Jede Art und jede Form der Annäherung an das Labyrinth hat seine Berechtigung. Sowohl die theoretische, als auch die praktische. Am lebendigsten aber sind die Beiträge, die beides vereinen.
Das finde ich, neben dem sehr anschaulichen Bericht über die Labyrinthbewegung in den Vereinigten Staaten von Robert Ferré, vor allem in den Texten der Frauen. Ilse Seifried, Susanne Kramer-Friedrich und Agnes Barmettler schildern, wie sie und andere Frauen die Labyrinthidee aus dem persönlichen Erleben heraus getragen haben, um sie für viele Menschen in einfacher Weise nacherlebbar zu machen.
Der Weg führt von Ausstellungen mit begehbaren Labyrinthen bis hin zu dauerhaften Labyrinthplätzen an öffentlichen Orten, die zu Kultur- und Kommunikationsräumen werden.
Ausgangspunkt der Labyrinthbewegung im deutschsprachigen Raum war vor dreizehn Jahren die Schweiz mit dem Labyrinthplatz in Zürich. Agnes Barmettler gehört zu den Pionierinnen dieses Platzes. „Das Labyrinth – eine Liebesgeschichte“, überschreibt Sie ihren Beitrag. In diesem Titel steckt etwas, das allen Beiträgen eigen ist: Wer sich mit dem Labyrinth beschäftigt, den beschäftigt das Labyrinth. Ob nun labyrinthische Strukturen in Städten aufgespürt werden (Henning Eichberg) oder den Möglichkeiten der Transformation mit Hilfe der Kunst auf den Grund gegangen wird (Voré).
Die Herkunft der AutorInnen zeigt, dass sich die Labyrinthbewegung parallel in verschiedenen Ländern ausbreitet. Das Labyrinth wird gebraucht, in einer Zeit, in der weltweit die bestehende Strukturen und Werte hinterfragt werden.
Es hilft, Umkehr, Wende und Wandel als das zu verstehen, was es ist: ein Grundmuster des Lebens. Was am Ende des Buches klar wird: die Lektüre allein genügt nicht. Wer das Labyrinth verstehen will, muss es begehen. Robert Ferré bringt es am Schluss seines Beitrages auf den Punkt: „...denken sie daran, dass uns das Labyrinth ein Erlebnis ermöglicht. Wir sollten die Mahlzeit nicht mit der Speisekarte verwechseln. Werkzeuge können sehr schön anzuschauen sein. Aber sie machen nur dann Sinn, wenn sie benutzt werden“. Der Band ist mit zum Teil großformatigen, sehr sinnlichen, stimmungsvollen und informativen Bilder ausgestattet, die Appetit auf mehr machen: einen Labyrinthplatz aufsuchen und den verschlungenen Wegen folgen. Oder selbst ein Labyrinth bauen (eine Anleitung dazu gibt es im Anhang des Buches). Verbindung aufnehmen zu Frauen, die Labyrinthplätze geschaffen haben oder betreuen, sich austauschen, den eigenen Zugang finden. Ich empfinde es als sehr bereichernd, dass es dieses Buch gibt, in dem Frauen von ihren Labyrintherfahrungen in der heutigen Zeit berichten. Das nimmt die Scheu vor einem Symbol, das in unserer Kultur nicht mehr oder noch nicht wieder selbstverständlich ist.
Ilse M. Seifried
„Das Labyrinth oder die Kunst zu wandeln“
Haymon Verlag Innsbruck
ISBN 3-852-18-400-2
34 Euro
Labyrinthplätze in Deutschland
http://www.begehbare-labyrinthe.de
Labyrinthplätze in Österreich
http://www.das-labyrinth.at
Labyrinthplätze in der Schweiz
http://www.labyrinth-project.ch
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