| Albert Einstein |
1) daß meine Kinder und Wäsche ordentlich im Stand gehalten werden.
2) daß ich die drei Mahlzeiten im Zimmer ordnungsgemäß vorgesetzt bekomme.
3) daß mein Schlafzimmer und Arbeitszimmer stets in guter Ordnung gehalten sind, insbesondere, daß der Schreibtisch mir allein zur Verfügung steht.
B. Du verzichtest auf alle persönlichen Beziehungen zu mir, soweit deren Aufrechterhaltung aus gesellschaftlichen Gründen nicht unbedingt geboten ist. Insbesondere verzichtest Du darauf
1) daß ich zu Hause bei Dir sitze.
2) daß ich zusammen mit Dir ausgehe oder verreise.
C. Du verpflichtest Dich ausdrücklich, im Verkehr mit mir folgende Punkte zu beachten
1) Du hast weder Zärtlichkeiten von mir zu erwarten noch mir irgendwelche Vorwürfe zu machen.
2) Du hast eine an mich gerichtete Rede sofort zu sistieren, wenn ich darum ersuche.
3) Du hast mein Schlaf- und Arbeitszimmer sofort ohne Widerrede zu verlassen, wenn ich darum ersuche.
D. Du verpflichtest Dich, weder durch Worte noch durch Handlungen mich in den Augen meiner Kinder herabzusetzen.“
Zwischen den Briefen liegen vierzehn Jahre. Der nun 35jährige Einstein ist inzwischen Professor für Theoretische Physik in Berlin, wo er ein Verhältnis mit seiner Cousine Elsa Löwenthal begonnen hat. 1919 wird er sie auch heiraten. Es folgte eine Art Freikauf: Für die Scheidung erhält Mileva für sich und die beiden Söhne 1922 das gesamte Nobelpreisgeld: 180.000 Schweizer Franken.
Lieserls Augerl
Die Ehe der beiden stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Noch bevor der junge Einstein nach Abschluss des Züricher Polytechnikums eine feste Stelle ergattern konnte, war seine Freundin schwanger geworden – für das unverheiratete Paar in der gutbürgerlich-konservativen Schweiz eine mittlere Katastrophe. Zudem waren Alberts Eltern strikt gegen die Verbindung mit der kleinwüchsigen Physikstudentin, die wegen einer nicht richtig auskurierten Krankheit auch noch hinkte. Ihr Sohn habe eine Frau verdient und „kein Buch“, beschwor ihn vor allem die Mutter. Es spricht für den Sohn, dass er sich dem Druck der Familie nicht fügte. Doch die ungewollte Schwangerschaft zwang zu Konzessionen. Noch bevor das Kind auf die Welt kam, einigte sich das Paar darauf, es wegzugeben. Ausschlaggebend dafür waren neben den Vorhaltungen aus der Familie auch die unklare existenzielle Lage des Jungphysikers. Während Milevas Schwangerschaft fristete Einstein sein Dasein zunächst als Aushilfslehrer mit kärglichen Einkommen.
Hauptgrund für die Entscheidung gegen das Kind dürfte jedoch gewesen sein, dass der ersehnte Job als Experte III. Klasse am Berner Patentamt die Einbürgerung erforderte. Als Jude mit unehelichem Kind wäre die wirklich gefährdet gewesen. So blieb Mileva mit dem Anfang 1902 geborenen „Lieserl“ vorerst bei ihren Eltern in der Vojvodina und versuchte die Fragen des Kindesvaters zu beantworten: „Ist es auch gesund und schreit es schon gehörig?“ erkundigte sich Einstein bei der Mutter. „Was hat es denn für Augerl? Wem von uns sieht es mehr ähnlich?... Ich hab es so lieb & kenns doch gar nicht.“ Dabei sollte es auch bleiben. Die Tochter hat ihren Vater nie gesehen. Was aus ihr wurde ist unklar, denn das Ehepaar hat die Existenz des Kindes wie ein Staatsgeheimnis behandelt. Weder Einstein noch sein Frau erwähnten sie je offiziell.
| Elsa und Albert Einstein |
Wie auch immer: Die Abkehr des jungen Helden von seinem erstgeborenen Kind wirft trotz der widrigen Umstände auf diesen ein unschönes Licht. Das sich verstärkt, wenn man Äußerungen des erwachsenen Einstein z.B. über Frauen liest:
„Verglichen mit diesen Weibern ist jeder von uns ein König, denn er steht halbwegs auf eigenen Füssen, ohne immer auf etwas außer ihm zu warten, um sich daran zu klammern. Jene aber warten immer, bis einer kommt, um nach Gutdünken über sie zu verfügen.“
Rücksichtlose Offenherzigkeit
| Albert und Stieftochter Margot Einstein |
Der Einstein-Biograf Albrecht Fölsing kommentiert dazu: „Es ist das erste und nicht das letzte mal, daß Albert Einstein in Äußerungen über persönliche Dinge weniger von Takt und Einfühlung als von rücksichtloser Offenherzigkeit geleitet war.“ So kann man es natürlich auch formulieren.
Dieser Defizite war Einstein sich durchaus bewusst. In einem Brief an den Sohn seines verstorbenen alten Freundes Besso heißt es zu Thema Beziehungen : „Was ich aber am meisten an ihm als Mensch bewundere ist der Umstand, daß er es fertiggebracht hat nicht nur im Frieden, sondern sogar in dauernder Konsonanz mit einer Frau zu leben – ein Unterfangen, in dem ich zweimal ziemlich schmählich gescheitert bin.“
Das hört sich an, als hätte er es ernsthaft versucht. Tatsächlich jedoch definierte er sich schon früh als „Einspänner“ und richtete sich in dieser Rolle ein – wozu auch bald nach der Hochzeit mit Elsa mehr oder weniger offen geführte Affären mit anderen Frauen gehörten. Er wirke auf diese „wie ein Magnet auf Eisenpulver“, meinte der Architekt Kassmann in den zwanziger Jahren. Eine Teilerklärung für diesen Magneteffekt liefert die Beschreibung eines französischen Journalisten anlässlich eines Paris-Besuches 1922:
„Einstein ist groß (etwa 1,76 Meter), mit breiten Schultern und einem kaum gebeugten Rücken. Sein Kopf – dieser Kopf, in dem die Wissenschaft der Welt neu geschaffen wurde – erregt sofort Aufmerksamkeit. Ein kleiner Bart, dunkel und sehr kurz, schmückt seinen sinnlichen Mund, sehr rot, ziemlich groß, und die Mundwinkel verraten ständig ein leichtes Lächeln. Der stärkste Eindruck aber ist der einer verblüffenden Jugendlichkeit, sehr romantisch und in gewissen Momenten unwiderstehlich an den jungen Beethoven erinnernd...“
Verzicht eines Sternensuchers
| Albert Einstein |
Fortan jedenfalls sorgte Elsa dafür, dass nur noch Sekretäre angestellt wurden. Und anders als die „unfreundliche und humorlose Kreatur“ Mileva, die ihrem Mann mit „slawischer Schwermut“ und Eifersuchtsszenen das Leben schwer gemacht hatte, arrangierte sie sich nach anfänglichen Widerständen mit den Seitensprüngen ihres weltberühmten Gatten.
Freilich nicht ohne kleine Schikanen. So berichtet die Haushälterin Hertha Schiefelbein von einem heftiger Streit zwischen den Eheleuten um das „Taschengeld“ des Professors. Der war von seiner damaligen Geliebten Toni Mendel, einer reichen Unternehmerwitwe ins Theater eingeladen worden und verlangte für diesen Ausflug zusätzliches Geld aus der Haushaltskasse, was Elsa ihm zu verweigern versuchte. Nach längeren Spektakel setzte sich der Hausherr durch. Wozu auch gehörte, dass er fortan des öfteren in der Wannsee-Villa der schönen Witwe übernachtete und am Wannsee zeitweilig auch sein Segelboot vertäute.
Aus dieser und anderen Seitensprüngen hat Einstein nie ein Hehl gemacht; Toni Mendel schien irgendwie sogar zur erweiterten Familie zu gehören - von Elsa gezwungenermaßen geduldet.
Deren Toleranz wurde jedoch arg strapaziert, denn ihr Mann begnügte sich nicht mit nur einer Parallelbeziehung. Neben einer weiteren Gespielin mit dem bemerkenswerten Namen Estella Katzenellenbogen war es vor allem Margarete Lebach, die es Einstein angetan hatte (und umgekehrt) – eine gutaussehende blonde Österreicherin um die 30. Da die fast 50jährige die Besuche der Konkurrentin irgendwann nicht mehr ertragen konnte, richtete sie es fortan so ein, dass sie die Tage in Berlin verbrachte, wenn „die Österreicherin“, wie sie nur genannt wurde, Einstein im Sommerhaus in Caputh besuchte, um mit ihm zu segeln. Denn diese Segeltouren bestanden bisweilen nur aus ausgedehnten Aufenthalten im Schilf. Natürlich blieb das gestörte Verhältnis des Ehepaares den Freunden und Besuchern nicht verborgen. So beobachtete der Atomphysiker Max Born, dass „... das Verhältnis zwischen ihm und seiner Frau unerklärlich kühl war. Frau Einstein war da und doch nicht vorhanden.“ Das merkwürdige Verhältnis zwischen Cousin und Cousine währte bis zu Elsas Tod 1936 in Princeton. Für das anstrengende Leben an der Seite ihres Gatten hatte sie sich ein Erklärung gebastelt: „Man darf ihn nicht zergliedern, sonst kommt man auf „Ausfallerscheinungen“. Solch ein Genie hat solche, oder glaubt man, er sei untadlig nach jeder Hinsicht. Mit nichten, so verfährt die Natur nicht. Wo sie so uferlos verschwendet, da nimmt sie an anderer Beziehung auch fort. ...der Herrgott hat schon viel Schönes in ihn hineingelegt und ich find ihn wundervoll, trotzdem das Leben an seiner Seite aufreibend und kompliziert ist.“
| Albert Einstein |






