in Deutschland unter http://www.bip-kreativitaetsschulen.de.
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